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„Radentscheid“ Frankfurter Fahrrad-Initiative gestartet

Die Initiative „Radentscheid Frankfurt“ sammelt Unterschriften und will die Stadt zwingen, den Fahrradverkehr sicherer zu machen.

Regenwetter in Frankfurt/Main
Radfahren in der Innenstadt - selbst bei Nässe ein Alltagsphänomen. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Ihre Unterschrift setzt Britta Jocham am Mittwoch vor der Alten Oper auf die Liste. Sie ist eine der Ersten, die bei dem Bürgerbegehren mitmacht, das die Initiative „Radentscheid Frankfurt“ initiiert hat. Jocham ist eine von mehr als 150 Unterstützern, die zur Alten Oper gekommen sind, um gemeinsam zum Römer zu radeln, wo die Initiative ihre Unterschriftensammlung offiziell startet.

Das Bürgerbegehren soll in einen Bürgerentscheid münden, um den Magistrat zu zwingen, Frankfurt fahrradfreundlicher zu machen. Sieben Forderungen hat die Radentscheid-Initiative zusammengestellt. Sie werden symbolisch auf einer Tafel mit einem goldenen Fahrrad vor dem Römer angekettet, damit die Politiker sie auf dem Weg in den Römer sehen können.

Die Forderungen drehen sich um mehr sichere und besser ausgebaute Radwege und Kreuzungen, so dass Jung und Alt sich ohne Angst aufs Velo trauen können. Es geht um innerstädtische Fahrradtrassen sowie mehr Abstellmöglichkeiten für Räder.

Die Zahl der Radfahrer in Frankfurt hat sich seit 1988 vervierfacht. In der Innenstadt, am Anlagenring und am Mainufer sind bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit Radler unterwegs. Im inneren Ring um die Stadt, zwischen Mainbrücken und Alleenring, wurden 2016 zuletzt 44 000 Radfahrer binnen acht Stunden gezählt – ein Rekord. Um der Zunahme des Radverkehrs Rechnung zu tragen, hat die Stadt zuletzt vermehrt Abstellplätze geschaffen – 8400 gibt es derzeit, davon 1000 überdacht. An der Südseite des Hauptbahnhofs ist das erste Fahrradparkhaus entstanden, an der Nordseite soll ein zweites folgen. An der Konstablerwache und der Park-and-Ride-Anlage in Kalbach stehen zweigeschossige Fahrradabstellanlagen.

Außerdem sind zahlreiche Einbahnstraßen zum Radfahren entgegen der Fahrtrichtung freigegeben worden. Die Pflicht, den Radweg zu benutzen, wurde vielerorts, wie etwa in der Sophienstraße, aufgehoben.

„Bei jeder Straßenbaumaßnahme wird auch etwas für den Radverkehr getan“, sagt Dan Orbeck, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Die Mittel für den Unterhalt der städtischen Straßen – 11,5 Millionen Euro sind es pro Jahr – kämen somit in Teilen auch dem Radverkehr zugute.

Allerdings setzt die Stadt nicht primär auf baulich getrennte Radwege, wie etwa auf der Bockenheimer und Hanauer Landstraße. Stattdessen werden vielerorts die unterbrochenen Schutzstreifen und die durchgezogenen Radfahrstreifen neben den Fahrspuren für die Autos markiert.

Der Radentscheid Frankfurt strebt hingegen an, dass an Straßen, wo schneller als Tempo 30 gefahren werden darf, wieder vermehrt baulich getrennte Radwege entstehen sollen. Dem schließt sich Britta Jocham an: „Zwei Meter breit, abgetrennt von der Autofahrbahn und andersfarbig gekennzeichnet“, so stelle sie sich einen idealen Radweg vor.

Vor rund zehn Jahren habe sie ihr Auto verkauft, berichtet die dreifache Mutter, die mit ihrer Familie im Nordend lebt. Zwei ihrer Kinder sind an diesem Tag in ihrem Lastenrad mitgefahren. Ob zum Bau- oder Flohmarkt: Mit dem Rad sei das alles kein Problem. „Ich lebe entspannter und schöner ohne Auto und würde mich freuen, wenn das mehr Leute begreifen würden“, sagt die 38-Jährige. Ihren sechsjährigen Sohn alleine mit dem Rad in die Schule zu schicken, kann sich Jocham aktuell dagegen nicht vorstellen. „Zu eng, zu gefährlich“, sei der Schulweg.

„Das Autofahren wollen wir niemandem verbieten“, sagt Norbert Szép von der Radentscheid-Initiative. Er fordert stattdessen eine „gut ausgebaute Radweg-Infrastruktur“, um das Radfahren auch für Pendler, Kinder und Ältere attraktiver zu machen.

Ein Passant, der zufällig vorbeikommt, sagt, viele Radler würden auf den Gehwegen fahren. Das führt Szép auf den „Mischverkehr“ zurück, bei dem es häufig keine klar getrennten Fahrbahnen und Fußgängerwege gebe. Er sei überzeugt, dass viele aktuelle Probleme mit einer besseren Infrastruktur und klar getrenntem Radwegausbau gelöst werden könnten.

Die Radentscheid-Initiative in Frankfurt sei nach Berlin, Bamberg und Darmstadt, bundesweit die dritte, die von der Politik ein Handeln fordere. In Bamberg und Berlin hätten die Aktivisten mit ihrem Anliegen Erfolg gehabt, so Szép.

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