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Speedmarathon Radler beklagen Schikane

Die Verkehrskontrollen von Radfahrern nach Ferienende sollen der Sicherheit dienen, stoßen aber auf Unmut.

Kontrolle Radfahrer | Stadtpolizei | Frankfurt | 19.04.2017
Auf dem Gehweg radeln ist tabu. Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Fahrradfahrer sollten sich stets an die Verkehrsregeln halten, besonders aber dieser Tage, denn es wird verstärkt kontrolliert. Bis zum 28. April laufen die „Verkehrssicherheitswochen“ der städtischen Verkehrs- und der Landespolizei. Die Behördenvertreter nehmen zwar auch zu schnell fahrende Autos und Falschparker ins Visier. Schwerpunkt aber ist das Verhalten der Radfahrer.

Etwa am Platz der Republik. Da radelt am Mittwochnachmittag ein Mann mit Trekkingrad bei Grün über die Fußgängerampel, und schiebt nicht, wie er sollte. Außerdem stecken zwei Kopfhörerstöpsel in seinen Ohren, nicht einer, was beim Radfahren erlaubt wäre.

Arzu Fesci und Markus Grill, Verkehrspolizisten im Straßenverkehrsamt, stoppen ihn auf dem Gehweg. Ob er denn wisse, dass Radfahren auf dem Bürgersteig und über die Fußgängerampel verboten sei? Ist er sich bewusst, dass die Kopfhörer ihn so ablenkten, dass er das Verkehrsgeschehen nicht aufmerksam verfolgen könne? Arzu Fesci stellt das Knöllchen aus. Zweimal zehn Euro, fürs Gehwegradeln und fürs Musikhören. Frustriert strampelt der Mann davon. Derweil ruft ein anderer Radfahrer, der auf dem Gehweg an der Düsseldorfer Straße kontrolliert wurde: „Ich wollte die Fahrbahn nicht blockieren, und muss jetzt zehn Euro zahlen. Schweinerei!“

„Die Abzocke hat einen Namen“, wettert eine weitere Passantin, die bei Grün über die Ampel läuft. Eine Radfahrerin hält derweil an und beschwert sich: Dass Radfahrer gezielt kontrolliert würden, sei doch „unsympathisch“.

Keine Abzocke

„Viele empfinden die Kontrollen als Schikane“, gibt Verkehrspolizist Grill zu. Dabei gehe es jedoch nicht um Abzocke, sondern um die Sicherheit, ergänzt seine Kollegin Fesci. „Im Zweifel geht es sogar ums Leben.“ Wenn Radfahrer in der Dämmerung oder bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs seien, könne das böse enden.

Unfälle mit Radlern hätten im vorigen Jahr in Frankfurt zugenommen, sagt Polizeidirektor Tim Heinen, der bei der Landespolizei für die Verkehrssicherheit zuständig ist. Drei Radfahrer kamen laut Verkehrsbericht der Polizei 2016 in Frankfurt ums Leben, 2015 war es einer weniger. Auch wenn es weniger Schwerverletzte gab: Insgesamt nahm die Zahl der verunglückten Radfahrer zu (2015 waren es 1126; 2016 schon 1142).

Als Unfallursachen nennt der Bericht vor allem mangelnden Abstand und Radfahren unter Einfluss von Alkohol oder anderen Rauschmitteln. Überhöhte Geschwindigkeit oder das Fahren auf der falschen Fahrbahnseite sind demnach weniger problematisch.

Polizeidirektor Heinen hat noch eine Erklärung. Die Verkehrsdichte habe deutlich zugenommen, sagt er, es seien mehr Radfahrer unterwegs. Ihr Anteil am Gesamtverkehr liege mittlerweile bei 13 bis 14 Prozent und könne bis 2020 auf 20 Prozent anwachsen. „Es wird enger, der Verkehrsraum ist endlich.“ Das führe zu vermehrten Konflikten. Der Polizeidirektor kündigte weitere Kontrollen „in der Fahrradsaison an“.

„Zu keinem Thema gehen mehr Beschwerden bei uns ein als über rüpelhafte Radler“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Weil die Konflikte von Radfahrern mit Autofahrern und Fußgängern zugenommen hätten, habe die Koalition die Verkehrssicherheitswochen auf vier pro Jahr ausgeweitet.

Glücklich ist niemand, der kontrolliert wird, fast jeder meckert. „Die Sprüche sind für uns irrelevant“, sagt Arzu Fesci, die solche Vorwürfe mit professionellem Abstand nimmt. Am Mittwoch sieht nur ein Radler ein, dass er einen Fehler gemacht hat. Er zahlt zehn Euro fürs Gehwegradeln in bar und verabschiedet sich sogar.

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