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Straßen in Hessen Minigolf-Aktion gegen Schlaglöcher

In vielen hessischen Kommunen haben die Straßen Schlaglöcher. In Offenbach machen Mitglieder des Vereins „Stadtmenschen“ mit „Schlagloch-Minigolf“ auf die Misere aufmerksam.

18.05.2018 20:41
Schlagloch-Minigolf in Offenbach
Bolazs Vesszösi (38) visiert zum Spaß ein Schlagloch auf einer Straße im Offenbacher Nordend an, in das er beim Schlagloch-Minigolf den weichen Ball befördern muss. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Souverän locht Georg Diederichs den Golfball ein, die Zuschauer applaudieren. Der 63-Jährige befindet sich allerdings nicht auf einem gepflegten grünen Rasen, sondern auf einer Straße im Offenbacher Nordend beim „Schlagloch-Minigolf. Mit bunter Sprühfarbe haben die Organisatoren einen Parcours mit insgesamt neun Löchern markiert.

„Wir wollen die Wahrnehmung der Bewohner für ihren Lebensraum schärfen, sagt Paola Wechs vom Verein „Stadtmenschen, der zum Minigolf geladen hat. „Und dazu gehören hier in Offenbach auf jeden Fall die Schlaglöcher. Und tatsächlich: In der angrenzenden Ludwigstraße ist der Teer an so vielen Stellen aufgeplatzt, dass Platz wäre für noch ein Turnier.

Wie auf jeder Minigolf-Anlage müssen die Teilnehmer mit möglichst wenig Schlägen vom Startpunkt aus das Ziel treffen. Das besteht hier mal aus einem besonders tiefen Loch in der maroden Straße, mal aus einem mit Unkraut übersäten Straßenbeet, mal aus einer tiefen Welle im Pflaster auf dem nahen Goetheplatz.

Langsam kommt ein Polizeiauto heran, die Spieler halten inne. „Jetzt  wollen wir aber mal was sehen!, ermuntert der Fahrer sie über einen Lautsprecher zum Weitermachen - und setzt seine Streife kurz danach fort. Andere Polizisten halten an und mahnen die Spieler zur Vorsicht angesichts des Autoverkehrs.

Rot, gelb und grün sind die „Golfbälle, bei denen es sich um selbstgehäkelte und mit Sämereien gefüllte Kugeln handelt. „Die hat meine Tante gehäkelt, sagt Mitorganisator Max Schulze. Auch
vergangenes Jahr seien Polizisten vorbeigekommen und hätten sogar kurz mitgespielt. Da fand das Minigolf-Event in einem anderen Offenbacher Viertel statt; die dortigen Schlaglöcher seien inzwischen repariert, berichtet Schulze.

Dass der Zustand der Straßen zu wünschen übrig lässt, räumt auch Stadtservice-Sprecher Jörg Muthorst ein. „Der Sanierungsbedarf in Offenbach ist sehr hoch, das ist Anwohnern und Durchfahrenden bekannt. Problematisch sei der viele Regen im Winter gewesen. 320 Kilometer messen die Offenbacher Straßen in ihrer Gesamtlänge. Um sie komplett zu sanieren, wären nach seiner Einschätzung „viele, viele Millionen nötig. Doch Offenbach sei Schutzschirmkommune; 900 Millionen Euro Schulden hat die kleinste der fünf hessischen Großstädte. Viel Spielraum ist da nicht.

Dennoch hat Offenbach in diesem Jahr zu den ansonsten vorhandenen zwei Millionen Euro ein Sonderprogramm zur Straßenunterhaltung aufgelegt, wie Muthorst berichtet. Es sei damit zu rechnen, dass die zusätzlichen 3,4 Millionen in diesem und im nächsten Jahr verbaut werden. Ist die Stelle gefährlich für Verkehrsteilnehmer und befinde sie sich an einer Stelle mit hohem Verkehrsaufkommen, rücke ein Trupp aus und fülle das Loch so schnell wie möglich provisorisch.
Mittelfristig könne dann die Asphaltdecke erneuert werden,  langfristig eine großflächige Sanierung nötig werden.

Das wird so ähnlich auch in anderen Kommunen gehandhabt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Denn das Stopfen von Schlaglöchern ist auch für sie eine Daueraufgabe, gerade nach dem Winter. Selbst warme Witterung wie zuletzt bewahrt die Städte nicht vor neuen Schäden.

Hessens größte Stadt Frankfurt geht davon aus, dass der Winter für Reparaturkosten von rund 1,3 Millionen Euro gesorgt hat, etwas mehr als die Jahre zuvor. Abgesehen von einer Frost- und Tauperiode im März sei der vergangene Winter von starken Regenfällen geprägt gewesen, heißt es aus dem Amt für Straßenbau und Erschließung. Die Höhe der angefallenen Kosten belege, dass schon „geringfügige Frost- und Tauwechsel bei einer vorgeschädigten Straßensubstanz zu erheblichen Schäden führen können.

Rund eine halbe Stunde benötigen die Mitarbeiter für die Reparatur eines Schlaglochs, wie es aus der Landeshauptstadt Wiesbaden heißt. Man sei mit rund 15 000 Schlaglöchern recht gut durch den Winter gekommen, berichtet der Abteilungsleiter Bau in der Stadtverwaltung,
Ralf Gunkel. Dies seien nur etwa zwei Drittel der Schäden eines Durchschnittswinters. Die Stadt erfahre unter anderem von den kaputten Stellen, wenn Bürger sie über den „Schlagloch-Melder“ anzeigen. Außerdem wird bei den Streckenbegehungen auf Schäden geachtet. „Wir sind da immer dran.

Auch in Fulda ist das Thema eine „never ending story, wie Stadtsprecher Johannes Heller sagt. Wann die zuletzt angefallenen Arbeiten abgeschlossen sind, könne nicht vorhergesagt werden. Klar ist zumindest: Die Schäden und Reparaturkosten aus dem vergangenen Winter fielen geringer aus als im Jahr zuvor. Im Winter 2017/2018 wurden 18 Tonnen Reparaturasphalt im Materialwert von rund 18 000 Euro verarbeitet. Davor waren es 21,6 Tonnen im Wert von knapp 22 000 Euro. „Schlaglöcher sind allerdings nicht immer ein ausschließliches Indiz für einen strengen Winter. Somit lässt sich die Thematik nicht eindeutig abgrenzen, erklärt Heller.

So heißt es aus Gießen, dass „eine gezielte Zuordnung auf witterungsbedingte Schäden nicht gemacht werden könne. Die Mitarbeiter des Bauhofes sind aber noch immer damit beschäftigt, in den vergangenen Monaten entstandene Schlaglöcher zu stopfen. Denn in vielen Fällen sei eine zeitnahe Schadensbeseitigung gar nicht möglich, dafür brauche es trockenes und warmes Wetter.

In Darmstadt sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres knapp 1800 Schäden aufgetreten, wie die südhessische Stadt berichtet. Das entspreche einem durchschnittlichen Winter. „Die geschätzten Kosten für Straßenkontrolle, Baukolonne und Baubetriebshof liegen im ersten Quartal 2018 bei etwa 442 000 Euro. Eine Differenzierung nach Winterschäden sei aber nicht möglich. Die Schäden seien bereits alle behoben. 

Zurücklehnen kann sich bei dem Thema auch Kassel: Da der Winter nicht so streng gewesen sei, habe keine Häufung von Schlaglöchern festgestellt werden können. «Die Beseitigung erfolgte umgehend im Rahmen der allgemeinen Straßenunterhaltung und wurde nicht gesondert erfasst, berichtet ein Sprecher. (dpa)

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