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Frankfurt 21 Frankfurt wusste nichts von Fernbahntunnel-Plänen

Bundesverkehrsminister Scheuer hat ein Projekt vorgestellt, das an „Frankfurt 21“ erinnert. Es ist das größte Verkehrsprojekt seit dem S-Bahn-Tunnelbau. Abgestimmt mit der Stadt ist es nicht.

Frankfurter Skyline
Im Tunnel sollten ICE schneller durch Frankfurt kommen. Foto: Rolf Oeser

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hat den geplanten Fernbahntunnel in Frankfurt begrüßt. „Diese Entscheidung eröffnet die Chance, die Probleme des Eisenbahnknotens Frankfurt langfristig zu lösen. Wir sollten das Projekt jetzt entschlossen vorantreiben“, sagte er.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte bekannt gegeben, dass 5,5 Milliarden Euro in den „Knoten Frankfurt“ investiert werden sollen. Das Projekt wurde in die Top-Kategorie „vordringlicher Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans 2030 eingeordnet. 

Die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit den Neu- beziehungsweise Ausbaustrecken Hanau-Fulda und dem Bau zweier zusätzlicher Gleise zwischen Stadion und der Niederräder Brücke, führte Oesterling aus. Möglich würde eine durchgehende Fernverkehrsstrecke durch das Rhein-Main-Gebiet. Die bestehenden Strecken, einschließlich des Frankfurter Hauptbahnhofes, würden frei von ICE-Zügen. Sie stünden dem Regional- und Nahverkehr zu Verfügung, der wesentlich pünktlicher werden könne. Im Gegensatz zu „Frankfurt 21“ bleibe der oberirdische Hauptbahnhof sowie die Funktion von West- und Südbahnhof für den Regionalverkehr voll erhalten, sagte Oesterling. 

Knut Ringat, der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV, nannte den Fernbahntunnel einen „Riesenschritt für die Entwicklung der Schiene im Rhein-Main-Gebiet“ und „die größte Infrastrukturmaßnahme seit dem Bau des S-Bahn-Netzes“. Angesichts der Forderung des Bundes an die Bahn, bis 2030 die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu verdoppeln, sei der Bau des Tunnels der „einzig richtige Weg“. 

In die Freude über den Geldsegen aus Berlin mischt sich auch eine gewisse Verwunderung. „Die Aufnahme des Fernbahntunnels ist eine große Überraschung“, sagte Wolfgang Siefert (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses – das Gremium bespricht alle wichtigen Verkehrsprojekte in der Stadt. Der Fernbahntunnel sei „weder mit der Stadt abgestimmt, noch ist uns ein Konzept bekannt“, sagte Siefert.

Die Förderung aus Berlin soll verschiedenen Projekten zugutekommen: der nordmainischen S-Bahn, dem Gleisbau am Stadion, bei Zeppelinheim, Kranichstein und Mainaschaff sowie dem Fernbahntunnel von Frankfurt-Niederrad über den Hauptbahnhof nach Offenbach-Kaiserlei. Von einem solchen Fernbahntunnel war seit dem Scheitern von „Frankfurt 21“ im Jahr 2001 nichts mehr zu hören gewesen.

Das DB-Schienenprojekt „Frankfurt 21“ (1996-2001) sah vor, den Hauptbahnhof als Durchgangsbahnhof in die Tiefe zu versetzen. Ein Tunnel für Fern-und Güterzüge sollte in 50 Metern Tiefe von Ost nach West verlaufen. Die Trassen der Linien U4 und U5 am Hauptbahnhof hätten verlegt werden müssen. 

„Der Bund muss seine Überlegungen schnellstens in Frankfurt vorstellen“, forderte Siefert. Geklärt werde müsse, ob der Tunnel umweltverträglich sei, und mit welchen Belastungen die Frankfurter zu rechnen hätten.

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