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Busstreik Hunderte Fahrgäste bekommen Geld zurück

Das Verkehrsunternehmen Darmstadt Heag mobilo geht einen Sonderweg und entschädigt Opfer des Busstreiks. Fahrgäste in anderen Regionen gehen leer aus.

Menschen stehen auf dem Luisenplatz in Darmstadt dicht gedrängt vor einer Straßenbahn. Foto: dpa

Es gibt einen Ort, in dem Fahrgäste wegen des Busstreiks finanziell entschädigt werden: In Darmstadt können sie ihre Wochen- und Monatskarten zurückgeben und bekommen den Anteil für die nicht genutzten Tage erstattet. Rund 500 Kunden haben die Kulanzregelung in Anspruch genommen. Und es werden wohl noch einige mehr. Denn jetzt, wo der Busstreik vorbei ist, können manche das Kundenzentrum am Luisenplatz erst wieder erreichen: „Die Leute stehen dort heute Schlange“, sagte Silke Rautenberg, Pressesprecherin von Heag mobilo, am Montag der Frankfurter Rundschau.

Selbst Jahreskarten können gekündigt werden, sofern sie lediglich für das Heag-Netz gültig sind. Hier lohnt es sich, genau nachzurechnen. Bei einem Jahresticket des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) bekommt der Besitzer bekanntlich zwei Monate geschenkt.

Wer eine Wochen- oder Monatskarte gekauft hatte, für den lohnt sich vermutlich das Angebot: Die Kündigung wird auf den 11. Januar zurückdatiert – den Beginn des Solidaritätsstreiks der Straßenbahnfahrer. Denn das war die Besonderheit in Darmstadt. Dort war der öffentliche Nahverkehr vollständig zum Erliegen gekommen. Zehn Tage rollte absolut nichts mehr – kein Bus und auch keine Tram.

Damit machen die Darmstädter wahr, was der Fahrgastverband Pro Bahn in der vergangenen Woche für das gesamte RMV-Gebiet gefordert hatte: Sie entschädigen jene Fahrgäste, die im Voraus für eine Leistung bezahlt hatten, die sie nicht bekamen. Zwar sieht sich auch Heag mobilo an die gemeinsamen Beförderungsbedingungen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) gebunden.

Demnach handelt es sich bei dem 14-tägigen Streik um einen Fall von „höherer Gewalt“, bei dem kein Anspruch auf Fahrgelderstattung besteht. Doch der RMV bietet darin auch die Möglichkeit, die Wochen- oder Monatskarte vor Ablauf der Gültigkeit zurückzugeben. Der Haken: Auch hier verliert man Preisvorteile und muss eine Bearbeitungsgebühr zahlen.

Auf Letzteres verzichten die Darmstädter. Die Rückerstattung der Südhessen ist eine politische Entscheidung. Die Entschädigung für die Zeit zwischen 11. und 22. Januar zahlt komplett Heag mobilo, ein kommunales Verkehrsunternehmen, an dem die Stadt und der Landkreis Darmstadt-Dieburg beteiligt sind. Der RMV ist außen vor, hat keinen Nachteil. Und das ist der springende Punkt. Sprecher Sven Hirschler begrüßt deshalb den Sonderweg.

Die Darmstädter hätten schließlich besonders stark unter dem Busstreik gelitten: „Wir finden es gut, dass die Heag eine Kulanzregelung im Rahmen unserer Beförderungsbedingungen gefunden hat.“ Der RMV bleibe aber bei der Regelung, dass die Betroffenen des Busstreiks nicht entschädigt werden. Für die Zukunft stellt Hirschler allerdings in Aussicht, dass sich an dieser Praxis etwas ändern könnte – zum Positiven im Sinne des Kunden: „Wir werden die Zeit jetzt nutzen, um über unsere Beförderungsbedingungen nachzudenken.“

Auch die Frankfurter Traffiq will sich an den Darmstädtern kein Beispiel nehmen. „Es gibt keine Erstattung, es gelten die Beförderungsbedingungen“, sagt Pressesprecherin Kirsten Anlauf. Die Auswirkungen des zweiwöchigen Streiks seien in Frankfurt längst nicht so gravierend gewesen wie in Darmstadt: „Bei uns fuhren S-Bahnen, U-Bahnen und S-Bahnen.“

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