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Sanierungsstau in Hessen Brücken vor dem Kollaps

Nicht nur die Schiersteiner Brücke ist marode. Der Bund und das Land Hessen stellen nun mehr Geld bereit, um den Sanierungsstau anzugehen. Doch es fehlt an Spezialisten.

Noch liegt es am Ufer: das fehlende Stück der Schiersteiner Brücke. Foto: Renate Hoyer

Die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden ist das Paradebeispiel. Als sie 1962 eröffnet wurde, verkehrten dort weniger als 10 000 Fahrzeuge am Tag. Inzwischen sind es achtmal so viele, die außerdem viel schwerer sind. Die Achslasten der Lastwagen wuchsen von 24 auf 60 Tonnen. Kein Wunder, dass die Brücke seit Jahren bröselt und nur noch mit Tempolimit befahren werden darf. Die Behinderungen werden wegen Problemen beim Neubau voraussichtlich noch ein halbes Jahr länger den Alltag vieler Pendler erschweren.

Auch die Kaiserleibrücke hielt der Belastung nicht mehr Stand. Vor zehn Jahren stand die Konstruktion über den Main zwischen Frankfurt und Offenbach kurz vor dem Kollaps. Lastwagen durften maximal 60 Stundenkilometer fahren, die Bauarbeiten zogen sich über Jahre hin.

Dauerbaustelle Brücken: Rund 80 werden derzeit saniert, 50 weitere sind so hinüber, dass sie durch einen Neubau ersetzt werden, informiert Martin Heiserholt, Sprecher von Hessen Mobil, auf Anfrage. Die Landesbehörde ist zuständig für die Planung der Landesstraßen und übernimmt im Auftrag des Bundes auch die von Bundesstraßen und Autobahnen.

„Viele Brücken sind in die Jahre gekommen und sind für die heutige und die zukünftige Verkehrsbelastung nicht ausgelegt“, sagt Heiserholt. Sie zeigten „vermehrt Ermüdungserscheinungen und Schäden, die eine Sanierung oder sogar Erneuerung notwendig machen“. Die Sicherheit sei aber stets gewährleistet. „Die Bauwerke werden regelmäßig überprüft und bewertet.“

Besonders schlimm ist Heiserholt zufolge die Situation auf den Autobahnen. Rund 275 „Teilbauwerke“ seien sanierungsbedürftig oder müssen neu gebaut werden. Rund 30 Brücken seien derart vergammelt, dass „aus Sicherheitsgründen verkehrliche Kompensationsmaßnahmen“ notwendig waren. Gemeint sind damit Geschwindigkeitsbeschränkungen, Lastwagenüberholverbote, Sperrungen von Fahrstreifen oder Grenzen für das zulässige Gesamtgewicht. „Hauptgrund für das Sanierungsbedürfnis ist die gestiegene zugelassene Achsenlast der Lastwagen sowie die Zunahme des Lastwagenaufkommens“, sagt der Behördensprecher. Eine Einschätzung, die Wolfgang Herda vom ADAC Hessen teilt. Die meisten Brücken stammten aus den 60er und 70er Jahren. „Damals gab es noch nicht so viele Lastwagen und die waren auch nicht so schwer.“

Im Vergleich zu einem Auto belaste ein vollbeladener Brummi die Fahrbahn 160 000 Mal so viel, sagt der Verkehrstechniker. Außerdem sei die Qualität der Bauweise nicht vergleichbar mit der heutigen. Jahrzehntelang habe die Politik die Autobahnen vernachlässigt, urteilt Herda. In den vergangenen drei bis vier Jahren habe Hessen die Mittel für den Straßenbau dann wieder schrittweise erhöht. Nun sei zwar Geld da, aber es fehle an Planern und Baufirmen. „Das muss jetzt erst wieder sukzessiv aufgebaut werden.“

Weniger optimistisch stimmen den ADAC-Mann die Aussichten für die kommunalen Brücken, das heißt jene, die in Besitz der Städte oder Landkreise sind. „Hier besteht ein hoher Sanierungsstau.“ Angesichts der Finanznot vieler Kommunen sieht er wenig Aussicht auf Besserung; besonders wenn das 2019 auslaufende Gemeindefinanzierungsgesetz nicht fortgesetzt würde. Ohne Mittel von Land und Bund seien die notwendigen Arbeiten nicht zu bezahlen, die Kosten viel zu hoch: „Brücken sind gemeinsam mit Tunneln das teuerste“, sagt Herda.

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