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Mainz Hauptbahnhof Zugausfälle Ebling: "Bahnvorstand hat Schiene locker"

In Mainz liegen nicht nur bei Oberbürgermeister Ebling die Nerven blank. Die Bahn hängt den Hauptbahnhof länger vom Fernverkehr ab als zunächst versprochen - auch in der nächsten Woche. Und das ist womöglich noch nicht alles.

Zu manchen Tageszeiten ist derzeit wenig los vor und im Mainzer Hauptbahnhof. Foto: dpa

Beschäftigte seien krank und in Urlaub - so erklärte die Deutsche Bahn, warum der Mainzer Hauptbahnhof seit Anfang August abends und nachts von Fernzügen nahezu abgekoppelt ist. Nur einige Schlafwagenzüge und wenige IC-Züge halten. Nach einer Woche kämen Stellwerker aus dem Urlaub zurück, und alles werde gut.

Wird es nicht. Die Zugausfälle wegen des Personalmangels werden wahrscheinlich noch länger dauern. "Ich gehe davon aus, dass es auch in der nächsten Woche zu Einschränkungen kommen wird", räumt nun der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Jürgen Konz, ein. Die bittere Wahrheit kommt also scheibchenweise ans Licht.

Und möglicherweise ist die letzte Scheibe noch nicht abgeschnitten. Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz-Süd teilt unter Berufung auf die Bahntochter DB Netz mit, die Einschränkungen dauerten sogar bis 30. August. Der Bahn-Konzernbevollmächtigte widerspricht nicht grundsätzlich in seiner Stellungnahme: Wie weitgehend die Einschränkungen sein werden, stehe noch nicht fest.

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) reagierte einigermaßen entsetzt: "Wenn das zutrifft, dann ist beim Bahnvorstand offensichtlich eine Schiene locker. Das wäre ja so, als ob eine große Telefongesellschaft die Leitungen nach Mainz kappt, weil zwei Techniker krank geworden sind."

Ebling will nach eigenen Angaben heute erneut versuchen, vom Unternehmen Deutsche Bahn eine Erklärung zu erhalten "und im Interesse des Verkehrsknotenpunktes Landeshauptstadt Mainz, tausender Bahnkunden und des Unternehmens selbst auf eine umgehende Lösung drängen". Gegen die Zugausfälle regt sich seit Tagen Protest in der Landeshauptstadt.

Die Bahnpolizei prüft zudem, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Personalmangel im Stellwerk und einem Beinahe-Zugunglück im Mainzer Hauptbahnhof. Vor einigen Tagen war eine S-Bahn auf ein falsches Gleis geraten. Nur Notbremsungen konnten verhindern, dass der Zug mit der Bahn aus der Gegenrichtung zusammenstieß.

Der Mainzer Hauptbahnhof ist ein Knotenpunkt in Rheinland-Pfalz am Rande des Rhein-Main-Gebiets und ICE- sowie IC-Haltepunkt. Normalerweise halten dort täglich 104 Fernzüge und 311 Nahverkehrszüge. Rund 60.000 Reisende und Besucher zählt die Bahn pro Tag. Der Bahnhof hat fünf Bahnsteige. Der Mainzer Baumeister Philipp Berdellé plante das Empfangsgebäude im italienischen Renaissancestil mit barocken und klassischen Elementen. Der Bau wurde 1884 eröffnet und mehrfach umgebaut, zuletzt vor einigen Jahren.

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