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Nahverkehr Das Schülerticket kommt

Familien sollen von Mobilitätskosten entlastet werden: Für umgerechnet einen Euro am Tag sollen Schüler ab 2017 den öffentlichen Nahverkehr in Hessen nutzen können.

In der Frankfurter S-Bahn ist immer viel los. Künftig können Schüler für umgerechnet einen Euro pro Tag mit ihr fahren. Foto: Andreas Arnold

Einen Tag Bahnfahren für nur einen Euro. Das könnte für Schüler ab dem kommenden Schuljahr Wirklichkeit werden.

Das Land Hessen und die drei Verkehrsverbünde RMV, NVV und VRN haben sich auf die Einführung eines Schülertickets ab Herbst 2017 verständigt. Der Fahrschein soll hessenweit gelten und 365 Euro im Jahr kosten.

Das Land Hessen stellt dazu pro Jahr rund 20 Millionen Euro zusätzlich bereit. „Wir entlasten die Familien bei den Mobilitätskosten“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). „Die Wege zur Schule, zu Freunden, zum Sportverein oder zur Musikstunde enden heute nicht mehr an Kreisgrenzen.“

„Dass das Land sich jetzt auch mit eigenen Mitteln an der Finanzierung des Schülertickets beteiligen will, halten wir für richtig und konsequent“, sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender des RMV ist. Er strebe auch die Einführung eines Seniorentickets an.

Feldmann betonte, dass die Clevercard in Frankfurt ein Vorbild für das hessenweite Schülerticket gewesen sei. Sie kostet in Frankfurter derzeit 410,40 Euro pro Jahr. Für Inhaber des Frankfurt-Passes sind es 288 Euro. Die Clevercard gilt für Schüler und Azubis, die in Frankfurt wohnen und in der Stadt zur Schule gehen oder ihre Ausbildung machen. Im Jahr 2011 hat die Stadt den Preis der Clevercard durch die Überweisung eigener Beiträge an den RMV gesenkt. Von 499 auf 399 Euro. Die Nachfrage nach den subventioniertem Tickets stieg daraufhin von 6000 auf 12 000 an.

Im Jahr 2013 kam die nächste Preissenkung um 50 Euro. Wieder kauften mehr Schüler und Azubis die Jahreskarten. „Die Preissenkung“ habe „für mehr Nachfrage“ gesorgt, sagte Al-Wazir. Auch die CDU-Fraktion im Landtag, mit denen die Grünen koalieren, lobte das Schülerticket. Die Übergänge zu Verkehrsverbünden in angrenzenden Bundesländern seien noch zu klären, sagte Landrat Stefan Reuß aus dem Werra-Meißner-Kreis. „Nur mit einem gut funktionierenden ÖPNV kann die Region weiter wachsen“, sagte Matthias Gräßle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern. „Geld alleine macht noch keine Verkehrswende“, meinte hingegen Uwe Frankenberger, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag. Die Menschen erwarteten, dass die Landesregierung die Herausforderungen der Mobilität im ländlichen Raum und in den Ballungsräumen löse.

Die Linke im Römer vertrat die Ansicht, dass Kosten von 365 Euro pro Jahr für Familien, die auf Leistungen aus Hartz IV angewiesen sind, nicht zu finanzieren seien. „Nur ein kostenloses Ticket bedeutet Chancengleichheit für alle Schüler und Auszubildenden“, so Astrid Buchheim von den Linken-Fraktion.

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