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Verkehr in Frankfurt Mit der S-Bahn einmal rund um Frankfurt

Es gibt viele Ideen für einen S-Bahn-Ring rund um Frankfurt. Er könnte Engstellen entlasten und Reisezeiten in der Region deutlich verkürzen.

Bahnhof Wilhelmsbad
Bahnhof Wilhelmsbad mit einem Zug Richtung Frankfurt. Foto: Monika Müller

Ein S-Bahn-Ring rund um Frankfurt: Immer häufiger fällt dieses Stichwort, wenn vom Ausbau des überlasteten Schienenverkehrs im Rhein-Main-Gebiet die Rede ist. Was sind die Vorteile, wo könnte sich der Kreis schließen?

„Wir haben das in vielen Großstädten der Welt“, sagt Wilfried Staub, Sprecher von Pro Bahn Hessen. Etwa in Berlin, wo zwei S-Bahn-Linien vollständig die Stadt umrunden – einmal im Uhrzeigersinn, einmal in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Für eine solche „echte“ Ringbahn mit entsprechend großen S-Bahn-Fahrzeugen sei Frankfurt seiner Meinung nach aber „viel zu klein“. Es gebe keinen Bedarf dafür, zudem lasse sich aufgrund der vorhandenen Bebauung nur schwer eine Trasse finden.

Anders bewertet Staub jedoch einzelne Teilabschnitte. Eine Südtangente mit konventionellen S-Bahn-Fahrzeugen ab Offenbach-Ost zum Flughafen hält er für „eine sehr gute Idee“, weil sie den Frankfurter S-Bahn-Tunnel als das größte Nadelöhr entlastet. „Sinnvoll“ findet Straub zudem eine Querverbindung im Osten. Er zweifelt aber an deren wirtschaftlicher Rentabilität sowie baulicher Machbarkeit.

Auch der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling weist auf die planerisch komplexe Aufgabe hin, östlich von Frankfurt neue Schienen unterzubringen. Generell sei eine Ringbahn aber eine „wichtige Sache, um Verbindungen innerhalb Frankfurts zu entlasten“. Bekanntlich spricht sich Oesterling für eine stadtnahe Schienenverbindung von Bad Vilbel nach Offenbach entlang der A661 aus, denn: „Je weiter außerhalb, desto geringer die Verkehrsnachfrage.“ Anschließend wären noch Lückenschlüsse nach Bad Homburg und Neu-Isenburg vonnöten, wohin die Regionaltangente West (RTW) neben Praunheim und Dreieich-Buchschlag ab Ende 2024 fahren soll – wenn alles glattläuft. Darauf hofft Horst Amann, Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft. Die westliche Umfahrung des übervollen Frankfurter Hauptbahnhofs via Höchst ist das am weitesten vorangeschrittene Tangentenprojekt: Der nördlichste von vier Abschnitten ist bereits im Planfeststellungsverfahren, im Nachgang der Erörterung überarbeiten Ammans Mitarbeiter aktuell die Pläne. Noch vor Weihnachten soll einer der beiden südlichen Teile folgen. Bis Ende 2019 könnten sämtliche Abschnitte in dem Verfahren sein – das wäre ein „ganz wesentlicher Meilenstein“, sagt Amman.

RMV argumentiert für Schienenring

Oesterling schlägt für eine Ringverbindung Zweisystemfahrzeuge vor, wie sie bei der RTW zum Einsatz kommen werden. Damit sie sowohl im regulären Eisenbahnnetz als auch im Straßenraum unterwegs sein können, ist ihre Länge auf 100 Meter begrenzt. Dem Verkehrsdezernenten zufolge kein Nachteil, sondern die für eine Tangente angemessene Kapazität – gerade im Vergleich zu den zwei Mal so langen, konventionellen S-Bahnen. Laut Amman erlaube die Zweisystemvariante zudem engere Kurven sowie die bessere Nutzung vorhandener Gleise. So könne „ressourcenschonend“ geplant werden.

Muss es gleich ein vollständiger Ring sein? „Ich denke ja“, sagt Amman. Schließlich leide der Schienenverkehr im Rhein-Main-Gebiet unter fehlenden Kapazitäten, Nah- und Fernverkehr würden sich gegenseitig behindern. Ob konventionelle S-Bahn oder Zweisystemfahrzeuge, „muss man der Planung überlassen“. Wichtiger findet Amman Untersuchungen zu möglichen Streckenverläufen: „Die grobe Konzeption muss jetzt gestartet werden.“

Sowohl in Bad Homburg als auch in Neu-Isenburg sei eine Verlängerung der RTW nach Osten technisch machbar. Als nützlich könnte sich laut Amman die jüngst per Bürgerentscheid beschlossene U-Bahn-Verlängerung zwischen Gonzenheim und dem Homburger Bahnhof erweisen; eine Ringverbindung könnte die neue Strecke mitbenutzen.

Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) argumentiert für einen Schienenring: Er würde die Reisezeiten derjenigen Bahnfahrer verkürzen, „die heute zwangsläufig die Frankfurter Innenstadt passieren müssen“ – etwa Offenbacher auf ihrem Weg zum Flughafen. Zudem könnten so viele Umlandziele direkt miteinander verbunden werden. Konkret nennt der RMV eine Südtangente von Offenbach zum Flughafen sowie eine Ostverbindung, die „von Bad Vilbel an die künftige nordmainische S-Bahn heranführen“ könnte.

Als „Anknüpfungspunkt“ für weitere Tangenten bietet sich laut RMV der Südbahnhof an, weil hier drei U-Bahn-Linien enden. Allerdings sorgen hier die vielen Fernverkehrszüge für Engpässe – noch: „Eine wichtige Voraussetzung für den Schienenring wäre deshalb der Bau des Fernbahntunnels.“

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir verspricht sich von einem S-Bahn-Ring eine erhebliche Verbesserung des Nahverkehrs. Gegenwärtig gelinge es nicht mehr, die Pendlerströme adäquat abzubilden. Er kündigt eine Untersuchung an, „ob sich im Rhein-Main-Gebiet eine solche Verbindung realisieren lässt“.

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