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Offenbach Neue Wege für den Radverkehr

Die Stadt Offenbach verbessert in kleinen Schritten ihre Fahrradinfrastruktur. Doch unter Aktivistinnen und Aktivisten regt sich trotzdem Protest.

Erneuerung Radweg
Fördermittel des Landes haben es möglich gemacht: 400 umgebaute Meter Mainufer mit getrenntem Rad- und Fußweg. Foto: Monika Müller

Die Zukunft wird wegen Vandalismus ein paar Wochen später für den Verkehr freigegeben, als ursprünglich geplant: Die Grünanlagen rund um die neuen Fußgänger- und Radwege östlich der Carl-Ulrich-Brücke müssen sich nach einer rüden Zerstörungsaktion Mitte Mai erst wieder regenerieren.

Doch wenn die Zäune voraussichtlich Mitte Juni verschwunden sind, gibt es am Offenbacher Mainufer auf etwa 400 Metern Länge eine Fahrrad-Infrastruktur, die sich sehen lassen kann: ein breiter Radweg, gesäumt von zwanzig frisch gepflanzten Bäumchen. Und das Wichtigste: Die Fußgänger haben einen Weg daneben erhalten, sodass sich die beiden Verkehrsteilnehmer – die Nilgänse nicht mit einberechnet – hier künftig nicht mehr in die Quere kommen. Das heißt: Entspannteres Flanieren und schnelleres Radeln.

Das mit Fördermitteln des Landes Hessen finanzierte Projekt, für das Autoparkplätze gewichen sind, ist eine größere unter vielen kleineren Maßnahmen, mit denen die Stadt versucht, ihren Bewohnern das umweltfreundliche und verkehrspolitisch erwünschte Verkehrsmittel Fahrrad schmackhafter zu machen. Denn nur geschätzte zehn Prozent der Offenbacher sind bislang mit dem Rad unterwegs – wenig, wenn man bedenkt, wie klein und flach die Stadt ist.

Geplant ist unter anderem ein Netz aus Fahrradstraßen, das Offenbach durchziehen und mit den Nachbarkommunen verbinden soll sowie bald schon eine Erneuerung des Nordrings vor dem Hafen 2. Auch eine Ladestation für Elektrofahrräder ist dort angedacht. Die Koalition aus CDU. Grünen, FDP und Freien Wählern will zudem eine Machbarkeitsstudie für schnellere Fahrradwege nach Frankfurt und Hanau erstellen lassen.

Trotzdem gibt es aus Kreisen der Offenbacher Fahrradaktivisten Kritik. Janina Albrecht von der Initiative „Stadtbiotop Offenbach“ etwa stört sich daran, dass man in der Stadt meist nur alte Strukturen anpasse und nicht groß genug denke. Ein Beispiel sei die angedachte Geschwindigkeitsbeschränkung in der Marienstraße. Albrecht findet, dass es nicht ausreiche, dort lediglich Tempo-30-Schilder aufzustellen. Um Tempo 30 tatsächlich durchzusetzen, müsse man auch die Verkehrsführung ändern – Stichwort rechts vor links. Und im Idealfall würde die Stadt das auch als Chance nutzen, um die Straße fahrradfreundlicher zu machen – etwa indem sie in der Marienstraße einen Zweirichtungsradweg anlegt, damit man mit dem Rad südlich der Bahntrasse künftig flotter von A nach B gelangt.

Fahrradstreifen  ist Unsicherheitsstreifen

Noch ist unklar, ob Tempo 30 überhaupt kommt. Kritisch sieht Albrecht auch den im Sommer 2017 neu markierten Fahrradstreifen auf der Bismarckstraße: „Das ist eigentlich ein Unsicherheitsstreifen“, sagt sie, weil man zwischen fahrenden und parkenden Autos radeln müsse. Wenn sich die Tür eines parkenden Autos öffne, habe man keine Chance, auszuweichen, ohne in den laufenden Verkehr zu geraten.

Und so rührt sich wie andernorts auch in Offenbach der Radler-Protest. Die Critical Mass etwa – ein monatlich durch die Stadt fahrender Radler-Pulk – hat sich etabliert und feiert am 29. Juni ab 19 Uhr mit einer Jubiläumsfahrt ab dem Isenburger Schloss dreijähriges Bestehen. Kreativ wurden Mitglieder des „Stadtbiotops“ vergangene Woche am Mainufer des Offenbacher Stadtteils Bürgel: Mit bunter Farbe haben sie dort all jene Stellen auf dem Asphalt bemalt, wo etwa Baumwurzeln das Radfahren zur extrem holprigen Angelegenheit machen. Es ist ein stiller, aber sichtbarer Protest.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Radfahren in Frankfurt und Rhein-Main

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