Lade Inhalte...

Verkehr Verkehr neu denken

Eine Studie fordert eine Mobilitätskultur für Hessen mit solidarischen Angeboten wie etwa einem Bürgerticket. Der VCD hofft auf eine neue Ära.

Frankfurt Bild 1 von 2
Fahrräder brauchen mehr Platz und beruhigten Autoverkehr, sagen die Experten. Foto: Andreas Arnold (Andreas Arnold)

Hessen braucht einen „umfassenden Wandel in der Mobilitätskultur“. So lautet das Fazit der Studie über nachhaltige Mobilität, die die Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt hat. Ein günstiges Bürgerticket für den Öffentlichen Verkehr könne dies beschleunigen, stärkere Förderung von Car- oder Ride-Sharing-Angeboten oder die Einführung von Tempo 30, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Fußgänger oder Radler benötigten mehr Platz und saubere Luft.

Die Autoren vom Frankfurter Institut für sozialökologische Forschung haben sich den Ballungsraum Rhein-Main angeschaut, die Gegend Gießen-Marburg und die ländliche Region rund um Kassel. Dort würden immer mehr Bewohner vom öffentlichen Verkehr abgehängt. Hier sei Politik gefragt, sagt Martin Weiner, kommissarischer Leiter des Landesbüros der SPD-nahen Stiftung. „Mobilität ist eine zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe und für wirtschaftliche Entwicklung.“ Die aktuelle Verkehrspolitik sei gescheitert und nicht zukunftsfähig. „Es wird viel investiert, und trotzdem stehen die Menschen im Stau.“

Der Eindruck, dass Bus und Bahn oder das Fahrrad dem Auto zunehmend den Rang ablaufen, trügt. Projektleiterin Jutta Deffner hält eine Grafik in die Höhe: „Seit Mitte der 90er Jahre werden knapp über 80 Prozent der Kilometer mit dem Auto zurückgelegt.“ Die Aufenthaltsqualität in den Städten sei durch viele Autos weiterhin stark beeinträchtigt, Verkehr der einzige Sektor, in dem die Reduktion von Kohlenstoffdioxid nicht in den Griff zu bekommen sei. Das Umdenken schreite zu langsam voran. „Die Spätfolgen jahrzehntelanger Fehlentwicklung blockieren die notwendigen Veränderungen.“

In sieben sogenannten Strategiefeldern haben die Autoren zusammengefasst, wie der gesellschaftliche Umschwung nach ihrer Meinung gelingen kann. Da geht es um die Verknüpfung alter und neuer Verkehrsmittel, die Unterstützung von Bürgerinitiativen und anderer solidarischer Angebote wie dem Bürgerticket. Ein anderes Feld befasst sich mit sauberem und leichterem Verkehr – etwa durch die Förderung von Elektrofahrzeugen oder selbstfahrender Vehikel, die nach Ansicht der Experten dort getestet werden sollten, wo sie gebraucht würden: auf dem Land. Die Studie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz; Siedlungsentwicklung und Verkehr müssten gemeinsam gedacht werden.

Lob gab es vom Landesvorsitzenden des Verkehrsclubs Deutschland (VCD): „Die vorgelegte Mobilitätsstrategie hat das Zeug dazu, eine neue Ära der hessischen Verkehrspolitik einzuläuten“, kommentiert Mathias Biemann das Papier. Thorsten Schäfer-Gümbel habe es als Landtagsfraktionschef und stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender in der Hand, die Erkenntnisse umzusetzen. Die Politik müsse ihre Gestaltungsmacht nutzen. „Für die Verkehrswende braucht es den Mut, auch Wahrheiten auszusprechen, die für den einen oder anderen Wähler erst einmal unangenehm sind.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum