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S-Bahn in Frankfurt Schöner warten in S-Bahnstationen

Die Deutsche Bahn AG hat die Sperrung der S-Bahn-Tunnel in Frankfurt für eine Schönheitsbehandlung von fünf unterirdischen Stationen genutzt.

Wände und Decken in der S-Bahn-Station Ostendstraße haben Auftragskünstler mit Street Art bemalt. Foto: peter-juelich.com

Draußen sind es 31 Grad, und im Hauptbahnhof knallt die Sonne durchs Dach, sodass es sich anfühlt wie im Gewächshaus. Zum Glück hat die Deutsche Bahn eine Tunnelführung organisiert, durch fünf Bahnhöfe, an denen sie in den letzten sechs Wochen gearbeitet hat. Weil ab Freitag die S-Bahnen wieder fahren – laut Bahnsprecher zum ersten Mal um 4.32 Uhr – ist es die letzte Möglichkeit für einen Tunnelrundgang für sehr lange Zeit. Die nächste Sperrung ist erst wieder in den Sommerferien 2018.

„Geht’s hier hinunter zur U5?“, fragt ein Fahrgast, der wohl nicht weiß, dass diese Linie noch monatelang nicht planmäßig fahren wird. Nein. Durch die stählerne Tür zwischen Sperrholzwänden geht es hinab zu den Bahnsteigen 101/102, Hauptbahnhof tief. Da sieht es ganz anders aus als noch vor anderthalb Monaten, zumindest mit Blick auf den Boden. Der ist jetzt mausgrau und nicht mehr giftgrün wie der auf den Bahnsteigen daneben (103/104). Diese sollten im Sommer 2018 mit neue Platten in Anthrazit ausgestattet werden, sagt Ulrich Kipp, der das Bau- und Anlagenmanagement bei DB Station und Service leitet. Nicht nur die abgelatschten Fliesen will die Bahn erneuern. Auch die Decken sollen dieses Jahr noch abgehängt werden. Hinzu komme eine zusätzliche Beleuchtung.

Bänke gibt es indes noch keine. Auch nicht in der Station Taunusanlage, der nächsten auf dem Rundgang. Warum? „Das liegt an den endlosen Lieferzeiten“, so Kipp. Voraussichtlich würden demnächst die alten wieder angeschraubt.

Der Tunnel führt einen erfrischenden Kilometer lang zur Station Taunusanlage. Es ist kühl und gar nicht so dunkel. Die Bahn hat in den unterirdischen Röhren zweitausend Sicherheitsleuchten einbauen lassen. Das dient der Sicherheit, genau wie andere technische Raffinessen. So bremsen Bahnen automatisch, wenn der Zugführer zu schnell oder über Rot fährt. Außerdem wüssten „Achsenzähler“, also quasi das GPS der Bahner, genau, welcher Zug sich gerade wo befindet, weiß Matthias Körner, der Projektleiter der Tunnelsperrung. „Die Platzverhältnisse sind hier sehr eng, wir müssen gefährliche Zustände verhindern.“

Gefährlich wäre es, das Kamerastativ auszupacken und gegen die Oberleitungen zu schwenken. Die stehen unter Strom. 15 000 Volt. Die Leitungen müssen an sein, denn am Abend schickt die Bahn testweise eine S-Bahn über die Strecke. Damit am Freitag alles reibungslos abläuft.

Abgerieben und abgelaufen waren allerdings die alten Bodenplatten in der Taunusanlage. Die die Bahn nun mit denselben mausgrauen wie im Hauptbahnhof ersetzt hat. Schon seit geraumer Zeit weisen die grünen Handläufe in der luxuriös ausgestatteten Station darauf hin, auf welcher Seite der Ausgang zum Grüngürtel ist. Die blauen zeigen an, wer für den Umbau sehr viel Geld dazugegeben hat.

Apropos Geld: Einmal Boden erneuern kostet in der Taunusanlage eine Million Euro, so schlägt der gesamte Umbau in der Station mit 7,5 Millionen Euro zu Buche, sagt Klaus Vornhusen, der DB-Konzernbevollmächtigte für Hessen. Dazu kommen noch rund 125 Millionen Euro für alles andere. Das elektronische Stellwerk, das die vierzig Jahre alte Relaisstation ersetzt, kostet 90 Millionen Euro. 5,8 Millionen Euro kosten Kabel und Leuchten, die nun an den Tunnelwänden hängen. Schienen schleifen und ersetzen macht weitere 5,3 Millionen Euro. Das Herzstück des Tunnels, die unterirdischen Bahnhöfe, hübscht die Bahn für 23 Millionen Euro auf.

Weil es draußen so heiß ist, nimmt ein klimatisierter Bus den gesamten Tross nun mit zur Station Hauptwache. Dort ist der Boden am S-Bahnsteig nun weißlich, so dass man leichter sieht, was die Tauben dort hinterlassen. Dafür sind die Decken schwarz und die Säulen schwarz-gelb. Gut, dass diese fest im Boden verankert sind, denn einzelne Fliesen haben zuletzt Beine bekommen. „30 Quadratmeter Fliesen fehlen seit Samstag“, sagt Kipp. Bis September würden sie nachbestellt. Hat damit jemand seine Küche erneuert?

Runderneuert ist auch das Innenleben der Ostendstraße, das Fahrgäste kaum wiedererkennen werden. Ein durchgehendes Graffito zieht sich über Wände und Decken. Bewegte Hände trippeln auf farbigen Flächen. Gemalt hat das Werk eine Künstlergruppe um Andreas von Chrzanowski. Vier bis elf Sprayer seien in den letzten Wochen täglich damit beschäftigt gewesen, sagt er. Aus seiner Sicht ist das Projekt wegweisend. „Es braucht unbedingt mehr Street Art in Bahnhöfen.“

Während die Bahn mit dieser Auftragsarbeit zufrieden ist, hat sie die Tags und Graffiti aus dem Lokalbahnhof weitestgehend entfernen lassen. Erstmals seit langem können die Fahrgäste die braun-rot-grau-blauen Wandpaneele wieder erkennen. Die sind nun mit einer Nanoschicht überzogen, damit die Sprühfarbe dort nicht hält und mit Kaltwasser und Schwamm schnell wieder abwaschbar ist.

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