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Nahverkehr Nächtlicher Discozug nach Offenbach

Der RMV feiert den erfolgreichen Start der zweiten Phase des Nachtverkehrs.

BuBa
Hier spricht BuBa! Foto: RMV

Donnerwetter! Beim RMV versteht man zu feiern. Vor dem roten Teppich, der vom Gleis 24 ins DB-Casino des Hauptbahnhofs führt, steht BuBa, das laubfroschgrüne Maskottchen des RMV. BuBa wurde vom Onlinemagazin Vice mal als „übergewichtiger Sams-Klon in einem hässlichen Trainingsanzug“ beschrieben, aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Man kann gegen BuBa sagen, was man will – er hält immerhin die Klappe. Besucher können sich mit BuBa vor dem Einlass fotografieren lassen, hinter der Tür warten dann die abholbereiten Fotos, Kaltgetränke, Knabberkram und Party pur. Nicht weniger wird hier und heute gefeiert als der „erfolgreiche Start der zweiten Phase des S-Bahn-Nachtverkehrs“.

BuBa ist aber nicht das einzig Grüne, was an diesem Abend den Weg ins DB-Casino gefunden hat. „Ich habe bereits 1992 mehr Verkehr in der Nacht gefordert“, stellt Verkehrsminister Tarek-Al Wazir ebendort in einer flammenden Rede klar. Damals sei er noch Vorsitzender der Grünen Jugend Hessen gewesen, und man ist durchaus geneigt, ihm jedes Wort zu glauben.

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann soll in seiner Jugend ja kein ausgewiesener Tagmensch gewesen sein, mittlerweile sind seine Fantasien aber bürgerlicher geworden. Er träume davon, sagt der OB in Anschluss an die Ministerrede, dass in der nächsten Stufe des Nachtverkehrs auch „die Industriegebiete im Frankfurter Osten – und ich meine damit nicht nur Offenbach“, mit einbezogen werden könnten. „Endlich sind wir auch beim S-Bahn-Verkehr die Stadt, die niemals schläft“, freut sich Feldmann. Endlich!

Die wilde Fete im DB-Casino ist aber nur das Warming-up. Auf Gleis 22B wartet schon ein Sonderzug, der die Feiernden mit an Bord nehmen will. Doch spätestens hier wendet sich der Weise mit Grauen. Denn Verkehrsminister Al-Wazir hat beim Fototermin mit BuBa und Feldmann unvorsichtigerweise bereits das Reiseziel herausgekräht: „Heute, endlich! Der Frankfurter OB fährt nach Offenbach!“ Und Moderatorin Leni Eckstein von Planet Radio hat in den Redepausen verraten, dass einen in der nächsten Stunde „tolle Musik im Discozug“ erwarte, da gibt es leider kein Pardon und kein Entkommen, weil die Bahnen laut RMV-Geschäftsführer Knut Ringat jetzt mit 80 Sachen durch den frisch renovierten Bahntunnel sausen können. Eine Stunde tolle Musik im Sinne des Radiosenders aber hat man sich wie chinesische Tropfenfolter vorzustellen, nur sehr viel lauter.

Unter den Klängen von „When the Saints Go Marchin’ In“, intoniert von einer vierköpfigen Kapelle, setzt sich dennoch der Großteil der Gäste in Bewegung Richtung Discozug. BuBa wackelt mit seinem breiten Hintern etwas taktverzögert hintendrein, und man kann gegen Al-Wazir und Feldmann sagen, was man will: Immerhin wackeln sie nicht.

Man fragt sich nur, ob das Onlinemagazin Vice nicht vielleicht doch ein bisschen recht hatte. Und ob die passendere musikalische Untermalung für diese Prozession nicht doch eher „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ von Christian Anders wäre. „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo, den es noch gestern gar nicht gab“, singt Anders da. Aber das wäre doch ein bisschen unpassend.

„Pokalsiegerbahn“ steht auf dem Sonderzug geschrieben. Und das ist dann ja an diesem Freitagabend zweifellos ein Zug, den es erst morgen nicht mehr gibt. Das ahnt da aber noch niemand und darum geht die Party weiter.

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