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Öffentlicher Nahverkehr Jede zehnte S-Bahn kommt zu spät

Die Zehn-Minuten-Garantie hat den RMV bereits mehr als 700.000 Euro gekostet. Der Service soll künftig noch einfacher werden.

Anzeigetafel S-Bahn
Bei Verspätungen von zehn Minuten und mehr zahlt der RMV Geld zurück. Foto: Andreas Arnold

Donnerstag macht eine Bahn im Frankfurter Tunnel schlapp, Freitagfrüh gibt das Stellwerk in Frankfurt-West seinen Geist auf. Montag geht die Pannenserie nahtlos weiter: Morgens eine defektes Signal am Stellwerk West, am Abend klemmt an der Konstablerwache eine Wagen-Tür, so dass es zu Verspätungen auf allen Linien kommt. „Die Pünktlichkeit der S-Bahn Rhein-Main lag in der vergangenen Woche bei gerade einmal 90,4 Prozent“, sagt der Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Sven Hirschler, am Dienstag auf Anfrage. Auf das ganze noch junge Jahr bezogen, waren 93,2 Prozent aller Bahnen pünktlich, das heißt sie waren weniger als sechs Minuten zu spät.

Für den RMV seien solche Werte inakzeptabel. Es habe zwar Unfälle und Fahrzeugpannen gegeben. Doch die Deutsche Bahn müsse besser werden, sagt Hirschler: „Wir sind überhaupt nicht damit zufrieden.“ Avisiertes Ziel sei ein Pünktlichkeit von 96 Prozent. Und das müsse die S-Bahn endlich erreichen.

RMV-Service wird fleißig genutzt 

Ein kleiner Trost für die Fahrgäste ist die Zehn-Minuten-Garantie. Seit Juni 2017 können sie verspätete Fahrten reklamieren und bekommen Geld zurück. Bislang ist das Prozedere noch recht umständlich. Für jeden einzelnen Fall muss online ein Formular ausgestellt werden. Ausgezahlt wird in bar durch eine Mobilitätszentrale oder Vertriebsstelle. Nach FR-Informationen überlegt der RMV derzeit, diese Vorgänge zumindest für Stammkunden zu vereinfachen. Die Lösung: Garantiefälle werden gesammelt und das Geld dann überwiesen.

Mehr als 30.000 Fahrgäste haben seit dem Start vor acht Monaten diesen Service genutzt, teilt der RMV mit. Rund 380.000 Anträge seien gestellt, mehr als 700.000 Euro ausgezahlt worden. „81 Prozent unserer Fahrgäste sagen, dass sie mit der Zehn-Minuten-Garantie zufrieden sind“, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat am Dienstag und kündigte einen Ausbau des Angebots an. Lobende Worte findet Wilfried Staub vom Fahrgastverband Pro Bahn: „Wir begrüßen die Vorreiterrolle des RMV in Sachen Fahrgastrechte.“ Laut RMV-Darstellung ist dieses freiwillige Angebot etwas ganz Besonderes. Es sei „deutschlandweit für einen Verkehrsverbund mit vergleichbarer Größe, Verkehrsbelastung und regionaler Vielfältigkeit einmalig“.

Die Anträge müssen online unter www.rmv.de innerhalb von sieben Tagen gestellt werden. Nach der Bearbeitung gibt es das Geld unter Vorlage der Originalfahrkarten und eines Personalausweises zurück. Es empfiehlt sich, Garantiefälle zu sammeln. Die Anträge zeigen auch, wo es bei der Pünktlichkeit besonders hapert: „Die Schwerpunkte der Kundengarantie sind die RE50, S2 und S1“, sagt Sven Hirschler. Das sind die Kinzigtalbahn sowie die Linien von Rödermark nach Wiesbaden und Niedernhausen nach Dietzenbach.
 

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