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Verkehr Mehr Leihräder in Frankfurt

Zu Call-a-Bike und Nextbike kommen neue Anbieter hinzu. Sie sind teils billiger, ihre Räder sind nicht an feste Stationen gebunden.

Leihfahrräder  HBF Frankfurt
Der Marktführer in Frankfurt, Call-a-Bike, bekommt Konkurrenz. Foto: peter-juelich.com

Wer in Frankfurt ein Fahrrad leihen wollte, konnte bislang auf Call-a-Bikes der Deutschen Bahn und Nextbikes zurückgreifen. Anfang der Woche kamen einige Hundert Leihräder von Byke hinzu.

Die türkis-gelben Velos des Berliner Unternehmens kosten die Hälfte von dem, was die beiden anderen Anbieter verlangen (siehe Infobox). Es gibt noch einen weiteren Unterschied. Beim Frankfurter Marktführer Call-a-Bike und bei Nextbike müssen Kunden die Räder an Stationen abstellen - sonst kostet es eine Gebühr. Bei Byke dürfen die Räder überall am Straßenrand stehen bleiben. „Freefloating“ heißt das Prinzip. Call-a-Bike hatte das anfangs in Frankfurt zugelassen, dann aber wieder abgeschafft.

Ausleihen können Kunden die Räder über die jeweilige App. Dabei melden sie sich mit den Kreditkartendaten an. Eine Karte in der App zeigt, wo Räder zu finden sind.

Byke ist die erste von mehrere Leihradfirmen, die in Frankfurt neu auf den Markt kommen wollen. Nach Informationen der FR plant auch oBike aus Singapur, Leihräder aufzustellen. In München hatte der Anbieter 7000 Velos platziert. In Frankfurt sollen es weniger werden.
Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) rechnet mit 700 neuen Leihrädern in der Stadt. Er geht davon aus, dass „eins bis zwei“ neue Anbieter „spätestens im November“ hinzukommen werden. „Mehrere Unternehmen“ seien bei ihm vorstellig geworden.

Neben oBike (Singapur) gibt es viele weitere Leihradfirmen, unter anderem Mo-Bike (China), Yobike (China), Gobee-Bike (China), Capital Bikeshare (Vereinigte Staaten). Alle haben das gleiche Konzept: Die Räder lassen sich per App ausleihen. Das kostet etwa zwei Euro pro Stunde. Genau wie bei Byke können Kunden die Räder überall am Straßenrand abstellen.

Der Trend zum Leihrad kommt aus China, wo Smog und Autoverkehr die Städte plagen. In der chinesischen Millionenstadt Shenzen gibt es mittlerweile 100 000 Leihräder. Aus dieser Metropole ging ein Bild um die Welt, das Hunderte Leihräder auf einem Schrotthaufen zeigt. Sie standen im Weg herum und mussten entsorgt werden. Das Foto gilt als Beleg dafür, dass zu viele Fahrräder den öffentlichen Raum überlasten können.

München hadert bereits mit den 7000 Leihrädern von oBike. Sie standen teils auf Gehwegen und behinderten Passanten. Das beschäftigt auch den Deutschen Städtetag. Zu der zunehmenden Zahl von Freefloating-Leihrädern will sich das Gremium demnächst äußern, kündigte ein Sprecher an.

In Frankfurt soll eine Broschüre informieren, wo die „Freefloating“-Leihräder stehen dürfen und wo nicht, sagte Stadtrat Oesterling. „Wir geben ein Merkblatt heraus.“ Fußgänger stören oder Verkehrsschilder verdecken dürften sie nicht.

Oesterling rechnet mit einer Phase des Wettbewerbs, in der künftig fünf bis sechs Anbieter in Frankfurt präsent sein werden, bis sich schließlich einer oder zwei behaupten. „Zwischendurch kann es zu Wildwest-Situationen kommen“, befürchtet er - falls Kunden die Räder wild parkten.

Geld verdienen die Anbieter übrigens nicht nur mit der Fahrrad-Verleihe, sondern auch mit Auswertung und Verkauf von Daten. Hinter Mobike steht etwa der Investor Tencent. Er betreibt das soziale Netzwerk Qzone und das Chat-Programm WeChat - und ist nach Facebook das fünftgrößte Internetunternehmen der Welt.

An den ausgewerteten Daten von Radlern, in datengeschützter, anonymisierter Form, wäre wiederum die Stadt interessiert, um die Radwege besser planen zu können. Verhindern will das Verkehrsdezernat den Wettbewerb nicht.

Hamburg hatte 2009 versucht, Nextbike das Aufstellen von Rädern im öffentlichen Raum zu untersagen, und scheiterte vor Gericht. Auf dieses Urteil berufen sich die Unternehmen bis heute. Falls eine zu große Zahl an Leihrädern in Frankfurt zur Last werden sollte, könnte sich die Stadt allerdings mit einer Satzung behelfen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Radfahren in Frankfurt und Rhein-Main

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