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Nahverkehr in Rhein-Main Pendler brauchen starke Nerven

Die S-Bahnlinie S6 wird vierspurig ausgebaut. Wegen der Bauarbeiten ist bis zum 6. August zwischen Frankfurt und Bad Vilbel nur ein Gleis benutzbar. Es kommt zu Zugausfällen und Verspätungen.

Haltestelle
An der Haltestelle Frankfurt-Berkersheim warten die Züge, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Foto: Renate Hoyer

Es gibt noch eine Steigerung von S-Bahn-Tunnel-Sperrung. Sie heißt vierspuriger Ausbau der S6. Sie dauert zehn Jahre und ist derzeit für Betroffene besonders anstrengend. Bis 6. August ist zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel nur ein Gleis benutzbar. Die S-Bahn fährt lediglich alle halbe Stunde, muss wegen Gegenverkehrs immer wieder warten. Viele Regionalzüge werden über Hanau umgeleitet, Reisende verpassen deshalb ihre Anschlüsse nach Gießen oder Marburg. Das Gros der auf der Main-Weser-Strecke noch verbliebenen Bahnen ist spätestens ab Westbahnhof hoffnungslos überfüllt. Die Klimaanlagen sind überfordert.

„Der Baustellenfahrplan läuft nicht konstant, so dass in Übermaßen Zugausfälle und große Verspätungszeiten entstehen“, kritisiert am Dienstag der Fahrgastverband Pro Bahn. Er schlägt vor, dass die Deutsche Bahn bei der nächsten Großbauphase lediglich S-Bahnen auf der Strecke einsetzt. Dies ermögliche einen konstanten 15-Minuten-Takt statt der aktuellen Fahrzeiten, die nicht kalkulierbar sind.

Die Anregung ist in die Zukunft gedacht. Denn die Beeinträchtigungen sind nicht einmalig und sie werden sich sogar noch steigern. Erst im Dezember 2022 soll das separate S-Bahn-Gleis bis nach Bad Vilbel fertig sein, 2028 auch die Verlängerung nach Friedberg. Bis dahin heißt es für Reisende: Geduld bewahren. Die Behinderungen werden bis hin zu Totalsperrung mit Busersatz reichen. „Ein Termin dafür steht noch nicht fest“, sagt eine Bahnsprecherin auf FR-Anfrage.

Weil derzeit rund 20 Prozent weniger Menschen unterwegs sind, fänden die Bauarbeiten in den Sommerferien statt. Sämtliche Züge seien mit dem Maximum von drei Wageneinheiten eingesetzt. Mit Einschränkungen. „Letzte Woche Mittwoch und Donnerstag haben Wagen gefehlt, weil zu viele Fahrzeuge in der Werkstatt waren.“ Die Koordination sei komplex. „Um den Betrieb auf einer Baustelle dieser Größenordnung und bei der hohen Verkehrsdichte auf dem verbleibenden Gleis aufrechtzuerhalten, muss leider auch immer wieder ungeplant eingegriffen und disponiert werden.“ Die Bahn sei bemüht, Fahrgäste über Beeinträchtigungen und Störungen so schnell wie möglich zu informieren. „Das gelingt leider nicht immer, was wir sehr bedauern“, räumt die Sprecherin ein. Man sei bemüht „besser und zuverlässiger zu werden“.

Laut Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ist das S-Bahn-Angebot zwischen Frankfurt und Karben halbiert. Sechs Züge pro Stunde könnten auf der einspurigen Strecke verkehren. Die Regional- und S-Bahnen seien mit maximaler Länge bestellt. Dennoch gebe es Beschwerden. „Vornehmlich weisen Fahrgäste auf die Unannehmlichkeiten aufgrund verlängerter Fahrzeiten und hoher Auslastung des Fahrtenangebots in der Hauptverkehrszeit hin“, sagt RMV-Sprecher Maximilian Meyer. Rund acht von zehn Zügen erreichten laut Baufahrplan ihr Fahrziel pünktlich, das heißt mit einer Verspätung von weniger als sechs Minuten. „Damit werden unsere Pünktlichkeitsziele leider nicht erreicht.“ Die Ursachen würden überprüft und, sofern erforderlich, der Fahrplan für künftige Bauphasen angepasst.

Unterdes geht unter den S6-Pendlern das Gerücht um, dass die Bauarbeiten stocken. Tatsächlich sieht der Reisende wenig Aktivitäten an der Strecke, wenn er aus dem Fenster schaut. Das sei Quatsch, versichert die Bahnsprecherin: „Alles läuft nach Plan.“ Derzeit seien die Erdbauarbeiten in Vorbereitung. „Sie sollen noch in dieser Woche starten.“

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