Lade Inhalte...

Verkehr in Wiesbaden Flotte Sprüche für saubere Luft

In Wiesbaden soll eine Kampagne Menschen zum Umsteigen aufs Rad oder den Bus bewegen. Ziel ist es auch, ein Dieselfahrverbot zu verhindern.

Verkehr in Wiesbaden
Gelb und schwarz sind die Illustrationen, das soll Aufmerksamkeit erregen. Foto: Renate Hoyer

Die gelb-schwarzen Bilder sind auffällig und die Sprüche griffig. „Nicht lang kreisen, gleich ins Parkhaus“, steht unter der Abbildung eines Autos mit großen Kulleraugen. Illustrationen wie diese werden die Bürger nun häufiger in Wiesbaden sehen. Als Banner an Brücken, als Citylight-Poster, auf Flyern und Postkarten. Sie sind Teil der Werbekampagne „Frischer Wind für Wiesbaden“, mit der die Stadt die Bürger zum Umsteigen vom Auto aufs Rad oder auf die öffentlichen Verkehrsmittel bewegen möchte. „Die originellen Motive sollen Türöffner sein für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Mobilitätsverhalten“, sagt Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) spricht „vom letzten Kick“, mit dem die Menschen zum Umdenken und Umsteigen bewegt werden sollen. Wer kennt das Zaudern nicht: Soll ich zum Bus gehen oder rasch ins Auto steigen? Die Kampagne hält Antworten parat: „Brötchen holen bitte ohne Auto“, „Fahrrad aus dem Keller holen“, heißt es da.

Die besten Zugverbindungen, die schönsten Radwege und das umfangreichste Sofortpaket mit Vorschlägen zur Luftreinhaltung nutzen nichts, wenn die Bürger weiter Auto fahren. Um ein Dieselfahrverbot zu verhindern, sollen die Bürger verstehen, um was es geht und bereit sein, ihr Verhalten zu ändern. Bis 2020 sollen die Stickoxidwerte stadtweit unter den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm fallen, wie es seit 1999 vorgeschrieben ist – dies ist die Vorgabe des Gerichts, das im Dezember über das Dieselfahrverbot für Wiesbaden entscheidet. Die Kampagne für saubere Luft ist also neben der geplanten Digitalisierung des Verkehrs, dem aktuellen Radwegebau, der begonnenen Verkehrslenkung auf die Autobahn 3 und den zweiten Ring ein weiterer Baustein, um das Gericht von der Wirksamkeit der städtischen Anstrengungen für saubere Luft zu überzeugen.

Zusätzlich blinkt an der Ringkirche eine Lichtinstallation. Sie visualisiert bis Ende November den Stickoxidwert, der in der gegenüberliegenden Messstation am Bismarckring festgestellt wird. Gestern Mittag waren die Zahlen tiefrot, die Werte liegen über dem Grenzwert. 40 000 Fahrzeuge passieren täglich die Stelle, unten am Hauptbahnhof sind es 60 000. „Der Verkehr ist zu 70 Prozent die Ursache für die hohe Stickoxidbelastung“, sagt Kowol, der sich optimistisch gibt, dass es möglich ist, den Grenzwert zu unterschreiten. „Wenn sich der Radverkehr um drei bis vier Prozent steigert, haben wir schon bessere Luft“, fügt er an. Die Kampagne sei gut, um den Menschen vor Augen zu führen, wie wichtig es sei, ihren „inneren Schweinehund zu überwinden“, ist das Statement des evangelischen Dekans Martin Mencke, „die Leute leiden unter dem Verkehr und haben Teil daran“. Gleichzeitig reiche die Kampagne nicht aus, sagt er; die Menschen müssten auch ihren Lebensstil, ihre Ferienreisen und Stadtgestaltung überdenken.

„Ich bin dankbar für die Maßnahmen zur Luftreinhaltung“, bekennt Stefan Jacobi vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, verantwortlich für die Luftmessung. Der Jahresmittelwert 2017 für Stickoxid in Wiesbaden liege bei über 50 Mikrogramm, 25 Prozent über dem Grenzwert. Deshalb freue er sich, dass die Bevölkerung nun sensibilisiert werden solle. „Ich bin gespannt, wie sich die Werte in zwei Jahren entwickeln“, sagt Jacobi.

Ob die Menschen sich umstimmen lassen, bleibt offen. Die Citylight-Poster werden sie bis Ende September an die guten Vorsätze erinnern. Kowol möchte auch danach mit den Bürgern darüber ins Gespräch kommen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen