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Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt Brandschutz der ICE wird zum politischen Thema

9. UpdateDer Verkehrsausschuss des Bundestages diskutiert am Mittwoch über das Unglück. Die Schnellfahrstrecke Frankfurt - Köln könnte länger als diese Woche gesperrt bleiben: Die Schäden an den Gleisen sind erheblich. Ein Video zeigt die aufwendige Bergung. Der Unglückszug wird in Frankfurt und Krefeld untersucht.

ICE Brand
Ein ICE brennt in der Nähe von Montabaur. 500 Fahrgäste müssen in Sicherheit gebracht werden. Foto: dpa

In einem ICE auf dem Weg nach München ist am Freitagmorgen auf der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt ein Feuer ausgebrochen. 510 Reisende verließen in der Nähe von Dierdorf (Kreis Neuwied) bei Montabaur den brennenden Zug nach einem Nothalt. Es gab fünf Leichtverletzte: Beim Aussteigen verletzte sich laut Polizei eine Person am Sprunggelenk, bei vier Reisenden schwächelte der Kreislauf.

Zwei Waggons waren von der Rauchentwicklung betroffen, ein Wagen brannte völlig aus. Ursache war ein technischer Defekt. Das teilten Bundespolizei und Deutsche Bahn am Samstag mit. Wie es genau dazu kam, müssten aber noch weitere Untersuchungen klären. Eine Einwirkung von außen wurde ausgeschlossen.

Am Wochenende transportierte die Bahn den Unglückszug ab - unterstützt vom Technischen Hilfswerk. Die Männer zerkleinerten den ausgebrannten Wagen und warfen die Reste auf einen Hilfszug im Nebengleis. Ein Video dokumentiert den kräftezährenden Einsatz. Die zuständige Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung erläuterte am Montag das weitere Vorgehen: „Der vordere Zugteil wird im ICE-Werk in Frankfurt-Griesheim untersucht, der hintere vom Brand direkt betroffene Zugteil wird nach Krefeld gebracht.“

Längere Fahrzeiten zwischen Frankfurt und Köln

Bahnreisende müssen sich weiter auf Einschränkungen einstellen. Kurz nach dem Unglück sagte die Bahn, die Strecke bleibe bis Ende dieser Woche gesperrt. Sie erwähnte zudem, man versuche, das weniger beschädigte Gleis kurzfristig wieder herzustellen, so dass zumindest ein eingleisiger Betrieb der viel befahrenen Strecke möglich wäre. Davon war zuletzt nicht mehr die Rede. Zudem zeigen Bilder, entstanden nach dem Abtransport, wie massiv die Gleise beschädigt sind. In Diskussionsforen spekulieren Bahninsider inzwischen über mehrmonatige Reparaturzeiten.

Die ICE fahren nun zwischen Frankfurt und Köln entlang des Rheins, was zwar landschaftlich ausgesprochen reizvoll ist - aber etwa eineinhalb Stunden länger dauert als die Fahrt über die Schnellstrecke. Die 180-Kilometer-Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet ist eine der wichtigsten Strecken im gesamten Netz der Bahn. Züge können hier mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde fahren. Die Gleise sind das Bindeglied zwischen Süddeutschland und dem Ruhrgebiet, den Niederlanden und Belgien. Die Sperre bringt daher auch mittelbar Fernlinien durcheinander, die nicht über die Rennstrecke zwischen Frankfurt und Köln führen.

Brandschutz der ICE Thema im Verkehrsausschuss des Bundestags

Am Mittwoch wird sich der Verkehrsausschuss des Bundestags mit dem Thema befassen. Auf Antrag der FDP-Fraktion soll es um den unterschiedlichen Brandschutz in verschiedenen ICE-Baureihen gehen. Insbesondere Fotos des ICE-Wracks und des zerstörten Gleisbetts sorgten für Gesprächsbedarf, erklärte der FDP-Bahnexperte und Bundestagsabgeordnete Christian Jung.

