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Schnellfahrstrecke Köln - Frankfurt ICE fahren wieder auf beiden Gleisen

18. UpdateGut einen Monat nach dem ICE-Brand bei Montabaur rollt der Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Köln und Frankfurt wieder weitgehend nach Plan.

Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt
Die Deutsche Bahn schickt wieder ICE auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt. Hier ein Archivbild aus Neustadt (Wied) nahe der Autobahn A3. Foto: Bernd Von Jutrczenka (dpa)

Gut einen Monat nach einem heftigen ICE-Brand rollen die Züge auf der wichtigen Strecke zwischen Köln und Frankfurt wieder auf beiden Gleisen. Am frühen Abend des ersten Tages nach dem Abschlus der Arbeiten zog die Deutsche Bahn eine positive Bilanz. „Der Fahrplan läuft stabil.“ Züge in beide Richtungen seien weitestgehend pünktlich oder nur wenige Minuten zu spät gewesen. Zu der „einen oder anderen Minute Verspätung“ könne es durch eine derzeit noch eingerichtete Langsamfahrstelle im betroffenen Bereich mitunter noch kommen.

Die Fahrbahn, auf der der brennende ICE stand, musste auf 60 Metern erneuert werden. Die Arbeiten erwiesen sich als kompliziert, weil die Schienen nicht auf dem üblichen Schotterbett verlegt waren, sondern auf Beton. Über die Kosten der Reparatur kann die Bahn noch nichts sagen.

Ein Video der Frankfurter Rundschau, entstanden aus einem der ersten wieder verkehrenden ICE, und Bilder im Internet zeigen, wie massiv das Feuer in ICE 511 die Schienen beschädigt hatte.

Die 180-Kilometer-Trasse zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet ist eine der wichtigsten Strecken im gesamten Netz der Bahn. Die Gleise sind das Bindeglied zwischen Süddeutschland und dem Ruhrgebiet, den Niederlanden und Belgien. Die Einschränkungen durch die Bauarbeiten brachten daher auch mittelbar Linien durcheinander, die nicht über die Rennstrecke zwischen Frankfurt und Köln fuhren.

Bahn schickt ICE zum Extracheck in die Werkstätten

Die Deutsche Bahn zog Konsequenzen aus dem Feuer in einem ICE auf der Schnellfahrstrecke Rhein-Main - Köln: Sie schickt alle 60 Züge der betroffenen Baureihe 3 für zwei Tage in die Werkstätten. Das Unternehmen sagte, die Techniker prüften alles, von den Antriebsmotoren bis zur Kaffeemaschine. Anschließend waren die älteren Baureihen dran. 

Zur Brandursache könne sich das Unternehmen erst nach Abschluss der Ermittlungen äußern. Vermutungen halten sich schon lange. Der Südwestrundfunk hatte schon früh berichtet, der verhängnisvolle Defekt sei an einem Trafo aufgetreten. Die Bundespolizei sagte dagegen, Details seien noch unklar. „Das kann der Trafo gewesen sein, das kann auch etwas anderes gewesen sein“, so ein Sprecher. Fest steht, einer der beiden Transformatoren des zweiteiligen Zuges war in jenem Wagen eingebaut, der ausbrannte - und die Trafos werden mit großen Mengen an Öl gekühlt.

Die Bundespolizei kündigte Untersuchungen einzelner Teile im Labor an. Die Ermittlungen könnten mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der Zug war nach Schmorgeruch am Tag vor dem Brand in einem Werk technisch untersucht worden. „Dabei wurde eine Klimaanlage aufgrund einer defekten Steuerung ausgeschaltet“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Sie betonte aber: „Diese Reparatur in einem anderen Wagen des Zuges steht in keinem Zusammenhang mit der Brandursache.“

Brandschutz der ICE Thema im Verkehrsausschuss des Bundestags

Zwischenzeitlich befasste sich der Verkehrsausschuss des Bundestags mit dem Thema. Auf Antrag der FDP-Fraktion ging es um den unterschiedlichen Brandschutz in verschiedenen ICE-Baureihen. Insbesondere Fotos des ICE-Wracks und des zerstörten Gleisbetts sorgten für Gesprächsbedarf, erklärte der FDP-Bahnexperte und Bundestagsabgeordnete Christian Jung.

Zuvor hatten die Stuttgarter Nachrichten berichtet, Rauchmelder an kritischen Stellen gebe es nur im neuen ICE 4 und den jüngsten ICE 3 (Velaro). In der vorhandenen Flotte seien die Melder nur stellenweise nach Bränden nachgerüstet worden, bei den vielen älteren ICE 3 der Baureihen 403 und 406 fehlten sie im Fahrgastbereich ganz.

„Über weitergehende Maßnahmen, die nach dem Brand eventuell notwendig sind, entscheiden wir in Abstimmung mit den Behörden nach Abschluss der Ermittlungen“, sagte jetzt DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber.

Der Brand in ICE 511 bei Montabaur

Ausgebrochen war das Feuer in einem ICE auf dem Weg nach München am Freitag, 12. Oktober. 510 Reisende verließen in der Nähe von Dierdorf (Kreis Neuwied) bei Montabaur den brennenden Zug nach einem Nothalt. Es gab fünf Leichtverletzte: Beim Aussteigen verletzte sich laut Polizei eine Person am Sprunggelenk, bei vier Reisenden schwächelte der Kreislauf.

