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Eckenheimer Landstraße Baustelle schadet dem Einzelhandel

Die Arbeiten an den U-Bahn-Stationen Musterschule und Glauburgstraße, die bis Ende August barrierefrei gemacht und mit versetzten Seiten-Bahnsteigen neu angelegt werden sollen, behindern seit dem 29. März nicht nur erheblich den Verkehr, sondern auch das Geschäft im Einzelhandel.

06.05.2016 18:18
Laura Henkel
Freie Fahrt für Fahrradfahrer - immerhin ein positiver Nebeneffekt. Foto: Andreas Arnold

Am Morgen nach Christi Himmelfahrt wirkt die Eckenheimer Landstraße wie ausgestorben. Abgesehen vom Baulärm am südlichen Straßenende hört man nur leises Vogelgezwitscher. Die Szene scheint beinahe idyllisch – wären da nicht die vielen rot-weißen Absperrungen und Zäune, die Schuttberge und Baugruben. Die Arbeiten an den U-Bahn-Stationen Musterschule und Glauburgstraße, die bis Ende August barrierefrei gemacht und mit versetzten Seiten-Bahnsteigen neu angelegt werden sollen, behindern seit dem 29. März nicht nur erheblich den Verkehr, sondern auch das Geschäft im Einzelhandel.

Gerd Heuer aus der „Polsterwerkstätte“ berichtet: „Wir haben seit Baubeginn viel weniger Umsatz. Manchmal kommen an einem ganzen Tag nur drei Kunden. Die Parkmöglichkeiten waren vorher schon begrenzt, aber zurzeit müssen unsere Kunden in Seitenstraßen parken.“

Besonders verärgert ist Johannes-Michael Bissinger von den Ausstellungsräumen „Das schöne Bad“, der schon seit zwei Jahren bestrebt ist, im Gespräch mit dem Straßenverkehrsamt und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) die Vollsperrung der Eckenheimer Landstraße zu verhindern. „Was die Stadt hier macht, bedeutet eine Existenzgefährdung für diverse Geschäfte“, beschwert er sich. Auch Bissinger berichtet gerade von großen Einbußen, als sich ein Kunde in das Gespräch einklinkt, der den Laden betreten hat. „Es ist so schwierig, Sie zu erreichen!“, beschwert er sich. Der Geschäftsinhaber klärt ihn darüber auf, dass man mit dem Wagen bis zum Geschäft vorfahren könne. Eine falsche Beschilderung lasse jedoch unwissende Kunden in dem Irrglauben, die Durchfahrt sei nur bis zur Ecke Adlerflychtstraße frei.

Viel zu wenig bekanntgemacht

Unter anderem deswegen hat Bissinger auch an der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 3 (Nordend) am Donnerstag vergangener Woche teilgenommen. „Bei der Versammlung hat Dorothee Allekotte vom Straßenverkehrsamt versprochen, das so schnell wie möglich in Ordnung zu bringen“, sagt er. „Das ist jetzt fast zehn Tage her und es hat sich nichts getan.“ Bissinger weist darauf hin, dass alle Geschäfte seit Baubeginn frei zugänglich sind. Diese Information sei in der Öffentlichkeit jedoch viel zu wenig bekanntgemacht worden.

Im Gastronomiegewerbe ist die Sorge ebenfalls groß. Sascha Jockovic, Betreiber des Cafés „Milch und Zucker“, blickt an diesem Freitagmittag – wie auch an den vergangenen Tagen – auf viele leere Stühle und Tische. Er klagt: „Die Laufkundschaft bleibt seit ein paar Wochen fast komplett aus. Ausgerechnet im Sommer machen wir am meisten Umsatz, aber dieses Jahr haben wir genau dann die Bauarbeiten vor der Tür.“ Als Mitarbeiter der VGF direkt vor seinem Café einen Berg Bauschutt abgeladen hätten, habe das eine große Staubwolke aufgewirbelt, erzählt der junge Mann. „Meine Gäste haben ihr Essen dann natürlich nicht mehr genießen können.“ Die finanziellen Aussichten des Cafés sind wegen der Baustelle alles andere als rosig. Wie es weitergeht, weiß Sascha Jockovic nicht.

Im benachbarten Schuhsalon von Herrn Aruci ist die Lage ebenfalls nicht vielversprechend. „Wir haben erst kurz vor Baubeginn von der Vollsperrung erfahren. Die VGF kommt uns in keiner Hinsicht entgegen. Nicht mal eine finanzielle Entschädigung gibt es, obwohl wir laufend Ausgaben haben.“ Die U-Bahn brachte nach Aruci bisher pro Jahr bis zu 30 000 Leute in die Eckenheimer Landstraße, die nun wegen der Bauarbeiten fernblieben. Auch die Regelung des Ersatzverkehrs bemängelt der Schuhhändler: „Für Menschen mit Beeinträchtigungen ist der Weg zum Friedberger Platz, wo die Ersatzbusse und U-Bahnen abfahren, viel zu weit. Das wurde nicht ausreichend durchdacht.“

Inzwischen akzeptieren die Einzelhändler die Baustelle, viele sehen auch die Notwendigkeit von barrierefreien Bahnsteigen. Dringende Nachbesserungen müssten jedoch noch vorgenommen werden: eine vollständige Beschilderung ab der Adlerflychtstraße, weitere Parkmöglichkeiten und erleichterte Zugänge zu den Geschäften könnten die Situation für den Einzelhandel entspannen.

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