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Frankfurt/Offenbach Baubeginn nach ?17 Jahren Kampf?

Eines der größten Straßenbauprojekte Hessens ist gestartet: Der Umbau des Kaiserleikreisels hat begonnen. Autofahrer müssen während der Bauzeit mit Staus rechnen.

20.02.2017 20:08
Agnes Schönberger
Seit gestern wird gebaggert im Kaiserlei. Foto: Michael Schick

Mit dem symbolischen Spatenstich hat gestern der 37 Millionen Euro teure Umbau des Kaiserleikreisels begonnen, der bis Ende 2019 abgeschlossen sein soll. An seiner Stelle entstehen vier ampelgesteuerte Kreuzungen, die, obwohl sie weniger Fläche beanspruchen als das Rondell, deutlich leistungsfähiger sein sollen. Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium bezeichnete den Kaiserleikreisel als „eines der größten Nadelöhre in Deutschland“ mit besonders hohem Unfallaufkommen. Durch die Umgestaltung werde eine wichtige Drehscheibe für den Verkehr optimiert und sicherer gemacht. „Von dieser Investition profitiert die gesamte Region“, sagte er. Bomba verschwieg aber auch nicht, dass auf die Autofahrer „harte Jahre zukommen“. Sie müssten mit Behinderungen und Staus rechnen.

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nannte den Umbau „dringend notwendig“, um die 1965 geschaffene Verkehrssituation an die veränderten Verkehrsströme anzupassen. Mit seiner Größe, der Zweispurigkeit und den vielen Auf- und Abfahrten sei der Kreisel den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Mit 66 000 Fahrzeugen am Tag ist er längst an seine Maximalbelastung gestoßen.

Für 2020 werden 79 000 Autos erwartet. Um das wachsende Verkehrsaufkommen zu bewältigen, werden der Autobahnverkehr und der regionale Nahverkehr künftig voneinander getrennt.

Die vierspurige Strahlenbergerstraße wird mit den Anschlüssen an die A661 direkt verbunden. Dafür werden neue Rampen als Brückenbauwerke auf Pfeilern errichtet. Die Berliner Straße wächst mit der Kaiserleipromenade unter der Autobahn hindurch zusammen. Mit dem Umbau verbessert sich auch die Situation für Radfahrer.

Sie würden aus der bisherigen Unterführung „ans Licht geholt“, und auch für Fußgänger würde die Verbindung durch eigene Wege sicherer, sagte Al-Wazir. Der gebürtige Offenbacher freute sich auch aus ganz persönlichen Gründen, dass der Kreisel verschwindet. „Es gibt kaum jemanden in meiner Familie, der hier nicht schon einen Unfall hatte.“

Der Kaiserlei-Umbau ist für Offenbach nach dem Bau der S-Bahn das zweitgrößte Infrastrukturprojekt, das die Stadt nach eigenen Angaben je gestemmt hat. Der Spatenstich gilt auch als Startschuss für die weitere städtebauliche Entwicklung des umliegenden Gewerbegebiets, das sich zu zwei Dritteln auf Offenbacher Gemarkung befindet. Mittel- und langfristig gewinnt die Stadt neue Flächen zur Ansiedlung von Unternehmen. Insgesamt 15 Hektar will die Kommune am Kaiserlei entwickeln. 1,8 Hektar entfallen davon auf die heute ungenutzte Kreisel-Innenfläche. Mit der verlängerten Kaiserleipromenade können auch dort noch Grundstücke erschlossen werden.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) nannte die beginnenden Bauarbeiten einen wichtigen Impuls für die Neupositionierung des Gebiets als hochwertigen Gewerbestandort in erstklassiger Lage. „Das kann ein neuer Kern der prosperierenden Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main werden.“

Schneider erinnerte an „17 Jahre Kampf“ seit dem Planfeststellungsbeschluss im Jahr 2000. Damals sei der Umbau als eine rein kommunale Aufgabe Offenbachs eingestuft worden. Aus eigener Kraft hätte die hoch verschuldete Kommune das Projekt aber nie finanzieren können. Es habe intensiver Lobbyarbeit bedurft, um Bund und Land zu überzeugen, dass der Umbau auch im Interesse der Region sei.

Eine Verbündete fand der Offenbacher in der früheren Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), die dem Baubeginn gestern ebenso beiwohnte wie die Frankfurter Verkehrs- und Planungsdezernenten Klaus Oesterling und Mike Josef (beide SPD), die Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne), der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Wichtel und die Landtagsabgeordneten Heike Habermann (SPD) und Jörg-Uwe Hahn (FDP).

Von den Gesamtkosten übernimmt das Land 15,6 Millionen Euro, der Bund 8,9 Millionen und Frankfurt, teilweise durch den Kauf von Grundstücken auf Offenbacher Gemarkung, 8,8 Millionen Euro. Offenbach muss nur 1,2 Millionen Euro aufbringen. Die Straßenbeiträge summieren sich auf 2,9 Millionen Euro.

 

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