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Radentscheid Frankfurt Frankfurt soll zur Fahrradstadt werden

Der Frankfurter Hausarzt Norbert Szép hat den Radentscheid Frankfurt begründet. Er fordert eine stärkere Fokussierung der Stadt auf den zunehmenden Radverkehr.

Verkehr, Radfahrer und Fussgänger
Radfahrer an der Eschersheimer Landstraße. Foto: Peter Jülich

Im Café Awake am Nibelungenplatz im Frankfurter Nordend liegen Unterschriftenlisten für die Initiative Radentscheid Frankfurt aus. „Die können Sie bei mir in den Briefkasten werfen; wenn der voll ist: Meine Praxis ist an der Friedberger Landstraße, gleich gegenüber“, sagt der Hausarzt Norbert Szép. Er hat den Radentscheid Frankfurt initiiert. Der setzt sich für einen drastischen Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer ein.

Wie kam Szép auf die Idee? „Das Aha-Erlebnis hatte ich in Kopenhagen“, sagt er. Mit der Familie sei er im vergangenen Jahr über die befestigten Radwege in der dänischen Hauptstadt gefahren. Kopenhagen gilt als Vorzeigestadt für den Radverkehr weltweit, mit 30 Prozent Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr - in Frankfurt sind es knapp die Hälfte. „Wir mussten uns beim Radfahren in Kopenhagen nicht auf den Verkehr konzentrieren und sind einfach entspannt im Strom mit den anderen mitgeradelt.“

Zurück in Frankfurt fuhr Szép, der seit mehr als 40 Jahren hier wohnt, mit dem Fahrrad an der Deutschen Nationalbibliothek vorbei. Ein Auto scherte aus, schnitt ihn, er stürzte. „Passiert ist mir nichts. Eine Frau, die mir half, war Kopenhagenerin; sie schimpfte wie ich auf den Autofahrer. In Frankfurt Rad zu fahren sei gruselig, sagte sie.“

Das muss nicht so sein, dachte Szép. Seinen Nachnamen spricht der Mann mit ungarischen Wurzeln Zzeeep aus, mit stimmhaftem S und langem E. Übersetzt heißt das „schön“.

Auf einer Wildwasser-Kajakfahrt in Slowenien hätten er und seine Begleiter sich überlegt, die Förderung des Radverkehrs mit einem Bürgerbegehren zu verbinden.

Einige Unterschriften fehlen noch

Ein Bürgerbegehren ist ein Verfahren nach Paragraf 8b der Hessischen Gemeindeordnung. Drei Prozent der Frankfurter Wahlberechtigten müssen unterschreiben. Dann wird ein Bürgerentscheid ermöglicht. Dabei müssen 15 Prozent der Frankfurter Wahlberechtigen mit Ja stimmen. Dann hat der Entscheid den Rang eines Beschlusses der Stadtverordneten.

„Einige Tausend Unterschriften fehlen uns noch für das Bürgerbegehren“, sagt Szép. Bis zum 26. Juni werde gesammelt, das nächste Mal auf der Fahrradmesse Velo Frankfurt am Wochenende, und an rund 100 Sammelstellen im Stadtgebiet. 20 000 Unterschriften würden benötigt.

Szép gibt sich zuversichtlich: „Das Bürgerbegehren wird durchgehen.“ Bei den Landtagswahlen am 28. Oktober soll über den Bürgerentscheid abgestimmt werden. „Wir wollen dafür werben, auf Plakaten.“ Dafür sammle die Initiative Spenden.

Um zu veranschaulichen, was der Radentscheid vorhat, zeigt Szép auf den Nibelungenplatz, wo sich Friedberger Landstraße und Alleenring kreuzen. „Wäre das eine Kreuzung in Kopenhagen, würde die Ampel für Radfahrer ein paar Sekunden früher auf Grün schalten, damit sie schnell über die Kreuzung kommen. Zum Aufstellen an der Ampel wäre mehr Platz für Radfahrer da. Die Radwege wären befestigt, nicht nur markiert; denn an der Kreuzung hier können Fahrzeuge einfach auf den Radweg fahren.“

Er erinnert an die aktuelle Umfrage „Fahrrad-Monitor“ im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums (2017). Demnach fühlt sich jeder zweite Bundesbürger beim Radfahren nicht sicher; bei den über 60-Jährigen seien es nur vier von zehn, die sich sicher fühlten. „Wir machen den Radentscheid für genau diese Leute“, sagt er, für die Kinder, für ältere Menschen.

„Wir machen das, weil wir Frankfurt lieben.“ Falls der Radentscheid Frankfurt erfolgreich sei, wie zuletzt der Radentscheid Bamberg, habe der Magistrat drei Jahre Zeit, den Radverkehr gründlich auszubauen. „Eine Verzögerung hätte juristische Folgen.“

So weit will es Szép nicht kommen lassen. Er setzt auf Dialog, sprach bei den Fraktionen im Römer vor. „Wir wurden dort sehr gut aufgenommen“, sagt er.

Wenn die Stadt den Radverkehr stärker fördere, würde sich die Lebensqualität erhöhen: „Mehr Grünflächen, wo Menschen sich aufhalten und Kinder spielen können, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger.“

Paradoxerweise würde der Autoverkehr profitieren, wenn eine Fahrspur wegfiele oder Parkplätze. Wenn mehr Menschen Rad fahren würden statt Auto, wären die Straßen nicht so verstopft. „Die Stadt wächst, jedes Jahr kommen 10 000 Menschen hinzu, viele mit dem eigenem Auto. Es ist doch klar, dass es dafür eine Lösung braucht, sonst gibt es irgendwann kein Durchkommen mehr.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Radfahren in Frankfurt und Rhein-Main

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