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Frankfurt-Kalbach Gefährlicher Bahnübergang in Kalbach

Vor zwei Jahren starb an der U-Bahnstation Kalbach ein zwölfjähriges Mädchen. Geändert hat sich seitdem nichts an der gefährlichen Verkehrsführung.

Bonames
U-Bahnstation Kalbach: Über die Gleise gibt es eine Fußgängerampel, über die Straße nicht. An der Stelle starb 2016 ein Kind. Foto: Rolf Oeser

Etwas Seltenes geschieht, wo die U-Bahnlinien 2 und 9 den Oberen Kalbacher Weg kreuzen: Es gelingt dort, sämtliche Verkehrsteilnehmer zu nerven und manche zu gefährden – Fußgänger, Radler, Autofahrer und Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs.

Beinahe schon der Normalfall an Werktagen ist eine Hunderte Meter lange Autoschlange, die sich vom geschlossenen Bahnübergang der U-Bahnhaltestelle Kalbach stadtauswärts zieht, unter der Autobahnbrücke der A661 hindurch Richtung Martinszehnten. Viele wenden gleich, wenn sie die Bescherung sehen, denn das kann dauern. Mitunter öffnen sich die Schranken dann, ohne dass eine U-Bahn aufgetaucht ist.

Regelmäßig geschieht aber auch das Gegenteil: Die Schranken sind offen – und die U-Bahn kommt, die dann bremsen und die Autos durchlassen muss. Paradoxe Situation, übrigens auch am anderen Ende des Bahnsteigs häufig erlebt, am Unteren Kalbacher Weg. Ein Zustand, der auch den Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) umtreibt. Vorige Woche schrieb er an den Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) mit der Bitte, alsbald Abhilfe zu schaffen. „Wir machen Druck“, sagte Lange der FR. „Das Dezernat muss da endlich mal die Kuh vom Eis kriegen.“

Es geht beileibe nicht nur um Autostaus. Lange und der Ortsbeirat 10 sind sensibilisiert für diesen Ort, denn 2016 starb dort ein zwölfjähriges Mädchen beim Versuch, den Oberen Kalbacher Weg in Höhe der Schranke zu überqueren. Es wurde von einem startenden Lastwagen erfasst. Obwohl die Straße zu Zeiten des Berufsverkehrs stark befahren ist, gibt es dort keine Fußgängerampel. Wer rüber will, muss gehen, solange die Schranke geschlossen ist. Öffnet sie sich, haben Autos noch einige Sekunden Rotlicht – aber die Erfahrung zeigt, dass mindestens die Hälfte der Kraftfahrer schon anfährt, sobald die Schranke oben ist.

Lange wünscht sich, dass alles neugeplant und technisch modernisiert wird, mitsamt dem fehlenden Fußgängerüberweg. Das Stadtteilparlament hatte das Problem bereits thematisiert, bislang erfolglos. Zuständig ist der Ortsbeirat 10, weil die Station Kalbach auf Bonameser Gebiet liegt.

Stadtrat Oesterling ist bis Ende Juli im Urlaub. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat sich auf FR-Anfrage zur Schranke geäußert: Beide Phänomene – Schranke zu, kein Zug; Schranke offen, Zug muss halten – stellten „keine unsicheren Betriebszustände“ dar, erklärt VGF-Sprecher Bernd Conrads. „Die Übergänge funktionieren in diesen Fällen einwandfrei und sind sicher.“

Die Sache sei so: Normalerweise schalte ein Zuglenkrechner die Signale an den Bahnübergängen. Bei einem Defekt könnten sich die Schranken aber auch ohne nahenden Zug schließen und für 180 Sekunden geschlossen bleiben. Gingen die Schranken anschließend wieder hoch und nähere sich dann ein Zug, blieben sie acht Sekunden geöffnet, ehe sie sich wieder schlössen.

So viel zur Theorie. In der Praxis berichten Bonameser seit Jahren von anderen Erfahrungen, auch Ortsvorsteher Lange ist nicht überzeugt. Er wünscht sich ohnehin eine Umgestaltung des gesamten Bereichs: „Der Charme dort liegt völlig darnieder.“ Statt der Verkehrsinsel vor der Tankstelle solle lieber endlich ein Radweg angelegt werden. Radfahren ist dort nämlich auch kein Spaß.

Zur fehlenden Fußgängerampel über die Straße wollte die VGF vorerst nicht Stellung nehmen.

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