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Streik im Nahverkehr „Die Streikbereitschaft ist hoch“

Die Fahrer von U-Bahnen und Straßenbahnen in Frankfurt könnten erneut streiken, wenn ihre Forderung nach mehr Lohn nicht erfüllt wird.

Warnstreik Frankfurt
Mit jeder S-Bahn stranden am Mittwoch Hunderte Pendler am Hauptbahnhof. Weiter geht es nur zu Fuß, mit Taxi, Bus oder Fahrrad. Foto: Christoph Boeckheler

Gerhard Martin und Holger Abt sitzen in ihren blauen Streikwesten im Betriebshof Gutleut. Martin (stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Nahverkehr) und Abt (Vorstand Region Mitte) kämpfen für eine Lohnerhöhung der U- und Straßenbahnfahrer in Frankfurt.

Die Gewerkschaft Nahverkehr (NahVG) ist kaum bekannt.
Martin: Wir haben uns erst 2012 gegründet. Früher waren wir bei Verdi, aber da war die Mitgliederbetreuung wegen der vielen Fachbereiche schlecht. Wir sind die einzige Fachgewerkschaft, die einen stetigen Zuwachs hat.

Über welche Größenordnung reden wir da?
Martin: Bundesweit fünfstellig.

Ist die Gewerkschaft denn noch irgendwo angedockt?
Martin: Wir gehören zum Deutschen Beamtenbund (dbb). Früher waren wir bei der Gewerkschaft GDL, aber der dbb meinte, wir sollen unsere eigene Gewerkschaft gründen, weil wir nichts mit Lokführern zu tun haben.
Abt: Das ist ein bisschen bitter, denn früher hat der Straßenbahnfahrer mehr verdient als der S-Bahnfahrer, die bei der GDL sind, heute ist es umgekehrt.

Was verdient denn der Fahrer einer U-Bahn oder Straßenbahn in Frankfurt?
Abt: In der Ausbildung 1911 Euro brutto, nach bestandener Prüfung gibt es vier Prozent mehr, nach einem weiteren Jahr nochmal vier Prozent mehr. Das sind dann 2080 Euro, mit Schichtzulagen nochmal 200 Euro mehr, aber davon kann man in Frankfurt nicht leben, gerade wenn man Familie hat.
Martin: Das ist halt bitter, wenn man einen Fulltime-Job hat und seine Familie nicht ernähren kann.
Abt: Wir haben Kollegen, die sitzen acht Stunden auf dem Bock und müssen dann irgendwo noch Regale einräumen damit es reicht. Das kann sowieso nicht sein. Ein U-Bahnfahrer hat die Verantwortung für einen millionenteuren Wagen und 1000 Leute und verdient weniger als ein Lagerist.

Was sind denn ihre Forderungen, die gleichen wie die von Verdi?
Martin: Ja, Sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro.

Wie ist denn die Streikbereitschaft, wie viele Fahrer von U- und Straßenbahnen gibt es denn überhaupt in Frankfurt?
Abt: Bei der VGF gibt es 760 Fahrer, etwa 60 Prozent davon sind gewerkschaftlich organisiert, die meisten davon bei der NahVG. Wir sind sehr überrascht von der hohen Streikbereitschaft.

Haben Sie den Streik bewusst in den Zeitraum der Tunnelsperrung gelegt.
Abt: Ja, man kann uns unterstellen, dass wir das einkalkuliert haben. S-Bahnfahrer und U-Bahnfahrer sollen ja nie zeitgleich streiken.
Martin: Es muss auch mal schmerzhaft sein, aber den richtigen Zeitpunkt gibt es ohnehin nie, Wir sind Dienstleister und das trifft nun mal die Kunden. Abt: Das tut uns auch leid für die Kunden, aber man merkt jetzt heute mal, dass der Straßenbahnfahrer, der immer so grimmig guckt, fehlt.

Was schätzen sie, wie lange der Streik noch dauern wird?
Martin: Wir können nicht in die Köpfe der Arbeitgeber reinschauen. Mehr geben wird es bestimmt, aber ob uns das dann reicht, da müssen wir schauen. Ich fürchte, es könnte noch länger dauern.

Sie können also nicht versprechen, dass U-Bahnen und Straßenbahnen nicht noch mal bestreikt werden?
Abt: Nein, das können wir nicht.

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