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Virus Grippewelle hält an

Der Hessischen Landesbahn fehlen Fahrer und die Situation in den Frankfurter Kliniken ist „sehr angespannt“.

Grippe
Viele hat die Grippe erwischt. Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Montagnachmittag stand es endgültig fest: „Durch einen außerordentlich hohen Krankenstand bei unseren Fahrpersonal fallen Züge aus“, teilte die Hessische Landesbahn (HLB) im Internet mit. Vier Nachmittagsverbindungen waren betroffen: drei zwischen Bad Homburg und Brandoberndorf, eine von Bad Homburg nach Grävenwiesbach. Auch für heute, Dienstag, müssten Fahrgäste mit Einschränkungen rechnen, war dort zu lesen: „Alle Züge der Linie RB11 Bad Soden–Frankfurt-Höchst fallen aus.“ Die Deutsche Bahn hat aktuell nicht mit einem solchen Problem zu kämpfen. Auch beim RMV sind keine weiteren Ausfälle bekannt.

Schon in der vergangenen Woche hatte die HLB große Probleme, die Dienste zu besetzen, sagt HLB-Prokurist Peter Runge der Frankfurter Rundschau am Montag. Die HLB hatte die Fahrgäste bereits vorgewarnt, konnte schließlich doch den Fahrplan einhalten. Doch aktuell sehe es ganz so aus, dass der Taunusbahn die Fahrer ausgingen. „Es ist schon krass“, sagt Runge. Eine solche Krankheitswelle habe es schon lange nicht mehr gegeben.

Dass die echte Grippe schuld an den vielen Ausfällen ist, liegt nahe. Doch erwiesen ist es nicht. Für das Unternehmen spielt das auch keine Rolle. Fakt ist, dass zu wenige Lokführer einsatzbereit sind. „Hinzu kommt die aktuelle Witterung“, sagt Runge. Bei den derzeitigen Temperaturen gesund zu bleiben, sei nicht einfach. Wer jetzt morgens um 3 Uhr auf der Taunushöhe seinen Dienst antritt, müsse mit minus 15 Grad rechnen.

Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) rief am Montag die Bevölkerung zu einem „konsequenten Mehraufwand an Hygiene“ und „weniger Körperkontakt“ auf: Man möge etwa auf das Händeschütteln verzichten. Die Influenzawelle halte an. Übertragen werde sie durch Tröpfchen- und Schmierinfektion. „Waschen Sie generell Ihre Hände häufiger und gründlich mit Seife mindestens zwei Minuten“, empfahl Grüttner. Ausreichend Luftfeuchtigkeit in den Wohn- und Arbeitsräumen während der Heizperiode verringere die Virenkonzentration. Mehrmals am Tag sollte ein Stoßlüften für mindestens fünf Minuten erfolgen.

Wie jedes Jahr komme es in dieser Zeit vermehrt zu Krankenhauseinweisungen wegen schwerer Verläufe der Influenza. „Bisher ist keine außergewöhnliche Krankheitslast mit schweren Verläufen erkennbar und die Belastungssituation der Krankenhäuser bewegt sich auf dem für diese Zeit erwartbar hohen Niveau“, sagte Grüttner. Die Erkrankungsraten lägen aktuell noch unter denen der Saison 2016/17.

Wie der Minister weiter mitteilte, steigen die Zahlen der gesicherten Erkrankungen in Hessen weiter an. 2017 seien 3769 Influenzafälle gemeldet worden, in diesem Jahr bislang 2712 Fälle. Sechs Todesfälle habe die Grippe in der aktuellen Saison in Hessen gefordert. Besonders gefährdet seien ältere Menschen und jene mit Vorerkrankungen. Auch Schwangere hätten ein erhöhtes Risiko.

In den Frankfurter Kliniken hält die hohe Belastung durch die Grippewelle an. Wie der Chefinfektiologe des Stadtgesundheitsamtes, Udo Götsch, am Montag auf Anfrage erklärte, sei die Lage mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Betten „sehr angespannt“. Wann und ob die Zahl der Erkrankungen abnehmen wird, ist weiterhin nicht vorhersehbar.

In der vergangenen Woche habe es 375 nachgewiesene Grippeerkrankungen gegeben – deutlich mehr als in der Woche vom 12. bis 18. Februar. Damals gab es 200 registrierte Grippe-Erkrankungen, erklärte Götsch. Nachgewiesen werden kann das Influenza-Virus bereits mit einem Schnelltest beim Hausarzt oder durch einen Abstrich, der an ein Labor geschickt wird. Wie viele Patienten ihre Influenza zu Hause auskurieren, ist nicht bekannt.

Üblich sei etwa eine Woche Bettruhe und die Einnahme sogenannter kleiner Analgetika, die die Schmerzen lindern und das Fieber senken. Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Husten seien für eine Grippe typische Symptome. Die herrschende Kälte und die trockene Luft würden dazu beitragen, dass die Tröpfchen mit den Grippeviren weniger schnell zu Boden sinken würden und so länger ansteckend sein können.

Eine Behandlung im Krankenhaus sei immer dann angebracht, wenn die Patienten an Vorerkrankungen, etwa einem schweren Asthma, oder einer Lungenentzündung leiden.

Wie die Krankenhäuser mit dem Bettenengpass umgehen, müssten sie selbst entscheiden, sagte Udo Götsch. Denkbar sei, dass sich mehr Patienten als üblich ein Krankenzimmer teilen müssen. Solche Engpässe wie jetzt seien aber nicht neu. Das passiere eigentlich in jedem Winter. Wenn nicht die Grippewelle die Ursache sei, dann das Norovirus.

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