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Wälder in Hessen Forst ohne Fichte

Massiver Borkenkäferbefall sorgt für eine Ausnahmesituation in heimischen Wäldern. Für 2019 drohen ein Preisverfall und weitere Kahlschläge.

Borkenkäfer
Die befallenen Fichten müssen raus: Baumfällarbeiten im Stadtwald Usingen. Wegen eines Nisthäuschens durfte die Fichte vorn nicht ganz gefällt werden. Foto: Michael Schick

Hier, auf dem Renzenberg bei Merzhausen, sieht es aus wie in vielen Waldbezirken von Deutschland und Mitteleuropa. Während der Fichtenbestand auf einer 2,5 Hektar großen Fläche komplett abgeräumt ist, stehen noch einzelne Bäume auf einem benachbarten Areal. Was dem Nadelholz zugesetzt hat, benennt Usingens Stadtförster Karl-Matthias Groß: „Der Sturm am 18. Januar hat die Hälfte des Bestandes niedergeworfen, der Rest wurde vom Borkenkäfer heimgesucht.“

Begünstigt von der seit dem Frühjahr herrschenden Trockenheit und Hitze haben die Auswüchse des bohrenden Buchdruckers hessenweit drastische Ausmaße angenommen. Zur Stunde tummelt sich die dritte saisonale Generation des Schädlings im Nadelholz. „Jede Fichte“, so Groß, „bietet zunächst Platz für etwa 1700 Familien, die sich bei trockenwarmer Witterung dann im ersten Schritt um das 20-fache vermehrt.“ Wenn die Nadeln in der Krone rot werden und die Spitzen absterben, ist der Baum bereits verloren. Um die explosionsartige Ausbreitung des Käfers einzudämmen, gebe es nur eins: „Fällen.“

Seit Mitte August werden die Forstämter von einer Entwicklung überrollt, die Ralf Heitmann, Amtsleiter in Königstein, als „Zeitbombe für 2019“ einstuft. Was sich mit „rasender Geschwindigkeit“ durch die Nadelwälder genagt hat und bald zur vorläufigen Ruhe – „die Borkenkäfer überwintern im Bodenstreu“ – kommen dürfte, wird im Folgejahr mit unverminderter Kraft erneut auftreten. In den vergangenen Monaten seien Kahlschläge in verschiedenen Revieren durchgeführt worden – betroffen sind besonders Gemarkungen in Glashütten, Schlossborn, Schmitten, Dorfweil. „In manchen Beständen haben wir schon vier Mal gearbeitet“, sagt Heitmann. Für den Königsteiner Amtsbereich wird mit einem Fichtenverlust von 30 Prozent gerechnet.

Schon monatelang beschäftigen sich die familiär verbundenen und in Wehrheim stationierten Forstbetriebe Keller und Dietrich mit Picus abies. Windwurf und insektenzersetztes „Kalamitätsholz“ werden mit Hilfe von Vollernter und Rückezug an die Wege geschafft. „Rein manuell ist das unmöglich zu leisten“, sagt Ingmar Dietrich. Pro Woche könne man zwischen 700 und 1000 Festmetern aufarbeiten. Auf der Merzhausener Waldkuppe, wo nun die morgendliche Sonne den Buchdrucker zu neuen Bohrgängen verlockt, bringt Thorsten Keller seine Maschine auf Touren. Schon seit drei Generationen betätigt sich die Familie im Forst – „ein ähnliches Jahr haben wir noch nicht erlebt“. Und: „Emotional ist es belastend, diese zukunftsträchtigen Bestände abzuhacken.“

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