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Nach ICE-Brand auf der Schnellfahrstrecke Erster Zug startet nach Brand auf ICE-Schnellstrecke

12. UpdateEine Woche nach dem Feuer im ICE 511 rollen über die Strecke Frankfurt - Köln seit Samstag wieder Schnellzüge. Aber längst nicht alle. Und sie halten nicht überall wie üblich. Nachts bleibt die Trasse wegen Reparaturarbeiten komplett dicht.

Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt
Die Deutsche Bahn schickt wieder ICE auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt. Hier ein Archivbild aus Neustadt (Wied) nahe der Autobahn A3. Foto: Bernd Von Jutrczenka (dpa)

Nach dem Brand eines ICE  vor gut einer Woche hat die Deutsche Bahn den Zugverkehr auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt wieder  aufgenommen. Der erste Zug startete am Samstag, 20. Oktober, um 4.22 Uhr von Köln in Richtung München.

Nach Angaben der Deutschen Bahn verkehren seit Samstag tagsüber stündlich zwei ICE-Züge pro Richtung. Es gibt allerdings Einschränkungen, weil eines der beiden Gleise so sehr beschädigt ist, dass sich die Reparaturarbeiten noch hinziehen werden.  

In Köln und am Frankfurter Flughafen starten die Züge zu den bekannten Zeiten. Wegen der eingleisigen Verkehrsführung an der Baustelle verlieren die ICE aber Zeit. Um die Verspätung aufzuholen, halten die Züge nicht in Montabaur und Limburg, wie es der normale Fahrplan vorsieht. Keine gute Nachricht für die Pendler aus dem Westerwald, von denen es nicht wenige gibt.

Zum Ausgleich behält die Deutsche Bahn den nach dem Unglück eingerichteten ICE-Ersatzverkehr zwischen Frankfurt und Montabaur bei, allerdings zu teils anderen Abfahrtszeiten. Von Montag bis Freitag rollt in jede Richtung ein ICE pro Stunde, am Wochenende gilt ein Zweistunden-Takt.

In Siegburg/Bonn halten immerhin einige Züge. Die meisten ICE in Richtung Amsterdam und Brüssel starten weiter nicht in Frankfurt, sondern erst am Hauptbahnhof in Köln. Nur in den Morgen- und Abendstunden fahren einzelne Züge direkt aus der Mainmetropole nach Amsterdam und Brüssel.

Nachts bleibt die Schnellfahrstrecke voll gesperrt. Dann ist weiter die etwa eineinhalb Stunden längere Reise durch das Rheintal angesagt, die zwar grundsätzlich landschaftlich reizvoll ist - wovon die Reisenden in der Dunkelheit aber nicht allzu viel bemerken werden. Diese Züge halten in Bonn Hauptbahnhof oder Bonn-Beuel.

Um die Verbindungen und Einschränkungen vollständig in allen Informationssystemen zu hinterlegen, benötigt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben noch einige Tage Zeit. Sie geht davon aus, dass erst am Freitag, 26. Oktober, alle digitalen Auskünfte auf dem aktuellen Stand sind.

Dauer der kompletten Reparatur der Trasse Frankfurt-Köln offen

Wenig konkret äußert sich die Bahn zur Frage, bis wann das stark beschädigte Gleis wieder verfügbar ist, auf dem der brennende ICE 511 stand. Ein Video der Frankfurter Rundschau, entstanden aus einem der ersten wieder verkehrenden ICE, und Bilder im Internet zeigen, wie massiv die Schienen beschädigt sind. In Diskussionsforen spekulierten Bahninsider zwischenzeitlich über mehrmonatige Reparaturzeiten. Die Untersuchungen zum Zustand der stark betroffenen Infrastruktur gingen weiter, an Sanierungskonzepten werde gearbeitet, schreibt die Bahn. „Hierzu werden auch die Auswertungen und Analysen der externen Sachverständigen abzuwarten sein. Mitarbeiter und Fachleute stehen für die kurzfristige Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen bereit. Notwendige Materialien und Baufahrzeuge sind geordert.“

Die 180-Kilometer-Trasse zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet ist eine der wichtigsten Strecken im gesamten Netz der Bahn. Züge können hier mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde fahren. Die Gleise sind das Bindeglied zwischen Süddeutschland und dem Ruhrgebiet, den Niederlanden und Belgien. Die Einschränkungen durch die Bauarbeiten bringen daher auch mittelbar Linien durcheinander, die nicht über die Rennstrecke zwischen Frankfurt und Köln führen.

Der Brand in ICE 511 bei Montabaur vom Freitag

Ursache der Schäden am Gleis war ein Feuer, ausgebrochen in einem ICE auf dem Weg nach München am Freitag, 12. Oktober. 510 Reisende hatten in der Nähe von Dierdorf (Kreis Neuwied) bei Montabaur den brennenden Zug nach einem Nothalt verlassen. Es gab fünf Leichtverletzte: Beim Aussteigen verletzte sich laut Polizei eine Person am Sprunggelenk, bei vier Reisenden schwächelte der Kreislauf.

Zwei Waggons waren von der Rauchentwicklung betroffen, ein Wagen brannte völlig aus. Ursache war ein technischer Defekt, teilten Bundespolizei und Deutsche Bahn tags darauf mit. Was genau passierte, müssten weitere Untersuchungen klären. Eine Einwirkung von außen wurde ausgeschlossen.

