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IC-Linie Marburg-Gießen-Frankfurt-Darmstadt Am ICE dranbleiben

Grundsätzliche Erwägungen helfen nicht, wenn am Ende der Verkehr nicht rollt. RMV und Deutsche Bahn sollten die neuen ICE-Verbindungen für Pendler attraktiv machen. Ein Kommentar von Michael Bayer.

Main-Weser-Bahn
Auf der Main-Weser-Bahn, insbesondere zwischen Friedberg und Frankfurt wie hier in Bad Vilbel, reiht sich schon heute Zug an Zug. Foto: Michael Schick

Dass die Deutsche Bahn die jahrzehntealten Intercity-Züge zwischen Kassel, Frankfurt und Bensheim aufs Abstellgleis ziehen und mit ICEs ersetzen will, ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Denn damit wird der Zugverkehr auf dieser für Hessen wichtigen Strecke zuverlässiger und bequemer. Allerdings nur für Reisende, die am Ende tatsächlich mit dem ICE fahren.

Denn ausgemacht ist das angesichts unterm Strich deutlich höherer Fahrpreise nicht. Spätestens im Frühjahr, wenn die Übergangszeit ausläuft, wird zu sehen sein, wie viele Pendler sich für den schicken ICE und wie viele sich für den günstigen Regionalverkehr entscheiden.

Vollere RMV-Züge könnten zu einem ernsthaften Problem werden. Denn Regionalexpresse und S-Bahnen sind im Berufsverkehr zwischen Gießen, Friedberg und Frankfurt schon jetzt ziemlich ausgelastet. Zwar kündigt der Verkehrsverbund an, er werde nach der Fahrplanumstellung prüfen, „ob punktuelle Angebotsausweitungen erforderlich und möglich“ sind.

Doch die dürften schwierig werden. Schon jetzt sind in den Hauptzeiten alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz, wie der Verbund selbst einräumt. Zusätzliche Wagen anzuhängen, findet ein Limit in der Länge der Bahnsteige. Und selbst wenn es gelänge, weitere Züge zu besorgen: Ob für sie noch Platz wäre auf den extrem ausgelasteten Gleisen, ist offen.

Dann bliebe am Ende doch nur die Möglichkeit, den ICE für Pendler attraktiv zu machen. Aktuell sperrt sich der RMV gegen Absprachen mit der Bahn, etwa über ein ICE-Aufschlagsticket als Ergänzung zu den eigenen Monatskarten. Er führt grundsätzliche Bedenken an. Doch was nutzen Grundsätze der Verkehrsfinanzierung, wenn der Verkehr am Ende nicht funktioniert?

Dann gilt es, kreative Lösungen zu finden. Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss der Universität Marburg – beim Thema Semesterticket seit jeher bundesweit vorne – hat mit der Deutschen Bahn ausgehandelt, dass die Studentinnen und Studenten in ICE fahren dürften. Warum sollte so etwas nicht auch für die vielen Pendler gelingen?

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