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Zugverkehr in Südhessen Der Bahn gehen die Züge aus

Der Zugverkehr in Südhessen läuft alles andere als rund. Den Eisenbahnunternehmen fehlen so viele Fahrzeuge, dass der Betrieb auf mehreren wichtigen Regionallinien massiv beeinträchtigt ist. Fahrgastvertreter fordern Konsequenzen.

Main-Neckar-Ried-Express
Der Main-Neckar-Ried-Express auf der Riedbahn als RE70. Foto: Michael Bayer

Egal ob von Frankfurt aus nach Süden oder Norden, Westen oder Osten – seit Wochen spüren Pendler und Reisende in Südhessen fast überall, dass auf den Schienen Wagen und ganze Züge fehlen: Bahnen verkehren kürzer als vorgesehen; die Passagiere drängen sich in den verbleibenden Wagen. Teils rollen ältere Ersatzfahrzeuge; immer wieder fallen Verbindungen ganz aus. 

Betroffen sind vor allem der Main-Neckar-Ried-Express zwischen Frankfurt und Heidelberg oder Mannheim, der Mittelhessen-Express nach Treysa und Dillenburg sowie die Rheingau-Linie über Wiesbaden nach Koblenz.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ist als Auftraggeber der Eisenbahnunternehmen für den Nahverkehr verantwortlich. Eine Sprecherin führt eine ganze Reihe von Gründen dafür auf, dass Fahrzeuge fehlen: Hersteller lieferten bestellte Züge verspätet aus. Bahn-Werkstätten warteten auf Ersatzteile. Mehrere Züge seien bei Unfällen verunglückt  und müssten instand gesetzt werden.

Besonders hart trifft es – wieder einmal – die Reisenden ganz im Süden Hessens, wo der Main-Neckar-Ried-Express über die Riedstrecke nach Mannheim und entlang der Bergstraße nach Darmstadt und Wiesloch rollt. „Anfang Mai musste die Bahn acht neue Twindexx-Doppelstocktriebzüge und drei Doppelstock-Lokwagen-Züge außer Betrieb nehmen“, erklärt der RMV auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Grund seinen „massive Schäden an den Radsätzen“. 

Defekte Räder und Rangierunfall

Keine banale Angelegenheit also. Dass die Bahn hier konsequent reagiert, erscheint angemessen. Allerdings spricht sie nicht darüber. In seinen digitalen Kanälen meldet das Unternehmen nur allgemein „Inspektionen und Wartungsarbeiten an den eingesetzten Doppelstockzügen“ oder schlicht: „mehrere Wagen fehlen“. 

Da, wie Bahninsider im Internet berichten, an unterschiedlichen Zugtypen identische Schäden auftraten, liegt die Vermutung nahe, dass irgendetwas an der Strecke die Räder beschädigt hat. Der RMV äußert sich ebenfalls in diese Richtung; er spricht von Fremdkörpern auf den Schienen.

Und das sind nicht die einzigen Züge, die ausfallen. „Hinzu kommt, dass neun weitere Doppelstockwagen im Januar bei einem Rangierunfall im Frankfurter Hauptbahnhof beschädigt wurden, zu denen auch Fahrzeuge des Main-Neckar-Ried-Teilnetzes gehören“, berichtet der RMV. 

Der Verkehrsverbund stellt sich hinter die DB Regio: Die ausführende Bahntochter setze Züge aus anderen Netzen ein und arbeite mit Hochdruck daran, die beschädigten Fahrzeuge wieder auf die Strecke zu bringen. Dennoch ließen sich „angesichts der Masse der derzeitigen Ausfälle“ Kapazitätsausfälle nicht vermeiden.

Die Folgen für die Pendler

Die Auswirkungen erleben die Pendler im Regionalexpress 70 oder in der Regionalbahn 68 seit Wochen. Selbst zur Hauptverkehrszeit schickt die Deutsche Bahn immer wieder nur drei oder vier statt der vorgesehenen sieben oder acht Doppelstockwagen. Eine sehr deutliche Einschränkung. Die Folge: Nach ihrem Feierabend müssen zahlreiche Fahrgäste, von denen nicht wenige eine Stunde lang unterwegs sind, stehen. 

Und das ist in den modernen Twindexx-Zügen gar nicht so einfach: Denn deren eigentlicher Vorzug, kräftig zu beschleunigen, wandelt sich in ein Problem, wenn man keinen Sitzplatz erwischt. Manche stehende Fahrgäste purzeln beim Anfahren regelrecht durch die Wagen – vor allem, wenn die Lokführer drängelnde Fernzüge hinter sich wissen und es besonders eilig haben. Was auf der viel befahrenen Riedstrecke regelmäßig der Fall ist.

Dabei schienen Mitte April die Anfangsschwierigkeiten beim Main-Neckar-Ried-Express einigermaßen im Griff – nach weiteren Fahrzeug-Auslieferungen des Herstellers Bombardier und zahlreichen Verbesserungen der Zugsoftware. Nun der Rückfall.

Mittelhessen-Express, Rheingaulinie und Kinzigtalstrecke

Betroffen ist auch der Mittelhessen-Express. Dem Fahrgastverband Pro Bahn platzte jüngst der Kragen: „Es ist einfach nicht mehr hinnehmbar, dass über Wochen und Monate fortwährend ganze Umläufe im Fahrplan ausfallen - und der Fahrgast sich erst sehr kurzfristig, teilweise nur am gleichen Tag, darauf einstellen kann“, schrieb der Regionalverband Mittelhessen mit Blick auf die Regionalbahnen 40 (Frankfurt-Gießen-Dillenburg), 41 (Frankfurt-Gießen-Marburg-Stadtallendorf/Treysa) und insbesondere 49 (Hanau-Friedberg-Gießen).

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Main-Neckar-Ried-Express

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