Zwei Waggons waren von der Rauchentwicklung betroffen, ein Wagen brannte völlig aus. Ursache war ein technischer Defekt, teilten Bundespolizei und Deutsche Bahn tags darauf mit. Was genau passierte, müssten weitere Untersuchungen klären. Eine Einwirkung von außen wurde ausgeschlossen.

Am folgenden Wochenende transportierte die Bahn den Unglückszug ab - unterstützt vom Technischen Hilfswerk. Die Männer zerkleinerten den ausgebrannten Wagen und warfen die Reste auf einen Hilfszug im Nebengleis. Ein Video dokumentiert den kräftezährenden Einsatz. Die zuständige Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung erläuterte das weitere Vorgehen: „Der vordere Zugteil wird im ICE-Werk in Frankfurt-Griesheim untersucht, der hintere vom Brand direkt betroffene Zugteil wird nach Krefeld gebracht.“

Bundespolizist organisierte die Rettung der Reisenden

Nach Angaben der Bundespolizei hatte am Freitag ein im ICE 511 reisender Bundespolizist gegen 6.30 Uhr die Rauchentwicklung bemerkt, leitete einen Nothalt ein und startete gemeinsam mit dem Zugpersonal die Räumung auf freier Strecke. Die Schwierigkeit zu dem Zeitpunkt sei unter anderem gewesen, dass der Zug noch an der Stromleitung hing. Der Bundespolizist habe um diese Gefahr gewusst und auch im Blick gehabt, dass in der Gegenrichtung noch Züge unterwegs sein könnten.

Der Mann habe daher die Menschen in einem bestimmten Korridor und in eine bestimmte Richtung aussteigen lassen. Nach den Worten des Kreisfeuerwehrinspekteurs Werner Böcking waren zudem weitere Mitglieder von Hilfsorganisationen an Bord und konnten die Evakuierung routiniert begleiten. Die Passagier kamen mit Bussen in ein nahe gelegenes Gemeindehaus. Die Zuggäste sollen zu dem Vorfall befragt werden.

Es gebe für die ICE-Strecke einen Alarm- und Einsatzplan, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Böcking. „Genau nach diesem Plan wurde heute vorgegangen und es hat funktioniert.“ Man könne von Glück sprechen, dass der Brand auf freier Strecke war und nicht in einem Tunnel. Allerdings dürfe ein Zug unter normalen Umständen nicht in einem Tunnel zum Stehen kommen. „Diese Hitzeentwicklung in einem Tunnel, das hätte ganz andere Ausmaße angenommen.“

ICE rollten mit zahlreichen Einschränkungen

Nach dem Brand des ICE war der erste ICE auf der Schnellstrecke zwischen Frankfurt und Köln am Morgen des Samstags, 20. Oktober, gestartet. Danach verkehrten zunächst tagsüber stündlich zwei ICE-Züge pro Richtung - weniger als der Fahrplan eigentlich vorsieht, weil eines der beiden Gleise noch gesperrt war und umfahren werden musste. Wegen der Baustelle verloren die ICE aber Zeit. Um die Verspätung aufzuholen, hielten die Züge nicht in Montabaur und Limburg. Das war keine gute Nachricht für die Pendler aus dem Westerwald, von denen es nicht wenige gibt.

Zum Ausgleich bot die Deutsche Bahn einen ICE-Ersatzverkehr zwischen Frankfurt und Montabaur an. Nach und nach setzte die Bahn weitere Verbesserungen für Fahrgäste zwischen Montabaur und Köln um. Die meisten ICE in Richtung Amsterdam und Brüssel starteten weiter nicht in Frankfurt, sondern erst am Hauptbahnhof in Köln. Nur in den Morgen- und Abendstunden fuhren einzelne Züge direkt aus der Mainmetropole nach Amsterdam und Brüssel.

Nachts blieb die Schnellfahrstrecke voll gesperrt. Dann war die etwa eineinhalb Stunden längere Reise durch das Rheintal angesagt, die zwar grundsätzlich landschaftlich reizvoll ist - wovon die Reisenden in der Dunkelheit aber nicht allzu viel bemerkten. Diese Züge hieltenn in Bonn Hauptbahnhof oder Bonn-Beuel.

Verbindung zuletzt mehrfach gesperrt

Die Verbindung war zuletzt mehrfach wegen Bauarbeiten über Wochenenden gesperrt. Anfang August brannte zudem zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen eine Böschung. Das Feuer breitete sich wegen der Dürre schnell aus und griff sogar auf Häuser über. Insgesamt wurden damals 32 Menschen verletzt, acht Gebäude teils massiv beschädigt. Die Löscharbeiten mit Hunderten Einsatzkräften dauerten Stunden. Erst am Morgen des Folgetages konnte die Strecke zumindest für den Fernverkehr wieder freigegeben werden.

Wegen des aktuellen ICE-Brandes wurde am Freitag die nahe an der Bahntrasse gelegene und vielbefahrene Autobahn 3 zeitweise komplett gesperrt – wegen der Rauchentwicklung und weil die Feuerwehr von dort aus gegen die Flammen vorging. Die Feuerwehrleute setzten reichlich Löschschaum ein. Im Verlauf des Vormittags wurde die Fahrtrichtung Köln auf der A3 wieder freigegeben, später nach und nach auch zwei von drei Fahrstreifen Richtung Frankfurt. (mit dpa/afp/rtr)

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