Lade Inhalte...

Frankfurt-Nied Bahn saniert Verkehrs-Denkmal

Der Umbau der Steinbogenbrücke im Frankfurter Stadtteil Nied beginnt im Juli 2017. Während der Bauarbeiten ist die Bahnstrecke für sechs Wochen gesperrt.

Die Brücke in Nied ist die älteste Eisenbahn-Steinbogenbrücke in Deutschland, die noch in Betrieb ist – seit 1839. Foto: Christoph Boeckheler

Ein bisschen aufgeregt ist sie schon. Jessica Esper ist seit zwei Jahren Planungsingenieurin bei der Bahn. Nun soll die 27-Jährige die Eisenbahnbrücke in Nied sanieren. 4,8 Millionen Euro investiert das Unternehmen. Es ist Espers erste große Aufgabe. Und keine leichte, im Gegenteil. Das Bauwerk ist nicht nur die älteste Eisenbahn-Steinbogenbrücke in Deutschland, die noch in Betrieb ist – seit 1839. Sie steht auch unter Denkmalschutz und im Naturschutzgebiet.

„Das ist schon besonders“, sagt Esper, „etwas in der Art haben wir nicht oft.“ Normalerweise saniert die Bahn „unter rollender Schiene“. Entweder wird Gleis für Gleis abgearbeitet oder eine Ersatzbrücke für die Dauer der Sanierung aufgebaut. Das ist bei den Nieder Steinbögen nicht möglich. Weder kann man sie zur Seite schieben, um in Ruhe zu sanieren, während die Züge über ein Provisorium rollen. Noch können die Arbeiter Gleis für Gleis vorgehen. Das erlaubt die Statik nicht.

Deswegen muss Esper die Strecke für sechs Wochen sperren lassen. Komplett. Vor allem Regionalzüge Richtung Limburg und Wiesbaden fahren dort. Eine Steuerungsgruppe arbeitet derzeit an Plänen für Umleitungen der Fahrgastströme, vielleicht wird es auch Ersatzbusse geben. Jessica Esper hat bereits am 1. Juli 2014 mit den Planungen begonnen. Alleine die Sperrpause muss sie zwei Jahre vor Baubeginn anmelden.

Zwei Abschnitte hat sie für das Projekt vorgesehen. Ab Juli 2017 erneuern Fachkräfte sechs Wochen lang den Oberbau der Brücke. Also alles, was über dem gerundeten Gesims liegt. Der Randweg aus Stahl kommt weg, auch der Betonbalken. Experten müssen die Verankerungen im Mauerwerk abschneiden und dann ausbohren. Den Aufbau, also Gleisbett und Schienen lässt Esper erneuern. Die Brücke ist 52 Meter lang und überspannt die Nidda mit drei Bögen. Gleisbett und Schienen muss Esper aber auf 350 Metern erneuern. Der neue Brückenaufbau soll moderne Richtlinien einhalten und wird 30-40 Zentimeter höher als der alte. Das muss die Ingenieurin auf 350 Metern ausgleichen.

Die Alternative wäre, die Brücke ein Stück zu schleifen, das hat das Denkmalamt aber nicht erlaubt, weil dann das Gesims entfiele. Den Baustellenverkehr wird Esper über die Oeserstraße leiten. Oft gehe das über die Schiene, in diesem Fall aber nicht, da die Schienen ja abgebaut sind.

Ab August 2017 läuft der zweite Abschnitt an. Etwa ein Jahr lang lässt Esper die Steinbögen sanieren, Bogen für Bogen. Die Graffiti verschwinden, die Betonaufsätze, es wird neu verfugt – und die Standsicherheit für die nächsten Jahrzehnte gewahrt.

Esper lacht. Sie hat zig Treffen hinter sich, mit zig Behörden. „Aber es macht Spaß“ sagt sie. Die 27-Jährige entspringt einer Ingenieursfamilie. „Das Technische hat mir schon immer gelegen“, sagt sie. Studiert hat sie an der TU Darmstadt, da schon nebenher im Projektmanagement der Bahn gejobbt.

Den beliebten und viel genutzten Rad- und Fußweg an der Nidda entlang darf Esper nicht sperren lassen. Das ist bei der Sanierung der Bögen, die über der Nidda prangen auch nicht nötig. Knifflig werden die Arbeiten am Abschnitt, der besagten Weg überspannt. An der Stelle will Esper den Rad- und Fußverkehr über ein Gerüst umleiten, quasi über das Wasser.

Apropos Gerüst. Auch das ist mit allen möglichen Behörden abgestimmt. Immerhin gibt es in der Nidda nicht nur gefährdete Fischarten, auch seltene Muschelarten haben sich angesiedelt. Die sind alle kartografiert, Esper muss sie im Zweifel umziehen – „bevor wir ein Gerüst auf sie drauf stellen“. Auch die Stadtentwässerung warnt, bei Hochwasser könne ein Gerüst Probleme bereiten. Die Naturschutzbehörde untersagt zudem die Verwendung von wassergefährdenden Stoffen auf der Baustelle. „Baufahrzeuge müssen wir anderswo betanken“, sagt Esper. Sie reibt sich die Hände. Es gibt noch viel zu tun.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen