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S-Bahn-Verkehr „Nichts von diesem Mist wurde angekündigt“

Die Bahn informiert unzureichend über den Baustellen-Fahrplan für die S6, kritisieren Fahrgäste. „Wir müssen besser werden“, gibt ein Sprecher zu.

Haltestelle Frankfurter Berg
An der Haltestelle Frankfurter Berg steht schon seit Wochen das Bauschild. Foto: Christoph Boeckheler

Im November war Sylvia S. noch zu gewohnten Zeit einfach zum Bahnhof marschiert. Diesmal schaute die Karbenerin am Wochenende erst ins Internet. Was ihr dort als Verbindung nach Frankfurt empfohlen wurde, nennt sie „eine Ungeheuerlichkeit“. Drei verschiedene S-Bahnen hätte sie nehmen müssen, plus einen Schnellbus, um zum Südbahnhof zu kommen. Noch abenteuerlicher der Vorschlag für den Rückweg: Per Regionalzug nach Friedberg, dort 21 Minuten warten und dann in die S6 nach Karben. Dafür hätte Sylvia S. Zuschlag bezahlen müssen und wäre statt 40 Minuten in der S6 mehr als eine Stunde unterwegs gewesen.

Am meisten ärgert sie sich aber darüber, dass die Deutsche Bahn (DB) – wie bereits im November – nicht vorab über die Änderungen informiert hatte. „Nichts von diesem Mist wurde den Jahreskartenbesitzern irgendwie angekündigt“, schimpft die Karbenerin. „Ich bin also gezwungen, am Wochenende das Auto zu nehmen.“ Und das, befürchtet sie, ist erst der Anfang. „Das wird ja wohl jetzt jahrelang so weitergehen.“ Denn der vierspurige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Frankfurt-West und Friedberg hat ja gerade erst begonnen.

Plan im Mini-Format in Vitrine

Auf der Strecke galt am Wochenende ein Baustellenfahrplan, bestätigt ein Bahn-Sprecher. Der hing zwar im Mini-Format in den Vitrinen an den Bahnhöfen aus. Aber das reiche selbstverständlich nicht. „Wir müssen besser werden“, gibt er unumwunden zu. Über geplante Änderungen müsste schon Tage zuvor auf den Schriftbändern an den Bahnsteigen hingewiesen werden. Das sei versäumt worden – vielleicht auch wegen der Urlaubszeit. Aber das dürfe nicht wieder passieren: „Wir haben die Möglichkeit, die müssen wir nutzen.“

Die muss die Bahn auch deshalb nutzen, weil das mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) so vereinbart ist. „Die DB hat die Fahrgäste im Voraus und während der Dauer der Betriebsstörung über die Art und Ursache der Störung, ihre voraussichtliche Dauer und Auswirkung sowie insbesondere über alternative Bedienungen zu informieren“, sagt RMV-Sprecher Sven Hirschler und zitiert weiter aus dem Vertrag: „Dies kann beispielsweise über Handzettel, Aushänge und Ansagen in den Fahrzeugen und an den Stationen sowie gegebenenfalls auch über abgestimmte Pressearbeit geschehen.“ Leider klappe das nicht immer wie erwünscht. „Das sind große Bretter, die wir da bohren müssen.“

Ein kleiner Trost sind die neuen RMV-Ticketautomaten, die seit gestern aufgestellt werden. Sie informieren auch über Fahrplanänderungen. Laut dem Bahn-Sprecher sind die nächsten Baustellenfahrpläne auf der S6 erst für Ostern geplant. Im Übrigen empfehlen er wie sein RMV-Kollege Fahrgästen, vor Verlassen des Hauses sich online zu informieren: über die App des RMV oder der DB.

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