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Frankfurt S-Bahn wird zum Partyzug

Bei der ersten Nachtfahrt zum Fahrplanwechsel sorgt eine Band für Stimmung. Der RMV spricht vom „Start in die Zukunft“.

Frankfurt
Dass die S-Bahn am Wochenende auch nachts durchfahren soll, sei immerhin eine Annäherung an eine Weltstadt Frankfurt. Foto: Christoph Schmidt (dpa)

Fritz Deiter ist vorsichtig, trotz aller Euphorie. Dass die S-Bahn am Wochenende auch nachts durchfahren soll, sei immerhin eine Annäherung an eine Weltstadt Frankfurt, „eine Annäherung, nicht mehr“, betont er und muss lachen. Gemeinsam mit seiner Begleitung wurde er eingeladen, dem historischen Moment beizuwohnen, wenn Frankfurt den Schritt wagt in Richtung Zukunft, manifestiert mit dem „Partyzug“, der die erste offizielle Nachtfahrt beim Fahrplanwechsel zum 10. Dezember symbolisieren soll.

Von Frankfurt aus geht es durch die Dunkelheit über Höchst einmal nach Mainz und wieder zurück. Wer immer schon einmal Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nebst Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf der Tanzfläche sehen wollte, dem offenbart sich diese Möglichkeit im „Discozug“, wie ihn die Moderatorin nennt.

Während Feldmann sich allerdings fest an seine Unterlagen klammert, wippt Al-Wazir, ganz der Volksnahe, mit zu AC/DC „Highway to Hell“, den die Liveband spielt, als habe die lustig leichte Kaffeefahrt etwas gemein mit dem Lied.

„Wir starten heute Abend in die Zukunft“, gibt sich Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsbunds (RMV), wenig zurückhaltend. Wie Feldmann und Al-Wazir betont Ringat, dass in dieser Nacht zusammenwachse, was zusammengehöre. Al-Wazir erzählt derweil, dass er bereits 1992 mit Eintritt in die Grüne Jugend die Forderung erhoben habe, Züge im RMV-Gebiet nachts fahren zu lassen. Und Feldmann fügt an, wie er damals mit der Jugendarbeit an Wochenenden nachts Leute nach Hause gefahren habe. „Generationen von Menschen haben sich Nachtbusse- und -bahnen gewünscht – vor 30 Jahren hätten wir nicht zu träumen gewagt, dass es so etwas mal geben würde“, sagt Feldmann.

Wunsch nach mehr Fahrten

Dass die Bahnen zunächst stündlich am Wochenende fahren, könne allerdings nur der Anfang sein. Bis zur Fertigstellung des S-Bahn-Tunnels würden die S-Bahn-Linien nachts am Hauptbahnhof und Südbahnhof enden. Die U-Bahn-Linien 4 und 8 würden die Verbindung zum Nachtbusknoten herstellen, erklärt Ringat.

Zu Beginn ist nicht ganz klar, wer langsamer Fahrt aufnimmt: der Zug oder die viel umworbene Party. Die obligatorischen Spötteleien gegen die bahneigene Zeitrechnung bleiben jedenfalls nicht aus. In verschiedene Farben getaucht, bahnt sich die S-Bahn verspätet ihren Weg in das neue Zeitalter.

Während DJ Six allmählich die Liveband ablöst, servieren junge Damen allerlei Getränke. Der Cocktail „Swimming-Pool“ beispielsweise wird in einer kleinen verschlossenen Tüte samt Trinkhalm serviert, die man sich an einer Schnur um den Hals hängen kann.

Thomas Busch, verantwortlicher Planer beim RMV, erklärt, dass die Züge auch verknüpft würden. An den Start- und Endhaltestellen würden die Busse so getaktet, dass ein nahtloser Übergang möglich sei.

Im Lauf der Nacht entspinnt sich eine Party, in der Damian und Laticia ein wenig abseits sitzen. Über ein Gewinnspiel hätten sie Tickets gewonnen, sagen die beiden Studenten.

Frankfurt, so meinen sie, habe eine Vorreiterrolle. Denn in vielen internationalen Großstädten rollten nachts überhaupt keine Züge. „Schön wäre es nur, wenn künftig an mehr Wochentagen nachts die Bahn fährt“, sagt Damian.

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