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Pendler Verkehr steht kurz vor dem Kollaps

Die Beschäftigten in der Rhein-Main-Region sind täglich viel unterwegs. Ziel ist nicht nur Frankfurt, sondern die gesamte Region. Mehr als 90.000 Frankfurter arbeiten nicht in ihrer Heimatstadt.

Berufsverkehr in Frankfurt
Schon morgens gegen sieben Uhr staut sich es sich auf der Friedberger Landstraße in Frankfurt. Foto: dpa

Jahrelang galt Frankfurt als Deutschlands Pendlerhauptstadt. Doch längst hat München der hessischen Bankenmetropole den Rang abgelaufen. Nach der am Wochenende veröffentlichten Auswertung des Bundesinstituts für Bau,-, Stadt- und Raumforschung Bonn steht Frankfurt nur noch auf dem zweiten Platz. Das sind die nackten Zahlen.

Gefühlt steht die Rhein-Main-Region an einem normalen Werktag zur Rushhour regelmäßig vor dem Verkehrskollaps: Pro Tag passieren im Schnitt 350.000 Fahrzeuge das Frankfurter Kreuz, transportiert der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) 2,5 Millionen Menschen, alleine eine halbe Million in den S-Bahnen. Stop-and-go auf den Autobahnen gehören ebenso zum Pendlerdasein wie volle Züge. Da ist eine leichte Entspannung, wie jetzt in den Osterferien, hoch willkommen.

Nicht jeder Pendler verlässt morgens das Haus mit Ziel Frankfurt; im gesamten Umland gibt es große Arbeitgeber. „Es pendeln auch viele Fahrgäste in die Region, was dafür sorgt, dass Stadt und Region immer enger zusammenwachsen“, betont RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Mehr als 90.000 Frankfurter arbeiten nicht an ihrem Heimatort, 72.500 Auswärtige reisen täglich nach Wiesbaden, um dort ihre Brötchen zu verdienen. Eine Herausforderung für alle, die Verantwortung dafür tragen, dass das System nicht ins Stocken gerät.

Für Autobahnen sind das die Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil. Von der Verkehrsleitzentrale aus managen sie den Betrieb, der im Rhein-Main-Gebiet mit täglich weit mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Autobahnkilometer fast doppelt so hoch liegt, wie im Rest der Republik (rund 52.000). Von hier aus steuern sie die sogenannten Streckenbeeinflussungsanlagen, die variablen Hinweisschilder, die zum Beispiel frühzeitig auf einen Stau hinweisen, auf verkehrsbedingte Geschwindigkeitsbeschränkungen oder die temporäre Seitenstreifenfreigaben. Über die aktuelle Lage können sich seit knapp einem Jahr auch Nutzer von PC, Tablets oder Smartphones informieren.

Gespeist wird das Angebot aus den Daten der rund 3000 Induktionsschleifen und 80 Überwachungskameras im Land, die in der Verkehrsleitzentrale zusammenlaufen. Die Idee: Vor dem Aufbruch verschafft sich der Pendler ein Bild von der Situation und entscheidet anhand dessen, ob der öffentliche Nahverkehr womöglich heute die besser Wahl wäre. Oder vielleicht sogar bei schönem Wetter das Rad. Aber was ist die beste Strecke?

Bislang gibt es getrennte Informationsangebote für fast jede Art der Fortbewegung. Das soll sich ändern. „Multimodale Vernetzung“ lautet der Fachbegriff für den neuen Service, an dem der RMV arbeitet. Dazu gebe es intensive Gespräche, auch mit Hessen Mobil, sagt Sprecher Sven Hirschler. Ansätze existierten bereits: Wie das E-Ticket-Rhein-Main, das zugleich Fahrkarte und Schlüssel für Mietautos und -räder ist. Oder die Verbindungsauskunft auf www.rmv.de, die über kombinierte Fahrtmöglichkeiten von Bus und Bahn mit Auto oder Fahrrad ermöglicht – samt Park-&-Ride-Plätzen – informiert.

Mehr als 500.000 Zeitkarten und 200.000 Jobtickets (plus demnach rund 160.000 Landesbedienstete) verzeichnet der RMV. Doch: „Die Infrastruktur ist und bleibt unser limitierender Faktor“, sagt Geschäftsführer Ringat. Speziell bei der Schiene besteht Nachholbedarf. Im Herbst beginnt der vierspurige Ausbau von Frankfurt-West nach Bad Vilbel. Für die Nordmainische S-Bahn Frankfurt–Hanau läuft die Planfeststellung. Die Vorplanung für die Regionaltangente West ist abgeschlossen. Ein Strategiewechsel: Bislang laufen alle S-Bahn-Linien zentriert auf Frankfurt zu, außer der S7 müssen alle durch den Innenstadttunnel.

Am liebsten wäre Ringat eine zusätzliche Röhre. Weil dies alleine aus Kostengründen mittelfristig nicht realisierbar ist, drängt er auf weitere Tangentialverbindungen. „Unsere Antwort auf die wachsenden Pendlerströme kann nur eine Verbesserung unseres Angebotes sein.“ Dazu gehörten auch verbesserte Informationen an Bahnsteigen oder in der App.

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