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Tödlicher S-Bahn-Unfall in Frankfurt Trauer um einen Retter

Der Hanauer Mustafa Alptug S. starb, als er in Frankfurt einen Mann vor einer S-Bahn retten wollte. Sein Tod löst große Anteilnahme aus. Manche sehen in dem 17-Jährigen einen Helden und fordern eine Gedenkstunde.

Treppe zur Station Ostendstraße
An der S-Bahn-Station Ostendstraße war es zu dem tödlichen Unfall gekommen. Foto: dpa

„Ruhig und hilfsbereit“, „zurückhaltend, nett, korrekt“, „ein Familienmensch“ - so wird Mustafa Alptug S. von Hanauern beschrieben, die ihn näher kannten. Auch von den Jugendlichen, die am Donnerstagnachmittag ins Stadtteilzentrum Südost im Freigerichtviertel gekommen sind, um sich an Mustafa Alptug zu erinnern und über ihre Trauer zu sprechen. Sie und die Mitarbeiter der städtischen sozialen Einrichtung, die unter anderem Kinder- und Jugendgruppen sowie Beratung anbietet, sind nach wie vor erschüttert, ringen um Worte.

Am Dienstag sprang der 17-Jährige ins Gleisbett der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße, um einen 44-jährigen Obdachlosen zu retten, der betrunken und hilflos auf den Schienen lag. Kurz darauf wurde Mustafa Alptug von einer einfahrenden S-Bahn erfasst und starb noch am Unfallort. Der 44-Jährige wurde schwer verletzt, ein weiterer 44-jähriger Obdachloser, der auch helfen wollte, trug leichte Verletzungen davon. Er konnte sich offenbar gerade rechtzeitig auf den Bahnsteig retten.

„Mustafas Tod macht uns fassungslos. Wir sind sehr traurig und überlegen, wie wir seiner Familie beistehen und Mustafa gedenken können“, sagt Sozialarbeiter Selim Karanlik, der das Stadtteilzentrum leitet. Sie möchten die Angehörigen bald besuchen, wenn diese es möchten. Und überlegen, wie sie die Erinnerung an Mustafa Alptug wach halten können, zum Beispiel mit einer Gedenkveranstaltung.

Mustafa schmiedete Zukunftspläne

Mustafa Alptug hat früher die Gruppenangebote des Stadtteilzentrums gern genutzt. Der Muslim mit türkischen Wurzeln ist in dem multikulturellen Viertel, das zwischen der Firma Dunlop und der Alfred-Delp-Straße liegt, groß geworden. Er schmiedete Zukunftspläne, machte gerade ein Praktikum und wollte später studieren. An seiner Schule ehrten sie ihn gestern mit einer Schweigeminute.

Dass der 17-Jährige den Obdachlosen in Sicherheit bringen wollte, wundert Mustafa Alptugs Freunde und Bekannte nicht. Seine Hilfsbereitschaft sei einfach groß gewesen. In den vergangenen Tagen fiel noch ein Wort sehr oft, wenn im Stadtteilzentrum über ihn gesprochen wurde: Held. 

Ein Mensch, der handelte 

Gleichzeitig warf sein Tod auch hier viele kritische Fragen auf, etwa: Warum griff keine Sicherheitsvorkehrung? Warum wurde der Retter nicht gerettet?

Mustafa Alptugs Vater bezeichnete seinen Sohn in einem Eintrag im Netz als Engel mit einem großen Herzen, der im Gegensatz zu anderen handelte.

Verwandte, Freunde und Bekannte erinnerten auf Facebook auch mit Fotos an Mustafa Alptug. Eines zeigt ihn als Kind, mit großen, neugierigen Augen, ein anderes zufrieden beim Essen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprach nach dem Tod des Hanauers von einer heldenhaften Tat eines „empathischen jungen Mannes“ mit einem unfassbar tragischen Ende. Am Abend wollte Bürgermeister Axel Weiss-Thiel mit der Vorsitzenden des Ausländerbeirates, Selma Yilmaz Ilkhan (beide SPD), der Familie ein Kondolenzschreiben überbringen und ihnen ihre Unterstützung anbieten, auch bei Formalitäten.

Darüber hinaus denkt auch die Stadt darüber nach, zusammen mit dem Ausländerbeirat ein öffentliches Zeichen zu setzen. Entscheidend sei aber selbstverständlich, ob und in welcher Form die Angehörigen dies möchten, sagte Kaminsky. 

Tod löst große Anteilnahme aus 

Wann der 17-Jährige beigesetzt werden könnte, war am Donnerstagnachmittag noch unklar. Weil eine Obduktion durchgeführt werden sollte, wurde der Leichnam zunächst nicht freigegeben.

Mustafa Alptugs Tod hat eine große Anteilnahme ausgelöst, auch in den sozialen Netzwerken. Die Beiträge und die Fotos, die an ihn erinnern sollen, werden tausendfach geteilt und kommentiert. Neben Kritik an der anfänglichen Vermutung, es könnte sich um eine Mutprobe gehandelt haben, wird Bewunderung gegenüber Mustafa Alptug geäußert und seiner Familie viel Kraft gewünscht. „Möge seine Seele in Frieden ruhen“, schrieb etwa der Islamische Verein Hanau, während das türkische Generalkonsulat Allahs Segen wünschte. Und unzählige Beiträge heben die Zivilcourage des 17-Jährigen hervor.

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