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Hessische Landesbahn Lokführer verzweifelt gesucht

Der Hessischen Landesbahn fehlen Lokführer. Busse müssen in der Wetterau deshalb womöglich noch länger HLB-Bahnen ersetzen. Der Arbeitsmarkt für Lokführer ist leergefegt.

Verkehr in Hessen
Eigentümer der HLB ist das Land Hessen. Foto: Michael Schick

Ob es der Hessischen Landesbahn (HLB) gelingen wird, nach dem Fahrplanwechsel am 8. Dezember auf ihren Wetterauer Bahnlinien wieder durchgehend Züge fahren zu lassen, ist fraglich. Das Unternehmen selbst gibt sich optimistisch: „Zum Fahrplanwechsel gehen wir bisher davon aus, wieder reguläre Fahrten anbieten zu können“, sagte eine HLB-Sprecherin. Die Zahlen geben jedoch Anlass, skeptisch zu sein. Zurzeit fehlen laut der Sprecherin am Standort Butzbach, von wo aus die Bahnlinien RB16, RB47/48 und RB46 bedient werden, acht Triebfahrzeugführer. Alle acht seien aufgrund von „fremdverschuldeten Unfällen“ krankgeschrieben, vier „langfristig“. 

Allerdings, so die Sprecherin, würden am 1. Dezember in Butzbach zwei Triebwagenführer neu beginnen. Außerdem sei der Winterfahrplan grundsätzlich etwas ausgedünnt. Sicher, dass dies reichen wird, um die Verbindungen wieder regulär zu bedienen, ist die HLB aber nicht: „Sollte ein regulärer Fahrplan dennoch nicht möglich sein, werden wir rechtzeitig entsprechende Maßnahmen einleiten“, äußerte die Sprecherin. Die bevorstehende kalte Jahreszeit und die dann steigende Zahl von Krankmeldungen könnte ein Übriges tun. 

Am Montag hatte die HLB mitgeteilt, dass vom kommenden Montag an für acht Wochen einzelne Fahrten der Linien FB16 Friedberg bis Friedrichsdorf, RB47/48 Friedberg bis Wölfersheim/Nidda und RB46 Gießen bis Gelnhausen von Bussen übernommen würden. Dafür will sie ihre Tochtergesellschaft HLB Hessenbus einsetzen. „Sollte das nicht ausreichen, kaufen wir Fremddienstleister ein“, so die HLB-Sprecherin. Zu dem temporären Ersatzverkehr habe man sich gezwungen gesehen, weil seit Anfang September wegen kurzfristigen Personalmangels etwa 60 Verbindungen gestrichen werden mussten und man diese nicht immer mit Bussen habe ersetzen können. 

Das Unternehmen erbringt die Verkehrsleistungen auf den Strecken im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Zusammen bilden die vier Linien das „Teilnetz Wetterau West-Ost“. Der Vertrag zwischen HLB und RMV läuft bis Dezember 2022.  

Mahnende Worte kommen vom Wetterauer Landrat Jan Weckler (CDU): „Wenn schon Fahrten auf der Schiene ausfallen und ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet wird, dann muss dieser auch verlässlich sein.“ 

Für die Landesbahn ist der Umstieg auf die Busse mit Einbußen verbunden. „Erbringt ein Verkehrsunternehmen nicht die vereinbarte Leistung, wird diese vonseiten des RMV auch nicht bezahlt“, erklärte eine RMV-Sprecherin. Die HLB erhalte für die Ersatzfahrten einen Grundbetrag, müsse jedoch im Vergleich zu den Zugfahrten eine erhebliche Kürzung pro Fahrt in Kauf nehmen. Der Sprecherin zufolge hat der RMV dem Ersatzverkehr nicht nur bis 8. Dezember, sondern bis zum Jahresende zugestimmt. 

Dass Lokführer fehlten, sei indes kein Problem, das nur die HLB betreffe, betont die RMV-Sprecherin. „In Deutschland ist der Arbeitsmarkt für Lokführer leergefegt.“ Der Fahrgastverband Pro Bahn in Hessen fordert, der Gesetzgeber müsse dafür sorgen, dass das Personal im ÖPNV „leistungsbezogen bei angemessenen Arbeitsbedingungen entlohnt“ werde und seinem wichtigen Auftrag entsprechende Sozialleistungen zur Verfügung stünden. 

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