Am folgenden Wochenende transportierte die Bahn den Unglückszug ab - unterstützt vom Technischen Hilfswerk. Die Männer zerkleinerten den ausgebrannten Wagen und warfen die Reste auf einen Hilfszug im Nebengleis. Ein Video dokumentiert den kräftezährenden Einsatz. Die zuständige Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung erläuterte das weitere Vorgehen: „Der vordere Zugteil wird im ICE-Werk in Frankfurt-Griesheim untersucht, der hintere vom Brand direkt betroffene Zugteil wird nach Krefeld gebracht.“

Brandschutz der ICE Thema im Verkehrsausschuss des Bundestags

Am Mittwoch befasste sich der Verkehrsausschuss des Bundestags mit dem Thema. Auf Antrag der FDP-Fraktion ging es um den unterschiedlichen Brandschutz in verschiedenen ICE-Baureihen. Insbesondere Fotos des ICE-Wracks und des zerstörten Gleisbetts sorgten für Gesprächsbedarf, erklärte der FDP-Bahnexperte und Bundestagsabgeordnete Christian Jung.

Zuvor hatten die Stuttgarter Nachrichten berichtet, Rauchmelder an kritischen Stellen gebe es nur im neuen ICE 4 und den jüngsten ICE 3 (Velaro). In der vorhandenen Flotte seien die Melder nur stellenweise nach Bränden nachgerüstet worden, bei den vielen älteren ICE 3 der Baureihen 403 und 406 fehlten sie im Fahrgastbereich ganz.

Die Suche nach der Ursache des ICE-Brands

Der Südwestrundfunk berichtete, der verhängnisvolle Defekt sei an einem Trafo aufgetreten. Die Bundespolizei sagte dagegen, Details seien noch unklar. „Das kann der Trafo gewesen sein, das kann auch etwas anderes gewesen sein“, so ein Sprecher. Fest steht, einer der beiden Transformatoren des zweiteiligen Zuges war in jenem Wagen eingebaut, der ausbrannte - und die Trafos werden mit großen Mengen an Öl gekühlt. Die Bundespolizei kündigte Untersuchungen einzelner Teile im Labor an. Die Ermittlungen könnten mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der Zug war nach Schmorgeruch am Tag vor dem Brand in einem Werk technisch untersucht worden. „Dabei wurde eine Klimaanlage aufgrund einer defekten Steuerung ausgeschaltet“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Sie betonte aber: „Diese Reparatur in einem anderen Wagen des Zuges steht in keinem Zusammenhang mit der Brandursache.“

Bundespolizist organisierte die Rettung der Reisenden

Nach Angaben der Bundespolizei hatte am Freitag ein im ICE 511 reisender Bundespolizist gegen 6.30 Uhr die Rauchentwicklung bemerkt, leitete einen Nothalt ein und startete gemeinsam mit dem Zugpersonal die Räumung auf freier Strecke. Die Schwierigkeit zu dem Zeitpunkt sei unter anderem gewesen, dass der Zug noch an der Stromleitung hing. Der Bundespolizist habe um diese Gefahr gewusst und auch im Blick gehabt, dass in der Gegenrichtung noch Züge unterwegs sein könnten.

Der Mann habe daher die Menschen in einem bestimmten Korridor und in eine bestimmte Richtung aussteigen lassen. Nach den Worten des Kreisfeuerwehrinspekteurs Werner Böcking waren zudem weitere Mitglieder von Hilfsorganisationen an Bord und konnten die Evakuierung routiniert begleiten. Die Passagier kamen mit Bussen in ein nahe gelegenes Gemeindehaus. Die Zuggäste sollen zu dem Vorfall befragt werden.

Es gebe für die ICE-Strecke einen Alarm- und Einsatzplan, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Böcking. „Genau nach diesem Plan wurde heute vorgegangen und es hat funktioniert.“ Man könne von Glück sprechen, dass der Brand auf freier Strecke war und nicht in einem Tunnel. Allerdings dürfe ein Zug unter normalen Umständen nicht in einem Tunnel zum Stehen kommen. „Diese Hitzeentwicklung in einem Tunnel, das hätte ganz andere Ausmaße angenommen.“

Verbindung zuletzt mehrfach gesperrt

Die Verbindung war zuletzt mehrfach wegen Bauarbeiten über Wochenenden gesperrt. Anfang August brannte zudem zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen eine Böschung. Das Feuer breitete sich wegen der Dürre schnell aus und griff sogar auf Häuser über. Insgesamt wurden damals 32 Menschen verletzt, acht Gebäude teils massiv beschädigt. Die Löscharbeiten mit Hunderten Einsatzkräften dauerten Stunden. Erst am Morgen des Folgetages konnte die Strecke zumindest für den Fernverkehr wieder freigegeben werden.

Wegen des aktuellen ICE-Brandes wurde am Freitag die nahe an der Bahntrasse gelegene und vielbefahrene Autobahn 3 zeitweise komplett gesperrt – wegen der Rauchentwicklung und weil die Feuerwehr von dort aus gegen die Flammen vorging. Die Feuerwehrleute setzten reichlich Löschschaum ein. Im Verlauf des Vormittags wurde die Fahrtrichtung Köln auf der A3 wieder freigegeben, später nach und nach auch zwei von drei Fahrstreifen Richtung Frankfurt. (mit dpa/afp/rtr)

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