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Sommerbaustellen in Frankfurt Gute Konjunktur verteuert den Straßenbau

Die Stadt Frankfurt schreibt Aufträge teilweise mehrfach aus, bis sich endlich eine Firma findet - und muss Kostenaufschläge von 50 bis 100 Prozent in Kauf nehmen.

Baustelle in Frankfurt am Main
Ein Schilderwald erwartet die Frankfurter wegen der vielen Baustellen auch in diesem Sommer wieder. Foto: Arne Dedert (dpa)

Wenn andere sich in den Ferien erholen, beginnt für das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) in Frankfurt die arbeitsreichste Zeit des Jahres. „Bessere Voraussetzungen haben wir sonst nie“, sagte der stellvertretende Amtsleiter Ulrich Rendel. Straßen sind nicht schneebedeckt; Schüler müssen nicht zur Schule; viele Pendler haben frei.

Weil die Straßen entlastet sind – geschätzt sind 20 Prozent weniger Pendler unterwegs –, legt das Straßenbauamt die meisten Arbeiten in die Sommerferien; diesmal fallen sie auf die Zeit vom 25. Juni bis 5. August. 40 Sommerbaustellen gibt es in Frankfurt, einmal quer durchs Stadtgebiet. Etwa die Hälfte der Arbeiten wird bis Ferienende abgeschlossen. Andere, wie die Großbaustellen auf der Hanauer und Eschersheimer Landstraße und der Elisabethenstraße dauern an. 

Schwierig, Firmen zu finden 

Für das Straßenbauamt wird es jedoch immer schwieriger, Firmen zu finden, welche die Arbeiten auszuführen wollen. „Es herrscht nicht Hoch-, sondern Höchstkonjunktur“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Aufträge schreibe das Amt mittlerweile oft nicht nur einmal, sondern zweimal oder häufiger aus, bis eine Baufirma sich bereiterkläre. Beispiel Alt-Zeilsheim: „Da gab es das Problem“, sagt der zuständige Baubezirksleiter Günter Schneider. Für die Grunderneuerung des Straßenabschnitts und den barrierefreien Umbau der Bushaltestelle Hofheimer Straße sei wiederholt keine Firma gefunden worden. Das Problem habe sich nun gelöst. Die Straße bekomme eine neue Fahrbahn und Gehwege, bis 12. Oktober sei alles fertig.

Aber das sei kein Einzelfall. Die Angebote der Firmen beim Straßenbau lägen teilweise 50 Prozent über den in der Ausschreibung angesetzten Kosten, sagt Rendel. Noch härter sei der Wettbewerb beim Brückenbau. „Wir stehen in direkter Konkurrenz zur Deutschen Bahn“, erläutert der zuständige Abteilungsleiter im ASE, Hans Beier. Die Aufschläge betrügen bis zu 100 Prozent. Er rechne damit, dass die Preise dauerhaft hoch blieben und vielleicht weiter anzögen.

Kommt das Straßenbauamt angesichts dieser Entwicklung mit seinem jährlichen Budget noch zurecht? „Der Kämmerer lässt uns Luft zum Atmen“, sagt Oesterling. Das Budget werde in der Regel nicht voll ausgeschöpft.

31 Millionen Euro für Straßen und Brücken 

In diesem Jahr schreibe das Straßenbauamt 100 Baustellen aus. Das koste 31 Millionen Euro, davon 12 Millionen Euro für Brücken, 19 Millionen Euro für Straßen – Radwege und Bürgersteige inklusive. Es zeichne sich aber ab, dass das ASE in den nächsten Jahren weniger Bauaufträge ausschreiben werde, falls die Konjunktur weiter anziehe, sagte Rendel.

Höhere Kosten muss das Straßenbauamt auch tragen, falls sich Arbeiten hinauszögern oder in ihrem Umfang erhöhen, wie auf der Offenbacher Landstraße. Dort wurde unter der Straße ein Friedhof aus der Pestzeit gefunden, die Kosten schossen um 1,5 Millionen Euro auf 5,7 Millionen Euro in die Höhe. Mittlerweile ist Entspannung in Sicht: Die im April 2017 begonnenen Arbeiten enden weitestgehend am Montag, 25. Juni. Dann fahren die Tramlinien wieder, die Fahrspuren für Autos sind frei.

Um Kosten bei Projekten zu sparen, hat sich das Straßenbauamt eine neue Strategie zurechtgelegt. Bislang arbeitete das ASE mit Malus-Zahlungen, die Firmen bei Bauzeitverzögerungen leisten sollten. Dafür musste das Amt die Verzögerungen dokumentieren. Oft folgte eine juristische Auseinandersetzung. „Das hat beide Seiten erschöpft“, sagt Oesterling. Nun werde das System auf Bonus-Zahlungen umgestellt. Falls eine Firma es schaffe, vor dem vereinbarten Bauende fertig zu sein, erhalte sie den Bonus. „Den kann die Firma aber nicht einklagen“, sagt Oesterling.

Ein Beispiel: Die Brücke über die Hafenbahn auf der Hanauer Landstraße. Dort hatten die VGF Ersatzbusse für die gesperrten Tramlinien bestellt, die Busse kosteten 110.000 Euro pro Woche. Die zuständige Firma brauchte aber nicht zwölf, sondern nur acht Wochen, um den Abschnitt fertigzustellen. Für jede gewonnene Woche habe die Firma 55.000 Euro Bonus erhalten, sagt Oesterling. Die andere Hälfte der 110.000 Euro behielt die Stadt.

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