Lade Inhalte...

Verkehr in Hessen Verkehrswende beginnt im Kopf

Vor der Landtagswahl in Hessen diskutieren Politiker über die Abkehr vom Auto. Veranstalter ist das Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung.

Verkehr in Hessen
Der Ausbau der Radwege macht den Umstieg aufs Rad attraktiver. Foto: Swen Pförtner (dpa)

Als die Diskussion über die Zukunft der Mobilität in Hessen am Dienstagabend im Haus am Dom begonnen hatte, zeigte Jutta Deffner eine eindrucksvolle Grafik: Von 1996 bis 2016 lag der Anteil des Autoverkehrs an der gesamten Verkehrsleistung nahezu unverändert bei 80 Prozent. „Wir haben Strukturen geschaffen, die vom Auto abhängig machen“, sagte die Mobilitätsexpertin vom Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung. Es hatte die Diskussion vor den Hessen-Wahl am 28. Oktober veranstaltet. „Wir brauchen ein neues Leitbild, das das autozentrierte Leitbild ablöst“, forderte sie.

Bei den Teilnehmern von Grünen, Linken, SPD, ADAC und Goethe-Universität stieß der Vorstoß für eine Verkehrswende weg vom Auto auf offene Ohren. Einzig der Vertreter der FDP wollte lieber über Innovationen beim Verkehr sprechen. Die CDU hatte ihre Teilnahme abgesagt.

„Wir wollen in Hessen Vorreiter der Verkehrswende sein“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und zählte die Landesinitiativen auf: das Schüler- und Seniorenticket, die Förderung des Radverkehrs, den Ausbau von Schienenverbindungen. Dem Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) warf er vor, die vorhandenen Fördermittel nicht ausreichend abzurufen. „Wenn die Stadt den schrecklichen Radweg auf der Bockenheimer Landstraße umbauen will, gebe ich gerne Geld dazu“, sagte er.

„Wir müssen an die automobilen Strukturen heran, wenn wir die Verkehrswende erreichen wollten“, sagte der Mobilitätsforscher Martin Lanzendorf von der Goethe-Universität und fragte: „Müssen wir wirklich jedem Bürger, der zum Bäcker fährt, überall einen Parkplatz bereitstellen?“ Um eine Verkehrswende in den Städten zu erreichen, sei nicht nur eine bessere Verknüpfung von Nahverkehr und Radverkehr – Stichwort Abstellanlagen – nötig, sondern auch ein Umbau des Straßenraumes. „Wenn man keine autogerechte Stadt mehr will, sollte die Politik das anpacken.“

Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) betonte, dass für ihn der schienengebundene Verkehr das „Rückgrat eines modernen Verkehrs“ sei. Doch im ländlichen Raum gehe es ohne das Auto kaum. Dem stimmte Alexander Möller, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) zu, der sich auch für den Ausbau von Rad- und Fußverkehr aussprach.

Stefan Müller (FDP) würde in Hessen gerne ein Pilotprojekt mit selbstfahrenden und teilbaren Taxen – also autonomem Ride-Sharing – auf den Weg bringen. Janine Wissler (Linke) warb indes für den Nulltarif, also einen kostenlosen ÖPNV. Daraufhin liebäugelten Schäfer-Gümbel und Al-Wazir mit dem 365-Euro-Ticket.

Jutta Deffner hielt wiederum fest: „Ohne Verhaltensänderung lässt sich die Verkehrswende nicht erreichten.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen