Lade Inhalte...

Verkehr in Hessen „Krieg auf der Autobahn“

Rasen, drängeln, waghalsig überholen: An manchen Tagen herrscht Krieg auf den Autobahnen in Hessen, sagt ein Polizist. In Spezialfahrzeugen verfolgen er und seine Kollegen Verkehrssünder.

28.12.2017 07:57
Verkehr in Hessen
Die Polizeibeamten Sascha Bartels (links) und Oliver Bartels stehen bei Lorsch an der Autobahn 67 neben ihrem 300 PS starken Dienstfahrzeug. Foto: Uwe Anspach (dpa)

An der zweispurigen Straße zeigen Schilder deutlich Tempo 70 an. Nicht alle Autofahrer halten sich an die Höchstgeschwindigkeit, nur wenige aber brechen das Tempolimit so spektakulär wie der Fahrer eines grauen Sportwagens. Er beschleunigt donnernd und überholt. Gleich ist er auf der Autobahn. Der Fahrer ahnt nicht, dass er eben an einer Zivilstreife der hessischen Polizei vorbeigerauscht ist.

Oberkommissar Sascha Bartels von der Autobahnpolizei in Lorsch blickt kurz zu seinem Kollegen auf dem Beifahrersitz. Dann beschleunigt er den 300 PS starken Spezialwagen und nimmt die Verfolgung auf. Auf dem kleinen Bildschirm im Armaturenbrett ist zu erkennen, dass der Sportwagen mit 140 Stundenkilometern unterwegs ist. Der Strafzettel dürfte teuer werden. „Auch wenn das manche Fahrer anders sehen, uns geht es nicht darum, Kasse zu machen, sondern um Verkehrserziehung“, sagt der Beamte auf dem Beifahrersitz. Sein Name ist Oliver Bartels.

Er trägt zwar den gleichen Nachnamen wie sein Kollege am Steuer - verwandt sind sie aber nicht. Ein effizientes Team bilden sie dennoch, wenn sie zwischen Südhessen und Nordbaden Drängler und Raser auf Autobahnen und Bundesstraßen stellen. Wie die Männer von der Polizeidienststelle Lorsch, so sind auf den Autobahnen täglich noch weitere Polizisten mit Spezialautos im Einsatz. Sie messen das Tempo anderer Autos während der Fahrt und filmen Verstöße. Wie viele solcher Polizeiautos - ausgestattet mit Kameras und Bildschirm - durch Hessen fahren, will das Innenministerium in Wiesbaden nicht mitteilen. Aus „einsatztaktischen Gründen“, wie es heißt.

Allein die Polizisten aus Lorsch legten auf einer einzigen Tour zwischen 350 und 400 Kilometer zurück, sagt Markus Sachs. Der 48 Jahre alte Hauptkommissar leitet die Einheit mit fünf Beamten. Wie er erzählt, rücken sie etwa 280 Mal im Jahr aus. Aggressive Fahrweise und PS-starke Autos bildeten oftmals eine gefährliche Kombination auf den Schnellstraßen, berichtet Sachs: „An manchen Tagen herrscht ein richtiger Krieg auf den Autobahnen.“ Gegen ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern hätte er jedenfalls nichts.

Die Beamten aus Lorsch stehen auch für die länderübergreifende Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. So rücken die Südhessen mit der Polizei aus Rheinland-Pfalz gelegentlich gemeinsam zu Kontrollen aus. Für die badischen Kollegen sind die Hessen wiederum auf der A6 bis Mannheim unterwegs. Dafür fahren die Beamten aus dem Nachbarland auf der Autobahn 659 in Richtung Hessen. Die Zusammenarbeit ist vor allem praktischer Natur, sie richtet sich nach der besseren Erreichbarkeit.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen