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Verkehrsprojekt Uferstraße soll für Autos gesperrt werden

Bislang ist die nördliche Straße am Mainufer zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke ein vielbefahrener Verkehrsweg. Nun sollen dort „versuchsweise“ keine Autos mehr fahren.

Mainuferstraße
Noch fließt der Verkehr über den Mainkai zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke. Foto: Christoph Boeckheler

Nach Jahrzehnten des politischen Streits macht sich der Magistrat jetzt daran, ein zentrales Planungsprojekt umzusetzen. Die vielbefahrene nördliche Mainuferstraße zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke soll für den Individualverkehr gesperrt werden. Die Sperrung ist zunächst „versuchsweise“ für die Dauer eines Jahres vorgesehen.

Einen entsprechenden Antrag hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei der für die Genehmigung zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, eingereicht.

Das renommierte Frankfurter Planungsbüro Albert Speer &Partner (AS&P) hat für die Stadt ein Konzept zum verkehrsberuhigten Mainufer der Zukunft erarbeitet. Ein Team aus Fachleuten von Umwelt-, Planungs- und Grünflächenamt sowie Straßenverkehrsbehörde und Tourismus und Congress GmbH sammelt Vorschläge. Es gibt regelmäßige Treffen.

Fußgänger und Radfahrer sollen sich den öffentlichen Raum erobern, der bisher allein den Autofahrern vorbehalten war. So ist daran gedacht, in den Sommermonaten die bisherige Mainuferstraße für Außengastronomie zu nutzen. Auf verschiedenen Bühnen könnte es Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und andere kulturelle Aktivitäten geben.

Die Tourismus und Congress GmbH will für Hunderttausende internationaler Besucher einen sogenannten „Selfie Point“ einrichten. Dort sollen sich die Gäste aus aller Welt vor dem Hintergrund der Skyline oder des Flusspanoramas fotografieren können.

Mit bewachten Fahrradständern will die Stadt die Attraktivität des Mainufers für Radfahrer erhöhen. Für traditionsreiche Feste wie etwa den alljährlichen Weihnachtsmarkt ist mehr Platz vorgesehen. Er könnte sich nun auf die bisherige Mainuferstraße ausdehnen.

All diese Pläne haben freilich nur eine Chance, wenn die „versuchsweise“ Sperrung von der Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen nach einem Jahr positiv beurteilt wird. Die zeitlich begrenzte Aufhebung der vielbefahrenen Uferstraße ist Bestandteil der Vereinbarung, die von der Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen 2016 gebildet worden war. Insbesondere die CDU hatte darauf bestanden, dass zum Ausgleich die Verkehrsleistung der Berliner Straße nicht geschmälert wird. 

Sie bleibt deshalb vierspurig, sehr zum Verdruss der Grünen. Sie konnten lediglich durchsetzen, dass es auf der Berliner Straße einen Radweg in jede Richtung geben soll.

Klaus Oesterling weilt derzeit im Osterurlaub. Aus seinem Büro heißt es, man wolle der Entscheidung des Regierungspräsidiums Darmstadt nicht voraus- greifen. Die Pläne zur Sperrung des Mainufers sollen der Öffentlichkeit erst dann im Detail vorgestellt werden, wenn das RP seine Zusage erteilt hat.

Wie verlagert sich der Verkehr?

Die Entscheidung der Fachleute des Regierungspräsidiums wird mit Spannung erwartet. Vor fünfzehn Jahren hatten die Experten der Darmstädter Behörde noch eine probeweise Sperrung der nördlichen Mainuferstraße nur an Sonntagen abgelehnt. Sie hatten damals mit der überörtlichen Bedeutung des Verkehrsweges argumentiert.

Seinerzeit war die Straße von 30 000 Fahrzeugen täglich genutzt worden. Klar ist aber schon jetzt, dass während der einjährigen, versuchsweisen Sperrung die Verlagerung des Verkehrs gemessen und bewertet wird. So werde die Zahl der Fahrzeuge vor, während und nach dem Versuch gezählt.

Auch würden die Anlieger befragt, wie sich der Verkehr aus ihrer Sicht entwickelt hat. Sollte der Verkehr infolge der Sperrung zusammenbrechen, müsste die Politik gegensteuern, heißt es. Es wird erwartet, dass die Autofahrer vor allem auf die Berliner Straße und den Schaumainkai ausweichen werden.

Sollte es zu keiner überproportionalen Belastung der betroffenen Straßen durch den Ausweichverkehr kommen, könnte der Mainkai dauerhaft gesperrt werden. Wann die Sperrung erfolgt, konnte der Mitarbeiter im Verkehrsdezernat nicht sagen.

Einen Hinweis darauf liefert allerdings der Entwurf zum Haushalt 2018. Dort stellt die Regierungskoalition für die „Verringerung der Barrierewirkung der Berliner Straße und des Mainkais“ zwei Millionen Euro bereit – für die Jahre 2019 und 2020.

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