Zuvor hatten die Stuttgarter Nachrichten berichtet, Rauchmelder an kritischen Stellen gebe es nur im neuen ICE 4 und den jüngsten ICE 3 (Velaro). In der vorhandenen Flotte seien die Melder nur stellenweise nach Bränden nachgerüstet worden, bei den vielen älteren ICE 3 der Baureihen 403 und 406 fehlten sie im Fahrgastbereich ganz.

Die Suche nach der Ursache des ICE-Brands

Der Südwestrundfunk berichtete, der verhängnisvolle Defekt sei an einem Trafo aufgetreten. Die Bundespolizei sagte dagegen, Details seien noch unklar. „Das kann der Trafo gewesen sein, das kann auch etwas anderes gewesen sein“, so ein Sprecher. Fest steht, einer der beiden Transformatoren des zweiteiligen Zuges war in jenem Wagen eingebaut, der ausbrannte - und die Traformatoren werden mit großen Mengen an Öl gekühlt. Die Bundespolizei kündigte Untersuchungen einzelner Teile im Labor an. Die Ermittlungen könnten mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der Zug war nach Schmorgeruch am Tag vor dem Brand in einem Werk technisch untersucht worden. „Dabei wurde eine Klimaanlage aufgrund einer defekten Steuerung ausgeschaltet“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Sie betonte aber: „Diese Reparatur in einem anderen Wagen des Zuges steht in keinem Zusammenhang mit der Brandursache.“

Bundespolizist organisierte die Rettung der Reisenden

Nach Angaben der Bundespolizei hatte am Freitag ein im ICE 511 reisender Bundespolizist gegen 6.30 Uhr die Rauchentwicklung bemerkt, leitete einen Nothalt ein und startete gemeinsam mit dem Zugpersonal die Räumung auf freier Strecke. Die Schwierigkeit zu dem Zeitpunkt sei unter anderem gewesen, dass der Zug noch an der Stromleitung hing. Der Bundespolizist habe um diese Gefahr gewusst und auch im Blick gehabt, dass in der Gegenrichtung noch Züge unterwegs sein könnten.

Der Mann habe daher die Menschen in einem bestimmten Korridor und in eine bestimmte Richtung aussteigen lassen. Nach den Worten des Kreisfeuerwehrinspekteurs Werner Böcking waren zudem weitere Mitglieder von Hilfsorganisationen an Bord und konnten die Evakuierung routiniert begleiten. Die Passagier kamen mit Bussen in ein nahe gelegenes Gemeindehaus. Die Zuggäste sollen zu dem Vorfall befragt werden.

Es gebe für die ICE-Strecke einen Alarm- und Einsatzplan, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Böcking. „Genau nach diesem Plan wurde heute vorgegangen und es hat funktioniert.“ Man könne von Glück sprechen, dass der Brand auf freier Strecke war und nicht in einem Tunnel. Allerdings dürfe ein Zug unter normalen Umständen nicht in einem Tunnel zum Stehen kommen. „Diese Hitzeentwicklung in einem Tunnel, das hätte ganz andere Ausmaße angenommen.“

Verbindung zuletzt mehrfach gesperrt

Die Verbindung war zuletzt mehrfach wegen Bauarbeiten über Wochenenden gesperrt. Anfang August brannte zudem zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen eine Böschung. Das Feuer breitete sich wegen der Dürre schnell aus und griff sogar auf Häuser über. Insgesamt wurden damals 32 Menschen verletzt, acht Gebäude teils massiv beschädigt. Die Löscharbeiten mit Hunderten Einsatzkräften dauerten Stunden. Erst am Morgen des Folgetages konnte die Strecke zumindest für den Fernverkehr wieder freigegeben werden.

Wegen des aktuellen ICE-Brandes wurde am Freitag die nahe an der Bahntrasse gelegene und vielbefahrene Autobahn 3 zeitweise komplett gesperrt – wegen der Rauchentwicklung und weil die Feuerwehr von dort aus gegen die Flammen vorging. Die Feuerwehrleute setzten reichlich Löschschaum ein. Im Verlauf des Vormittags wurde die Fahrtrichtung Köln auf der A3 wieder freigegeben, später nach und nach auch zwei von drei Fahrstreifen Richtung Frankfurt. (mit dpa/afp/rtr)

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