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Busfahrerstreik „Ihr Penner“

Im Internet nehmen die Pöbeleien gegen die streikenden Busfahrer und Verdi zu. Deren Sprecherin zeigt sich fassungslos.

Vielerorts in Hessen stehen die Busse weiter still. Foto: dpa

Die Stimmung ist gereizt, die Kommentare werden fieser, und bisweilen überschreiten sie die Grenze zur Beleidigung. Spätestens seit Verdi mitgeteilt hat, dass die Busfahrer trotz des Angebots der Arbeitgeber weiterhin streiken, brechen auf der Facebook-Seite der Gewerkschaft die Dämme. Verdi wird als „Irrenhaus“ bezeichnet, die Streiktaktik sei „grenzwertig mit einem Verbrechen“. Ein User findet angesichts des Ausstandes, die NPD sollte die Macht in Deutschland übernehmen, ein anderer schreibt: „Durch euch Penner habe ich 30 Euro in die Luft geschossen, dank eurem Streik. Ihr habt sie nicht mehr alle.“ Wieder andere posten sogenannte Kotz-Smileys – lustige Kunstfiguren, die sich heftig übergeben.

Die Moderation auf der Seite übernimmt Ute Fritzel, Sprecherin von Verdi Hessen. Doch viel zu moderieren gebe es derzeit nicht. Der Gewerkschaft schlage zum Teil nur noch Hass entgegen. So belässt es Fritzel dabei, auf einige ernstgemeinte Fragen zu antworten und ansonsten beleidigende Kommentare zu löschen. Das wiederum brachte Verdi zuletzt den Vorwurf der Zensur ein.

„Ich bin einfach nur fassungslos darüber, wie schnell die Leute mit Hass und Aggressionen reagieren“, sagt Fritzel. Bereits am ersten Tag habe es auf Facebook, aber auch in den Kommentarspalten einiger Medien entsprechende Kommentare gegeben. Je länger der Streik dauerte, desto mehr Einträge wurden es. Dabei sei sie auch „erschüttert darüber, wie wenig die Menschen über unser politisches System wissen“, sagt Fritzel. So werde etwa bisweilen das gesamte Streikrecht in Frage gestellt.

Verständnis für Wut

Derart heftige Reaktionen gab es der Sprecherin zufolge noch bei keinem Streik. Auch nicht beim Ausstand der Erzieherinnen im Jahr 2015, den viele Familien als große Belastung empfanden. Damals hätten vor allem Kita-Mitarbeiterinnen auf der Verdi-Seite diskutiert. „Das war ganz überwiegend Fachpublikum“, erinnert sich Fritzel. Anders als diesmal, wo überwiegend Fahrgäste ihrem Ärger Luft machen.

Dabei hat Fritzel durchaus Verständnis für die Wut. Fast zwei Wochen ohne Bus, das sei in manchen Regionen schon hart. Mitunter frage sie sich aber auch, ob sich die Betroffenen nicht besser organisieren könnten. „An den Schulen im ländlichen Raum bringt jeder nur sein eigenes Kind mit dem Auto – könnte man dort keine Fahrgemeinschaften bilden?“

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