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RMV Debatte über 365-Euro-Ticket

Die OB-Kandidatin der Grünen will Bahnfahren für Menschen, die in Frankfurt wohnen oder arbeiten, deutlich günstiger machen. Der RMV rechnet nach.

ÖPNV
Die Tageskarte kostet derzeit 7,20 Euro in Frankfurt. Ein Euro wäre besser, so die Grünen. Foto: Christoph Boeckheler

Wien hat es vorgemacht, nun könnte Frankfurt folgen. Über das, was es in der österreichischen Hauptstadt seit 2012 gibt, ein Jahresticket für 365 Euro, wird nun auch am Main diskutiert. Mit ihrem Vorschlag für einen bezahlbaren ÖPNV zieht Nargess Eskandari-Grünberg als OB-Kandidatin der Grünen in den Wahlkampf. 2018 will sie Oberbürgermeisterin werden.

Eskandari-Grünberg, die frühere Integrationsdezernentin, will sich dafür einsetzen, dass alle Menschen, die in Frankfurt arbeiten oder wohnen, für einen Euro am Tag Bus und Bahn fahren können. Zum Vergleich: Derzeit kostet eine Einzelfahrt in der Stadt 2,90 Euro, ein Tagesticket 7,20 Euro. Für das Jahresticket im Stadtgebiet berappen die Kunden des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) 856,50 Euro. „In Wien haben sich die verkauften Jahreskarten mehr als verdoppelt“, sagte Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Das 365-Euro-Ticket will er in die laufenden Gespräche mit den Koalitionspartnern CDU und SPD über den Etat einbringen. Er rechnet mit harten Verhandlungen, gibt sich aber überzeugt, dass ein Jahresticket nach Wiener Modell „die Attraktivität des Nahverkehrs steigern“ würde.

Auf den Cent durchgerechnet hat das Vorhaben niemand. Sven Hirschler, der Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), wagt nur eine grobe Schätzung. Von „einem sehr hohen Millionenbetrag“, geht er aus, um das 365-Euro-Ticket zu finanzieren, „schätzungsweise dreistellig“. Vorsorglich warnt er davor, dass dem RMV Einnahmen wegbrechen würden. „Die Stadt Frankfurt müsste die entstehenden Ausfälle ausgleichen.“

„Das ist die Krux“, sagte Eugen Emmerling, der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Es müsse „alles getan werden, damit die Fahrpreise in Frankfurt nicht weiter steigen“, sagte er, und weiter: „Wir können nicht höher gehen.“ Abhilfe schaffe das neue Schülerticket für Schüler, Auszubildende, Freiwilligendienst- und Wehrdienstleistende. Es gilt nach den Sommerferien und kostet 365 Euro. Frankfurt-Pass-Inhaber sollen weniger zahlen. Derzeit sind es 293,90 Euro im Jahr für die subventionierte Clever-Card. Auch sei geplant, ein Seniorenticket einzuführen, so Emmerling.

Martin Daum, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, hob hervor, dass der Nahverkehr in Frankfurt schon „mit einem dreistelligen Millionenbetrag“ subventioniert werde. Während er das Schüler- und Seniorenticket lobte, sagte er zum 365-Euro-Ticket: „In Frankfurt leben viele Menschen, die ein gutes Einkommen haben.“ Sie bräuchten keine von der Stadt subventionierten Fahrscheine.

Sven Hirschler vom RMV rechnete vor, dass der Verbund zuletzt bei einem Aufwand von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 842 Millionen Euro durch den Verkauf von Fahrscheinen erwirtschaftet habe. Das entspricht einem Deckungsgrad von mehr als 50 Prozent. Verkauft würden „mehr als eine halbe Million“ Zeitkarten. Hinzu kämen mehr als 200 000 Jobtickets. Deren Zahl werde demnächst steigen, und zwar um weitere 160 000, wenn neben den Angestellten des Landes Hessen künftig die Landesbeamten Jobtickets nutzen könnten.

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