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RMV Absurditäten im Tarifdschungel

Unterschiedliche Fahrpreise für dieselbe Strecke ärgern RMV-Kunden. RMV-Sprecher Hirschler gibt zu, dass Absurditäten im Tarifdschungel existierten.

Mit der „Smart“-App bezahlt man nach gefahrener Strecke. Foto: peter-juelich.com

Kurt Belz ist in der Freizeit häufig per Zug unterwegs. Er nutze gerne und oft den öffentlichen Nahverkehr, sagt der FR-Leser aus Rosbach im Wetteraukreis. Doch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mit seiner merkwürdigen Tarifgestaltung hat es sich mit ihm gründlich verscherzt. Dabei geht es weniger um die Höhe des Preises: „Das ärgert mich nicht so grundsätzlich“, sagt Belz. Was ihn auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass eine Fahrkarte von Echzell nach Rosbach 2,75 Euro mehr kostet als zwei Fahrkarten für dieselbe Strecke. „Das grenzt schon fast an Betrug“, schimpft er. Er habe sich an den RMV gewandt und ist jetzt tief enttäuscht.

Durch einen Zufall war der Wetterauer auf den großen Unterschied gestoßen. Mit seinen beiden Mitreisenden hatte er sich am Automaten in Echzell Tickets für jeweils 8,25 Euro gezogen. „Da wir noch auf den Zug warteten, probierte meine Frau aus Langeweile verschiedene Fahrpreiskonstellationen aus.“ Dabei habe sie entdeckte, dass die Fahrt von Echzell nach Friedberg drei Euro kostet, die von Friedberg nach Rosbach 2,50 Euro. „Das sind 5,50 Euro pro Person“, rechnet er vor. 2,75 Euro weniger als das durchgehende Ticket. Noch am selben Tag schrieb er dem RMV. „Wir dachten, es wäre ein Systemfehler und baten um Erstattung des Differenzbetrages.“ Die E-Mail-Antwort sei „allerdings ernüchternd“ gewesen.

„Tatsächlich kann für bestimmte Fahrtrelationen der Kauf zweier getrennter Fahrkarten günstiger sein als eine Fahrkarte für die Gesamtstrecke“, schrieb die Frau von der RMV-Kundenkommunikation dem Rosbacher. Selbstverständlich stehe ihm frei, beim Umstieg eine Fahrkarte zu erwerben. Sollte er dann den Anschluss verpassen, könne er aber nicht von den Fahrgastrechten profitieren. „Eine Erstattung kann ich Ihnen leider nicht anbieten.“

Diese Antwort war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Nach unser Meinung ist dies einfach skandalös.“ Belz ist fassungslos und fragt: „Was soll man von diesem Verhalten gegenüber Kunden und Steuerzahlern seitens des hochsubventionierten RMV halten?“

RMV-Sprecher Sven Hirschler gibt zu, dass Absurditäten wie diese im Tarifdschungel existierten: „In diesem System, das über Jahre gewachsen ist, sind Ungerechtigkeiten entstanden.“ Beim Überschreiten der Tarifgrenzen könne es zu großen Preissprüngen kommen. Das immer wieder zitierte Beispiel ist die Strecke Frankfurt–Offenbach. „Das gibt es nicht häufig, doch es kommt vor.“

Echzell und Rosbach liegen zwar beide im Wetteraukreis. Doch auch dort gibt es Abstufungen im Wabensystem. „Das ist kompliziert und führt zu solchen Ergebnissen“, sagt Hirschler. Er empfiehlt dem FR-Leser, sich an dem Modellprojekt RMV-Smart zu beteiligen. Dabei wird der Tarif auf Basis der zurückgelegten Kilometer berechnet. „Herr Belz sollte sich hier registrieren lassen.“

Der hat von RMV-Smart such schon gehört, ist sich aber nicht sicher, ob er das testen will. Auch nach zwei Wochen ist sein Ärger noch nicht verraucht: „Für das Geld“, sagt der Rosbacher, „hätten wir auch ein Taxi nehmen können.“

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