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Traffiq in Frankfurt Keine Busfahrt mit Elektroscooter

Einem Schwerbehindertem wird in Frankfurt die Mitnahme im Bus verweigert. Die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq sieht sich im Recht.

Behinderte in Deutschland
In Köln haben sich die Verkehrsbetriebe mittlerweile mit Piktogrammen und Schulungen auf Elektroscooter eingestellt (Archivbild). Foto: Henning Kaiser (dpa)

Am Dienstag, 8. Januar, wollte Günter Kerssebaum nachmittags mit der Buslinie 73 vom Eduard-Bernstein Weg zum Nordwestzentrum fahren. Günter Kerssebaum ist 87 Jahre alt, schwerbehindert und fährt einen knapp hundert Kilogramm schweren Elektroscooter. „Diesen Elektroscooter habe ich mir extra ausgesucht, weil er im Nahverkehr erlaubt ist“, sagte Kerssebaum. Trotzdem wies der Busfahrer ihn ab.

„Der Fahrer hat gesagt: ‚Ich nehme Sie nicht mit‘, hat die Tür zugemacht und ist weggefahren“, sagte Kerssebaum, der sich wegen der Beförderungsverweigerung beschwert hat. Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RVM), beim Frankfurter Seniorenbeirat und auch beim Frankfurter Verkehrsdezernat.

Es ist nicht das erste Mal, dass Behinderte mit Elektroscootern in Bus und Bahn nicht mitgenommen werden. 2014 hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den Verkehrsbetrieben empfohlen, Elektroscooter generell nicht zu befördern. Die Fahrzeuge seien zu schwer, könnten kippen und Fahrgäste verletzen, hieß es zur Begründung. Zahlreiche Verkehrsverbünde, auch der RMV, folgten der Vorgabe. Doch seitdem hat sich einiges geändert.

Das Hessische Verkehrsministerium gab 2017 einen Erlass an die Verkehrsverbünde RMV, NVV in Nordhessen und VRN in Südhessen heraus, wie die Mitnahme von Elektroscootern zu regeln sei. Darin sind Vorgaben definiert. Der Elektroscooter darf mitsamt Nutzer maximal 300 Kilogramm wiegen, er muss vier Räder haben und ein Bremssystem für beide Räder der Achse. Der Fahrer des Elektroscooters muss rückwärts in den Bus hineinfahren können. Er muss seinen Schwerbehindertenausweis - mit Merkzeichen „G“ - mit sich führen. Das alles trifft auf Günter Kerssebaum und seinen Elektroscooter „Cordis HMV“ zu. „Es besteht Beförderungspflicht“, sagte er, „ich möchte uneingeschränkt mitgenommen werden.“

Das Verkehrsministerium empfiehlt auch, dass die Verkehrsunternehmen ein Piktogramm auf Bussen und Bahnen anbringen sollen, um die Mitnahmemöglichkeit zu verdeutlichen. Auch für Elektroscooter gibt es ein Piktogramm. Diese Symbolbilder hatte das Bundesverkehrsministerium 2017 einheitlich vorbereitet. „Auf meinem Elektroscooter ist auch ein solches Piktogramm“, sagte Kerssebaum. Aber nicht auf dem Bus der Linie 73, den das Busunternehmen Alpina/Transdev Rhein-Main im Auftrag der Stadt betreibt.

„Auf den Bussen im Frankfurter Nahverkehr gibt es solche Piktogramme nicht“, sagte Klaus Linek, Sprecher der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Dennoch sei der Busfahrer „im Recht“ gewesen, als er Kerssebaum die Mitnahme verweigerte.

Linek begründet das so: Zwar hätten der Elektroscooter und Kerssebaum die Bedingungen zur Mitnahme erfüllt, der Bus aber nicht. Der Bus müsse dort, wo der Elektroscooter auf der Sondernutzungsfläche stehe, eine „Haltevorrichtung zum Gang von mindestens 28 Zentimeter Länge“ haben, damit der Elektroscooter in Kurven nicht umkippen kann. Die Frankfurter Busse hätten solche Stangen zwar, die seien aber zwischen 13 und 40 Zentimeter lang. Traffiq wolle nun herausfinden, welche Busse sich zur Mitnahme eigneten. Die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft FBAG forderte, dass grundsätzlich alle Elektroscooter mitgenommen werden sollten.

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