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Nahverkehr in Rhein-Main Traffiq-Chef verabschiedet sich

15 Jahre lang führte Hans-Jörg von Berlepsch die Geschäfte der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq - nun geht er in den Ruhestand.

traffiQ-Geschäftsführung
Traffiq-Chef Hans Jörg von Berlepsch geht Ende Juni in den Ruhestand. Foto: Michael Kleinespel/Traffiq

Der Adel spielt in der bürgerlichen Gesellschaft so gut wie keine Rolle mehr. Und wenn es Adlige in der Verwaltung oder Stadtpolitik zu Ansehen bringen, verschweigen sie meist ihre illustre Herkunft. So hatte Hans-Jörg Freiherr von Berlepsch, promovierter Sozialhistoriker, der 15 Jahren lang die Geschäfte der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq führte, und nun in den Ruhestand geht, nie auf seinen Familienstammbaum verwiesen. Das machten seine Mitarbeiter für ihn – bei der Abschiedsfeier im Literaturhaus am Mittwochabend.

Viele Wegbegleiter waren gekommen, aus Mainz, Konstanz, München. Zum Andenken schenkten ihm die langjährigen Mitarbeiter von Traffiq eine Patenschaft für einen Sittich im Opel-Zoo. Denn das Wappen der Familie Berlepsch zieren solche Vögel. Berlepschs Sittich heißt sogar Hans-Jörg. Der Geehrte tat sich schwer mit dem Gedanken, in den Ruhestand zu wechseln. „Ich habe jetzt was Neues vor. Was, weiß ich noch nicht genau, aber es wird bestimmt gut.“

Hans-Jörg von Berlepsch kam 2003 als Traffiq-Geschäftsführer nach Frankfurt. Damals wurde die Nahverkehrsgesellschaft erfunden, um – getrennt von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) – den Verkehr zu planen, Fahrpläne zu erstellen, den Nahverkehr zu finanzieren. Kenner erinnerten an den Streit mit der VGF über die Farbe der Busse – sollten sie rot-weiß sein, wie die S-Bahnen, was Traffiq favorisierte, oder türkis? Die VGF setzte sich durch.

Von Berlepsch war zuvor Stadtverordneter, dann Stadtrat für Verkehr in Mainz, als Politiker der Grünen. Die Mainzelbahn, ein Leihrad-System und ein Fahrradparkhaus habe er angedacht. „Manche guten Ideen brauchen 20 Jahre, bis sie sich durchsetzen“, sagte der frühere Mainzer Oberbürgermeister Günter Beck.

Sein älterer Bruder erzählte eine Anekdote, wie er ihm Lesen und Schreiben beigebracht habe. „Er musste immer meine Strafarbeiten für die Schule schreiben“. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling lobte die Einführung der Direktvergabe von Bussen – die die SPD forcierte hatte – und dass Traffiq es geschafft habe, diese rechtssicher auf den Weg zu bringen. „Sie haben Schaden von der Stadt abgehalten.“ Von Berlepsch, der den Weg der öffentlichen Ausschreibung im Busverkehr jahrelang verfolgt hatte, betonte: „Ich war vom Nutzen des Wettbewerbs im ÖPNV immer überzeugt – und bin es noch heute.“ Er werde seine Arbeit vermissen, sagte er – sogar die „Minenfelder“, durch die Traffiq gegangen sei. Künftig muss Tom Reinhold mit VGF, RMV und Busanbietern verhandeln. Der Traffiq-Chefplaner wurde vom Magistrat zum neuen Geschäftsführer bestimmt.

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