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Eschersheim Anwohner am Rande des Kollapses

In einer kleinen Wohnstraße im Frankfurter Stadtteil Eschersheim tobt derzeit der Durchgangsverkehr.

Autos
Verkehr in der Landgraf-Philipp-Straße. Das Leiterschild soll Rasern Einhalt gebieten. Foto: Andreas Arnold

Das selbstgebastelte Verkehrsschild drückt die Empörung der Anwohner derzeit wohl am besten aus. Mit einer Leiter, einem Stein und Stoff hat eine Anwohnerin der Landgraf-Philipp-Straße einen freundlichen Hinweis auf Tempo 30 an der Straßenecke Haeberlinstraße installiert. Denn seit knapp zwei Wochen quält sich unerbittlich der Durchgangsverkehr der Eschersheimer Landstraße stadteinwärts durch die kleine Wohnstraße. Die Bürger in der bislang ruhigen Wohngegend im Westen von Eschersheim sind geschockt.

Die Umleitung ist Teil des großen Rückbaus der Eschersheimer Landstraße zur zweispurigen Straße zwischen der Hügelstraße und dem Weißen Stein. Bis Ende 2018 hat das Amt für Straßenbau und Verkehrswesen 15 verschiedene Bauphasen mit unterschiedlichen Streckensperrungen geplant. Weiträumige Umleitungen sind empfohlen, stadteinwärts etwa über die Rosa-Luxemburg-Straße. Doch die scheinen nicht jedem Verkehrsteilnehmer zu passen. Am Donnerstagmorgen jedenfalls ist auf der Umleitungsstrecke weit mehr als nur Anwohnerverkehr unterwegs. Im Konvoi fahren die Autos stadteinwärts und biegen an der Haeberlinstraße rechts ab.

Unfälle hat es bislang wenig gegeben, sagt eine Polizeibeamtin des 12. Reviers, das am Ende der Umleitungsstrecke liegt. Doch brenzlige Situationen gibt es im Minutentakt. Denn wer von der zweigeteilten Vorfahrtsstraße Eschersheimer Landstraße kommt und im Konvoi unterwegs ist, übersieht leicht die Vorfahrt der von rechts kommenden Autofahrer und rechnet in der einspurigen Landgraf-Philipp-Straße nicht mit Gegenverkehr. Und wer im Gegenverkehr unterwegs ist, hat es schwer. Ein Gerüstbauer versucht es mit seinem Pritschenwagen. „Ich rege mich gerade richtig auf“, sagt der junge Mann, während er mit seinem Fahrzeug in einer Parklücke den Gegenverkehr abwartet. Eigentlich war er nur kurz Frühstück holen, doch nun braucht er für die knapp 100 Meter zwischen Schwalbenschwanz und Haeberlinstraße fast zwei Minuten, weil ihm immer wieder Fahrzeuge entgegen kommen.

Verkehrszählung vorgenommen

Anwohnerin Cornelia Kögel, die das Tempo-30-Schild gebastelt hat, ist schon auf die Barrikaden gegangen. Eine Verkehrszählung am vergangenen Samstag, wohlgemerkt ohne Berufsverkehr, habe von 8.30 Uhr bis 20 Uhr „weit über 1000 Pkw’s“ ergeben, hat sie an das Straßenverkehrsamt geschrieben und ihrem Ärger auch darüber hinaus Luft gemacht. „Wir sind zur Rennstrecke geworden, denn sobald der Pulk von der Eschersheimer Landstraße anrollt, ist für einen entgegengesetzt ankommenden Pkw oder Fahrräder kein Platz mehr und es wird rücksichtslos durchgebrettert“, heißt es in dem Schreiben unter anderem.

Einen Teil der Kritik hat sich das Straßenverkehrsamt schon zu Herzen genommen. Der Schwerverkehr soll sich nicht auch noch durch die einspurige Wohnstraße quälen und wird seit vorgestern in die Kurhessenstraße gelotst. Doch da dies ein deutlicher Umweg ist, halten sich viele Lastwagenfahrer nicht daran. Auch am Donnerstagmorgen fuhren im Zeitraum von zehn Minuten zwei Lastwagen durch die Wohnstraße.

Dort, wo der Gerüstbauer auf die Weiterfahrt wartet, klebt ein Zettel an der Hauseingangstür. Der Zettel ist ein Demonstrationsaufruf für heute, den Matthias Ganser angebracht hat. Dazu hat der Rechtsanwalt Flugblätter in der Nachbarschaft verteilt. „Wehrt euch gegen die Umleitung durch die Landgraf-Philipp-Straße“, heißt es dort in großen Lettern. Ganser, der wegen der Lärmbelästigung schon sein Schlafzimmer in einen rückwärtigen Raum verlegt hat, findet die Umleitung nicht nur „völlig absurd“, sondern auch unzulässig. Eine einspurige Wohnstraße dürfe gar nicht für eine Umleitung mit solch einem Verkehrsaufkommen genutzt werden, sagt Ganser. Auf sein Schreiben ans Straßenverkehrsamt habe er bislang nur „ein freundliches Eingangsschreiben“ erhalten.

Das Straßenverkehrsamt hatte offensichtlich nicht mit der Beharrlichkeit der Autofahrer gerechnet. „Wir sind davon ausgegangen, es ginge nur um den gebietsbezogenen Verkehr, keiner fährt doch freiwillig durch ein Wohngebiet“, sagt Dorothee Allekotte. Die Leiterin der Abteilung 3, Verkehrsangelegenheiten, geht davon aus, dass sich der Verkehr „noch einspielt“. Bis Ende Juli soll die Umleitung durch die Landgraf-Philipp-Straße noch bestehen. Doch nicht nur dort sind Anwohner betroffen. Auf der Hügelstraße gibt es im Berufsverkehr noch längere Rückstaus, weil das Abbiegen auf die Eschersheimer nicht mehr möglich ist.

Stadtauswärts gibt es zudem in der Körberstraße mehr Verkehr. Doch die Umleitung über die Reinhardstraße ist für den Durchgangsverkehr offenbar zu weiträumig, um attraktiv zu sein. Zumindest heute wird es auch in der Landgraf-Philipp-Straße für eine Stunde ruhiger sein. Während der Demonstration wird der Verkehr über die Höllbergstraße und die Kurhessenstraße umgeleitet.

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