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Straßenbahn-Sperrung Frankfurt Keine Ahnung am Hauptbahnhof

Seit heute fahren in Frankfurt zwischen Güterplatz, Hauptbahnhof und Willy-Brandt-Platz wegen Bauarbeiten keine Straßenbahnen. Nicht nur Pendler, auch die VGF-Helfer sind ratlos.

29.08.2016 08:43
Michael Bayer, Franzisca Basche
Heute keine Information bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Foto: Michael Bayer

Am ersten Tag, an dem weit und breit vor dem Frankfurter Hauptbahnhof keine Straßenbahnen fahren, ist morgens um halb acht der Rollladen am Informationshäuschen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt geschlossen. Möglicherweise waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, dass hier ohnehin niemand einsteigt - und also kein Informationsbedarf besteht. Das könnte ein Irrtum gewesen sein.

Am Weg für Fußgänger über die Straßenbahngleise stehen zwei Männer in VGF-Uniform. Eine ältere Frau läuft auf sie zu - wie sie denn nun zur Haltestelle "Speyerer Straße" in der Mainzer Landstraße komme. Einer der VGF-Helfer hebt den Arm und zeigt souverän in Richtung Nordwesten: "In die Richtung müssen Sie laufen." Die Frau blickt kurz verwirrt, entgegnet: "Ja, ich weiß, dass dort die Mainzer Landstraße ist. Aber wie fahre ich dahin?"

Der VGF-Mann überlegt, schaut sich um, sieht einige Meter entfernt ein gelbes Infoschild und läuft mit der Frau dort hin. Er liest. Und liest. Und liest. Und läuft mit der Frau zurück zu seinem Kollegen: "Zur Speyerer Straße?" Der andere Helfer ist sicher: "Die Elf fährt bis zum Güterplatz, wendet dort und fährt wieder zurück." Also zum Güterplatz laufen?

Da zeigt ein weiterer Fahrgast ein mit dem Handy fotografiertes anderes gelbes Schild. Dort heißt es, die Linien 11/21 nach Zuckschwerdtstraße via Nied seien, ebenso wie die Linien 16 und 17, zu erreichen mit der U4 an der Station Festhalle/Messe. "Wo wendet denn nun die Elf, am Güterplatz oder an der Messe?", fragt der Reisende. Die beiden VGF-Helfer schauen abwechselnd sich gegenseitig und das Foto an: "Das ist ja ganz blöd formuliert", sagen sie. Und weiter laut überlegend: "Dann fährt also die Elf bis zur Messe über die Hohenstaufenstraße?" Es klingt eher nach einer Frage als nach einer sicheren Antwort. Sie wäre richtig.

Kurz danach sind die VGF-Leute verschwunden, der nächste Schwung Pendler erscheint. Auf der Gegenseite schaut sich eine Familie mit Kinderwagen um nach der Straßenbahn in Richtung Offenbach. Sie weiß nicht weiter, erkundigt sich bei einem anderen Reisenden. Er hebt den Arm: "Die 16 startet an der Südseite des Hauptbahnhofs."

Die Familie orientiert sich, zögert, kommt mit einem Zettel zurück, den eine Reiseauskunft ziert. Ziel: Offenbach Kaiserlei. "Ja, da können Sie doch mit der S-Bahn fahren", erklärt der kundige Reisende. Die Frau kneift die Augen zusammen, fühlt sich womöglich veralbert: "Die S-Bahnen fahren doch nicht", ruft sie. "Doch, seit Freitag wieder." "Ach so, steht ja nirgends."

Doch nicht alle sind so ortskundig wie der eben befragte Reisende: "Südseite? Wo soll das denn sein?" Eine berechtigte Frage, denn wie man dort hingelangt, wo die Bahnen starten, ist nur auf wenigen Hinweistafeln zu lesen. Man könnte die beiden VGF-Helfer fragen, doch die bleiben verschwunden.

Wer die Südseite des Hauptbahnhofs findet, sieht ein ähnliches Bild: Pendler sehen sich vergeblich nach Hilfe um oder scharen sich vor den Hinweisschildern. Ein Vater wartet mit seinem Sohn auf die Linie 11 und wird langsam ungehalten: "Schon wieder nur die 16. Und das am ersten Schultag."

Die Bauarbeiten sind derweil angelaufen. In der Münchener Straße und südlich des Hauptbahnhofs sprühen Funken, weil Schweißer an mehreren Stellen gleichzeitig die Gleise ausbauen. Bagger entfernen den Straßenbelag. Die Zahl der Fahrstreifen für Autofahrer ist verringert, der Verkehr zunehmend dicht. Zeitweise stauen sich die Fahrzeuge bis auf die gegenüberliegende Mainseite. Betroffen sind auch Taxen und Fernbusse. Frankfurt stehen nach sechs Wochen Tunnelsperrung weitere zwei anstrengende Wochen bevor.

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