Lade Inhalte...

Streik der Busfahrer in Hessen Keine Rückzahlung für Fahrgäste

Obwohl die Busse seit zwei Woche nicht fahren, wird es für Fahrgäste keine Entschädigung geben. Viele RMV-Kunden sind sauer. Am Montag fahren die Busse wieder.

Ab Montag sitzen wieder Fahrer hinterm Lenkrad. Foto: dpa

Eine Entschädigung der Fahrgäste fordert der Fahrgastverband Pro Bahn. Der Konflikt um das Lohnniveau der Busfahrer sei „auf deren Rücken“ ausgetragen worden und besonders auf denen von Schülern. Doch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sieht sich dazu nicht in der Lage. Er verweist auf die „Gemeinsamen Beförderungsbedingungen“, wonach es keine Gewähr für das Einhalten des Fahrplans gibt.

„Der Streik war eine Belastung für unsere Fahrgäste“, räumt RMV-Sprecher Sven Hirschler ein. Der Verbund beabsichtige, aus den Erfahrungen der beiden Wochen zu lernen. „Wir überlegen, was wir für unsere Fahrgäste künftig in einem solchen Fall mehr tun können.“

Am Donnerstag hatten sich der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) und die Gewerkschaft Verdi auf ein Schlichtungsverfahren geeinigt. Die Arbeitgeber benannten am Freitag Volker Sparmann, Mobilitätsbeauftragter des Hessischen Verkehrsministeriums und ehemaliger RMV-Geschäftsführer.

Den zweiten Schlichter wird die Gewerkschaft Verdi benennen. Am Montag sollen sie mit der Arbeit beginnen. Bis dahin erhalten die Busfahrer den Druck aufrecht, der Streik dauert dann zwei Wochen. Nach Aussagen von Verdi-Verhandlungsführer Jochen Koppel ist eine 14-tägige Friedenspflicht üblich. Das heißt, Fahrgäste haben die Sicherheit, dass von Montag an zumindest zwei Wochen lang wieder die Busse nach Fahrplan rollen.

Die Sympathien des Fahrgastverbands Pro Bahn liegen bei den Busfahrern. „Man braucht neben den entsprechenden Fahrzeugen auch Menschen, die dem verantwortungs- und anspruchsvollen sowie fordernden Beruf nachgehen“, sagte Thomas Schwemmer vom Regionalverband Frankfurt. Solche Männer und Frauen seien im Rhein-Main-Gebiet schwer zu finden – auch wegen des geringen Lohnniveaus. „Es ist eines der niedrigsten im Bundesvergleich.“

Schwemmer fordert die Verbünde auf, bei den Ausschreibungen „endlich realistischere Vorgaben zu machen“. Die Politik müsse den öffentlichen Verkehr finanziell so ausstatten, „dass auch die Mitarbeiter angemessen bei fairen Arbeitsbedingungen entlohnt werden“.

Welcher finanzielle Schaden durch den zweiwöchigen Streik konkret entstanden ist, steht noch nicht fest. Für die Unternehmer wird er sich in Grenzen halten. Sie müssen keine Löhne zahlen, kein Benzin. Umgekehrt bekommen sie – je nach Vertrag – kein oder weniger Geld von den Nahverkehrsorganisationen, weil sie die verabredete Leistung nicht erbracht haben. Die Frankfurter Traffiq etwa wird den bestreikten Busunternehmen für die beiden Wochen keinen Cent überweisen, sagt Pressesprecherin Kirsten Anlauf. Trotzdem werde es keine Rückzahlung an Zeitkarten-Inhaber geben, wie Pro Bahn sie fordert: „Bei uns gelten die Beförderungsbedingungen des RMV.“

Neben formalen stünden auch organisatorische Gründe einer Entschädigung entgegen, argumentiert RMV-Sprecher Hirschler. Der bürokratische Aufwand etwa und: „Es ist schwer zu sagen, wer von dem Streik betroffen ist.“ Außerdem haben viele Frankfurter die Möglichkeit, auf U- oder S-Bahn umzusteigen. Die haben andere Rhein-Main-Bewohner nicht, so Pro Bahn: „Die Randbereiche der Städte und der ländliche Bereich sind besonders stark getroffen, da hier der Bus oft das einzige öffentliche Verkehrsmittel oder der benötigte Zubringer zu den Schienenverkehrsmitteln der Region ist.“

Fest steht schon jetzt: Der zweiwöchige Arbeitskampf hat dem Renommee des Öffentlichen Nahverkehrs enorm geschadet. Laut RMV-Sprecher Hirschler sind einige Kunden so verärgert, dass sie wieder aufs Auto umsteigen wollen. Am Donnerstag habe die RMV-Hotline 1100 Telefonate geführt, mit dem eindeutigen Schwerpunkt Streik. Hinzu seien Hunderte Mails und Dialoge auf Facebook gekommen. Der Ton sei mit der Dauer des Streiks zunehmend rauer geworden: „Beschimpfungen sind inzwischen die Regel, nicht die Ausnahme.“

Auf diese Weise bleibe die Verkehrswende reines Wunschdenken, urteilt der Fahrgastverband Pro Bahn. „Reputation und Vertrauen werden leichtfertig verspielt.“ Es bleibe zu hoffen, dass sich die Kontrahenten nun auf eine schnelle und dauerhaft tragfähige Lösung einigten. „Denn am Ende zahlen wir Fahrgäste einen großen Teil der Personalkosten über unsere Fahrkarten.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen