Lade Inhalte...

VGF Frankfurt Züge könnten länger werden

Was hat die Verkehrsgesellschaft in Frankfurt künftig vor? Ein Gespräch mit Michael Rüffer, dem neuen Chef der VGF.

VGF-Chef Michael Rüffer
„Straßenbahnfahren ist immer eine gute Idee“, sagt VGF-Chef Michael Rüffer. Foto: Peter Jülich

Michael Rüffer trägt Dienstkleidung, ein türkisfarbenes Polo-Shirt in der VGF-Farbe Subaru Vista Blue. Als Fahrer hat der technische Geschäftsführer am Morgen vor dem Interview eine Bahn gesteuert. Das mache er alle paar Monate, um mitzubekommen, was auf der Strecke los sei, sagt er.

Herr Rüffer, Sie sind als Fahrer am Eschenheimer Tor vorbeigekommen, wo die Züge im Berufsverkehr knallvoll sind. Muss da mehr Kapazität auf die Schiene?
Erst einmal freuen wir uns, dass die Leute bei uns mitfahren. Auf der A-Strecke ist die Kapazitätsgrenze allerdings fast erreicht.

Es ist mit rund 100.000 Fahrgästen am Tag die meistbefahrene Strecke in Frankfurt …
Wir fahren morgens im Zweieinhalb-Minuten-Takt mit Drei-Wagen-Zügen. Ich war auf der Linie U1 unterwegs. Am Südbahnhof war enorm viel los.

Gibt es auf der Strecke schon die größtmögliche Zuglänge und die schnellste Taktung?
Die Taktung können wir nicht mehr verdichten. Wir überlegen, bei der Zuglänge etwas zu machen, sprich einen Wagen mehr einzusetzen.

Definiert die VGF die Anforderungen selbst oder kommt das von der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq?
Darüber sprechen wir natürlich mit den Kollegen von Traffiq. Den Fahrplan machen sie.

Auf welchen Strecken gibt es Handlungsbedarf? 
Frankfurt wächst, Frankfurt explodiert geradezu in der Bevölkerungszahl. Besonders viel los ist auf der A-Strecke. Ein weiterer Hotspot ist die Linie 11 auf der Mainzer Landstraße oder die Linie 18 auf der Friedberger Landstraße und die Linie 17 in Richtung Neu-Isenburg. Zum Fahrplanwechsel im Dezember kommt auf diesen Linien ein dichterer Takt. Wir planen auch eine neue Station auf der Linie U2 zwischen Bonames und Nieder-Eschbach im Neubaugebiet Am Eschbachtal.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hat eine neue Straßenbahn zwischen Bad Vilbel und Frankfurt vorgeschlagen. Eine gute Idee?
Absolut. Straßenbahnfahren ist immer eine gute Idee (lacht). Wir freuen uns über jede Erweiterung am Liniennetz.

Was halten Sie davon, die Linie 16 zum Offenbacher Markplatz oder die Linie 17 in die Stadtmitte von Neu-Isenburg zu erweitern?
Alles, was die Leute mobil hält und dafür sorgt, dass die Menschen im ÖPNV unterwegs sind, ist toll. Grundsätzliche Entscheidungen zu Linienerweiterungen sind Sache der Politik. Wir wären jederzeit dabei.

Warum braucht Frankfurt einen starken Nahverkehr?
Weil wir das Rückgrat der Mobilität sind. Mobilität wird das Thema der nächsten Jahrzehnte, sie wird sich so ähnlich entwickeln wie das Telefon, vom Wählscheibengerät zum Smartphone.

Die vernetzte Mobilität wird immer wichtiger …
Sie funktioniert aber nur mit einem starken Rückgrat, dem schienengebundenen ÖPNV und den Bussen. Ohne sie lässt sich die Stadt nicht mobil halten.

Gibt es in Frankfurt irgendwann kostenloses WLAN in Stationen und Zügen – wie etwa in New York?
Ehrlich gesagt, ich glaube nicht. Das LTE-Netz ist im Vergleich zum WLAN viel schneller. Wenn die Smartphonenutzer eine LTE-Flatrate haben, warum sollten sie sich dann ins WLAN einloggen? In den unterirdischen Stationen haben wir jetzt schon LTE. Dann noch Millionen von Euro auszugeben, um WLAN auszubauen, ist, glaube ich, nutzlos. Derzeit läuft aber noch eine Untersuchung zum Thema.

Die Preise für Fahrscheine legt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) fest. Aber finden Sie 2,90 Euro für eine Einzelfahrt in Frankfurt angemessen?
Ich empfehle, in die ÖPNV-Flatrate zu gehen und die Jahreskarte zu kaufen. Dann wird es entschieden günstiger.

In Wien gibt es eine Jahreskarte für 365 Euro …
Die VGF macht die Preise nicht und möchte dem RMV keine Tipps zur Preispolitik geben. Als technischer Geschäftsführer bin ich dafür verantwortlich, dass der Betrieb läuft.

Was wäre denn, nur so als Gedankenspiel, wenn es ein kostenloses Bürgerticket gäbe und von heute auf morgen doppelt so viele Menschen mit der VGF fahren wollten?
Im Moment bewegen wir 190 Millionen Fahrgäste im Jahr. 380 Millionen Fahrgäste von jetzt auf gleich würde uns schwerfallen. Den Jahr für Jahr steigenden Fahrgastzahlen stellen wir uns natürlich.

Öffentlicher Nahverkehr ist überall defizitär. Die VGF hat im Jahr 2016 ein Defizit von rund 63 Millionen Euro erwirtschaftet. Wie kommt das zustande?
Das liegt vor allem an den Investitionen. Wir haben seit 2003 ungefähr 700 Millionen Euro in neue Fahrzeuge investiert. Gerade wurde der letzte von 224 neuen U-Bahn-Wagen des Typs „U5“ geliefert. Es kann auch heutzutage niemandem mehr vermittelt werden, wenn es in Bahnen keine Klimatisierung gibt. Wir haben auch vor, weitere Fahrzeuge zu bestellen.

Welche?
Die Straßenbahnen vom Typ „R“, die die VGF ab 1992 gekauft hat und die keine Klimaanlagen haben, werden ersetzt. Wir bestellen 38 neue „T“-Wagen. Sie sollen ab 2021/2022 fahren.

Schafft es die VGF, den Nahverkehr in der Stadt bis 2022 barrierefrei zu machen?
Bei den U-Bahnen müssen wir noch die Stationen Niddapark und Römerstadt umbauen und die Station Neuer Jüdischer Friedhof neu errichten. In der Planung ist der Aufzug an der Station Westend. Der Aufzug am Eschenheimer Tor ist bis Jahresende fertig.

Was wird Ihre wichtigste Aufgabe als neuer Geschäftsführer?
In naher Zukunft werden wir stark aufs Bestandsnetz schauen: Gleise erneuern, Weichen und Stellwerke anpassen. Wir wollen unseren Fahrgästen besser erklären, was wir da machen. Ich möchte auch, dass meine Kolleginnen und Kollegen abends nach Hause gehen und sagen, ich bin stolz auf meine Arbeit. Die Fahrgastinformation ist ein weiteres Thema. Jeder hat heutzutage ein Smartphone in der Tasche. Da müssen wir stärker drauf, um die Fahrtzeiten anzuzeigen.

Interview: Florian Leclerc

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen