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Frankfurt 21 Fernbahntunnel wirft Fragen auf

Der Bund will Milliarden für die Schienen in Frankfurt ausgeben. Was jetzt aus dem Verkehrsprojekt „Frankfurt Rhein-Main plus“ wird.

Frankfurter Skyline
Der Knoten Frankfurt ist überlastet - ein Tunnel für ICE könnte die Lösung sein, so der Bund. Foto: Rolf Oeser

In der vergangenen Woche ist etwas Unglaubliches passiert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stellte milliardenschwere Investitionen in den Schienenverkehr vor, darunter einen Fernbahntunnel für Frankfurt - doch in der Stadt war niemand darüber informiert. 

„Uns liegen keine Planungen vor“, sagte ein Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). „Der Fernbahntunnel ist weder mit der Stadt abgestimmt, noch ist uns ein Konzept bekannt“, sagte Wolfgang Siefert (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses.

„Wir müssen an das Bundesverkehrsministerium verweisen“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Das Bundesverkehrsministerium ließ eine Anfrage zum Thema unbeantwortet. Was ist eigentlich bekannt?

In den Presseunterlagen aus dem Bundesverkehrsministerium gibt es unter dem Stichwort „Knoten Frankfurt“ eine Grafik, in die rote Striche eingezeichnet sind – einen für die nordmainische S-Bahn, weitere für Gleisarbeiten unter anderem am Halt Frankfurt-Stadion – und einen, der von der Niederräder Mainbrücke über den Frankfurter Hauptbahnhof zum Kaiserlei nach Offenbach führt. „Fernbahntunnel“ steht über dem roten Strich. 5,5 Milliarden Euro sollen alle Projekte am Knoten Frankfurt kosten. Beim Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) habe das Gutachten den Wert 1,2 ergeben - der Nutzen übersteige die Kosten um 20 Prozent.

Das hessische Verkehrsministerium hatte dann noch weitere Informationen parat. Der Fernbahntunnel zwischen Niederrad, Hauptbahnhof und Kaiserlei soll „ungefähr parallel zum S-Bahn-Tunnel verlaufen“. Fernzüge müssten nicht mehr im oberirdischen Kopfbahnhof wenden. Der Frankfurter Hauptbahnhof bleibe oberirdisch voll erhalten. Die frei werdenden Gleise würden dem Nahverkehr dienen.

Bahn plant Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs

„Gleichwohl ist sehr genau zu prüfen, ob ein solches Projekt in Frankfurt sinnvoll und machbar ist“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und verwies auf laufende Projekte wie die beiden neuen Gleise für die Main-Weser-Bahn / S6 zwischen Westbahnhof und Bad Vilbel; die S-Bahn-Station Gateway Gardens, den ICE-Gleisbau zwischen Hanau und Fulda. All diese Projekte aus dem Programm „Frankfurt Rhein-Main plus“, dem Nachfolgeprogramm von „Frankfurt 21“, sollen nicht gefährdet werden vom Fernbahntunnel. 

Die Bahn plant derweil den Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs. Eine neue Verteilerebene soll Reisende schneller von den S-Bahnen zu den Fernzügen am Kopfbahnsteig bringen, weil die vorhandenen Wege für die 450 000 Menschen, die dort täglich ein- und ausgehen, nicht mehr reichen. Aber wenn Fernzüge bald nicht mehr am Kopfbahnsteig halten, warum sollte die Verteilerebene dorthin führen? Wo sollen sich die Bahnsteige für den unterirdischen ICE-Bahnhof künftig befinden? 

Über die unterirdische Lage des Tunnels, der eine Distanz von etwa neun Kilometern überwinden müsste, ist wenig bekannt. Beim Projekt „Frankfurt 21“, das 2001 beerdigt wurde, gab es einen vergleichbaren Ost-West-Tunnel. Für diesen hätte der U-Bahn-Tunnel für die Linien U4 und U5 am Hauptbahnhof verlegt werden müssen. Auch über die Tunnelbauweise - bergmännisch, als offene Grube oder per Bohrmaschine - kann nur spekuliert werden.

Trotz dieser Unwägbarkeiten begrüßte Stadtrat Oesterling das Vorhaben. Eine reine Fernbahnstrecke habe den Vorteil, dass die bestehenden Strecken für den Regional- und Nahverkehr reserviert wären. Mit einem Baubeginn rechnet er nicht vor 2028. „Es darf nichts über die Köpfe der Frankfurter hinweggeplant werden“, sagte Siefert. „Der Bund muss sein Konzept auf den Tisch legen.“ 

Die IHK Frankfurt stellte sich hinter „Frankfurt Rhein-Main plus“. Ergänzend zur ICE-Strecke Frankfurt–Mannheim, der Regionaltangente West und der nordmainischen S-Bahn könnte ein Fernbahntunnel helfen, die „notwendigen Kapazitäten für den Wirtschaftsverkehr“ zu schaffen, teilte die Industrie- und Handelskammer mit. Die SPD in Frankfurt-Niederrad hofft, dass ein Tunnel für weniger Bahnlärm sorgen könnte.

„Unter Fernbahntunnel kann man sich viel vorstellen. Zur Bewertung braucht man klarere Infos. Da muss das Ministerium mal liefern“, sagte Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn.

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