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Radfahrer in Frankfurt Rotfahrer im Visier

Die Polizei in Frankfurt will im Sommer verstärkt gegen Fahrradfahrer vorgehen, die rote Ampeln ignorieren oder andere Verkehrsdelikte begehen.

Radfahrer
„Bitte einmal absteigen“: Die Polizei kontrolliert Radfahrer in der Mainzer Landstraße. Foto: Christoph Boeckheler

Am Mittwochmorgen wird auf der Mainzer Landstraße in Höhe der Westendstraße diskutiert, lamentiert und zumeist abgestritten. Fahrradfahrer, die zuvor den Zimmerweg bei roter Ampel überquert haben, werden von Polizeibeamten aus dem Verkehr gezogen und müssen ihre Personalien angeben. Zur Kasse gebeten werden sie in den kommenden Tagen per Post.

Die Polizei will im Sommer verstärkt gegen Fahrradfahrer vorgehen, die rote Ampeln ignorieren oder andere Verkehrsdelikte begehen. „Dieses Jahr werden wir vermehrt Fahrradkontrollen vornehmen“, bestätigt Isabell Neumann, Pressesprecherin bei der Polizei Frankfurt. „Wie im vorigen Jahr sind Radfahrer, aber auch Fußgänger Schwerpunkt unserer Verkehrskontrollen.“ Und die Kontrollen können für die radelnden Verkehrssünder richtig teuer werden.
So wie für die Fahrer im Westend. „Die Höhe des Bußgeldes beim Überfahren roter Ampeln hängt von der Länge der Rotphase ab“, erklärt Christina Gutenberger, die Leiterin der Verkehrskontrolle. Aber einen Punkt in Flensburg gebe es in jeden Fall.

„Seit vielen Jahren kontrollieren wir auch die schwachen Verkehrsteilnehmer“, erläutert Gutenberger. In den kommenden Monaten werden die Radfahrer bis zu viermal wöchentlich in den Fokus rücken. Wie an diesem Vormittag, an dem zwei Polizisten der Verkehrsdienststelle im Berufsverkehr zwischen 9 und 11 Uhr aus einem Zivilwagen heraus die Radler bei der Ampel am Zimmerweg filmen.

Da Fußgänger und Fahrradfahrer keine Knautschzone haben, sind sie bei Unfällen besonders anfällig für schwerwiegende Verletzungen. Aber Radfahrer seien nicht nur Opfer, sondern auch Täter, wie Isabel Neumann hervorhebt: „Sie nehmen anderen Verkehrsteilnehmern die Vorfahrt, behindern Fußgänger oder benutzen oft den falschen Radweg.“ Wenn sie auf der falschen Fahrbahnseite fahren, komme es zu gefährlichen Situationen mit rechtsabbiegenden Autos. „Deshalb kontrollieren wir jetzt vermehrt an Stellen, an denen es häufiger knallt.“

In der knapp zweistündigen Kontrolle auf der Mainzer Landstraße werden insgesamt 15 Fahrradfahrer erwischt, die bei Rot nicht halten – dieses Vergehen aber oft nicht registriert haben. „Offensichtlich bin ich über die rote Ampel gefahren“, erklärt ein 31-Jähriger aus dem Nordend. „Aber ganz bestimmt nicht bewusst. Ich dachte, es sei eine durchgängige Radspur.“ Andere geben an, über die grüne Fußgängerampel gefahren zu sein. Das aber sei nicht zulässig, sagt Gutenberger: „Wenn man sich auf der Fahrbahn bewegt, muss man sich auch nach den Ampeln der Autos richten.“

Regina Langer hat dagegen Glück. Die Polizisten vermuten zwar, dass sie die Westendstraße bei roter Ampel überquert hat, allerdings haben sie hier nicht gefilmt. Statt eine Strafe zu verhängen, versuchen die Beamten, ihr ins Gewissen zu reden. Langer selbst ist sich nicht sicher, ob das Licht rot oder grün leuchtete: „Ich habe wirklich keine Ahnung“, sagt sie. „Aber die Kontrolle hat natürlich einen guten Hintergrund, und die Polizisten haben vollkommen recht, wenn sie mich auf die Ampel hinweisen.“

Die fehlende Aufmerksamkeit der Fahrradfahrer und die Missachtung von Verkehrsregeln seien die Hauptgründe für Unfälle, ging unlängst aus der hessischen Unfallstatistik hervor. In Frankfurt nahm dabei im vorigen Jahr die Zahl der verletzten Radfahrer zu, während in ganz Hessen die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Fahrradfahrer von 14 auf 19 gestiegen ist.

Aus diesem Grund, kündigt Polizeisprecherin Neumann an, werde die Stadt demnächst auch einen Kontrollmarathon starten.

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